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Bernmobil hat Gleisverschleiss unterschätzt

Ab dem 19. September werden die Tramschienen beim Zytglogge ersetzt. Die Sanierung des Weichendreiecks kommt damit sieben Jahre früher, als Bernmobil erwartet hat.

Hier haben die Schienen nie Pause: Vier der fünf Berner Tramlinien kurven beim Zytglogge Richtung Bahnhof.
Hier haben die Schienen nie Pause: Vier der fünf Berner Tramlinien kurven beim Zytglogge Richtung Bahnhof.
Christian Pfander

Nur das 3er-Tram, das beim Bahnhof wendet und zurück ins Weissenbühl fährt, kommt in Bern um den Zytglogge herum. Alle anderen fahren hier vom Bahnhof durch die Marktgasse kommend Richtung Norden über die Kornhausbrücke oder Richtung Süden über die Kirchenfeldbrücke. Tram für Tram, Minute für Minute.

Bald wird beim Zytglogge allerdings einen Monat lang gebaut statt Tram gefahren. Seit Donnerstag laufen die Vorarbeiten für den Gleisersatz, der kurz vor den Herbstferien, am 19. September, beginnt. Die Trams werden in dieser Zeit durch Busse ersetzt.

Nach 8 statt 15 Jahren kaputt

An einem so viel befahrenen Ort wie dem Zytglogge nutzen die Trams die Schienen über die Jahre derart stark ab, dass sie ersetzt werden müssen. Als im Sommer 2011 die Weichen beim Zytglogge zum letzten Mal ausgewechselt wurden, sprach der damalige Stadtingenieur Hans-Peter Wyss davon, dass diese Kreuzung wegen der grossen Belastung alle fünfzehn Jahre neue Schienen braucht. Nun ist es schon jetzt, acht Jahre später, so weit. 2019 statt 2026.

«Wir sind davon ausgegangen, dass die Schienen beim Zytglogge länger halten würden.»

Rolf Meyer Kommunikationsleiter Bernmobil

Rolf Meyer, Kommunikationsleiter von Bernmobil, bestätigt diese Fehleinschätzung: «Wir sind davon ausgegangen, dass die Schienen beim Zytglogge länger halten würden.» Damals habe die Erfahrung mit der neusten Tramgeneration, den Combino-Niederflurtrams von Siemens, noch gefehlt.

Die neusten Modelle von Bernmobil wurden ab 2002 nach und nach in Betrieb genommen, das lange Combino-Tram ab 2009. Inzwischen hat Bernmobil festgestellt: Die Niederflurfahrzeuge mit Starrachse kurven bei weitem nicht so sanft um die Ecken wie die älteren Trams mit Drehgestell, etwa das blaue Bähnli, das nach Worb fährt. «Klar, wir hören das ja alle», sagt Meyer, «die neuen Trams würgen sich eher durch die Kurven.»

Die Folge: ein höherer Gleisverschleiss. Dieser wurde noch verstärkt, weil mehr Trams über die Weiche Richtung Bahnhof fahren, seit das blaue Bähnli nicht mehr beim Casino stoppt, sondern bis ins Fischermätteli fährt.

Weniger Räder, mehr Druck

Neuere Trams belasten die Gleise etwa darum stärker, weil sie schwerer sind. Sie bringen beinahe 50 Tonnen auf die Schienen statt «nur» gut 30 Tonnen wie die älteren Modelle. Die Fahrzeuge sind grösser, die Sicherheitsstandards strenger,zusätzliches Gewicht kommt auch von Einbauten wie Klimaanlagen.

Die Fahrgäste betreten das Combino-Tram nicht über eine Treppe, sondern können auch mit Kinderwagen, Einkaufswägeli oder Rollstuhl ebenerdig ein- und aussteigen.

Nachteil dieser Bauweise ist, dass die Combino-Trams verglichen mit älteren Modellen weniger Räder haben. Dadurch lastet auf jedem einzelnen Rad ein höheres Gewicht, das wiederum einen höheren Druck auf die Schienen ausübt, insbesondere in einer engen Kurve wie beim Zytglogge.

Zur komplexen Physik einer Tramschiene sagt Meyer: «Beim Zusammenspiel der Räder mit den Schienen haben bereits kleine Veränderungen grosse Auswirkungen.»

Neben dem Gewicht und den Rädern beeinflusst auch die Geschwindigkeit die Abnutzung der Schienen. Die neuen Trams bremsen und beschleunigen schneller.

Kurz: Alles, was das Tram­fahren komfortabler macht, belastet die Gleise und Weichen stärker. Diese konstruktionsbedingte höhere Belastung der Gleise und Weichen kennen auch andere Bahnunternehmen wie die SBB.

Der 8-Jahr-Rhythmus

Noch offen ist, ob die neuen Tramlink-Trams von Stadler, die ab 2023 durch Bern fahren werden, mit technischen Neuerungen das Problem des hohen Gleisverschleisses entschärfen werden.

Die Kosten des aktuellen Gleisersatzes von knapp 3,2 Millionen Franken trägt der Kanton Bern. Die nächste Sanierung beim Zytglogge wird «nach heutigem Wissensstand» in acht Jahren nötig sein, sagt Meyer. 2027 also, voraussichtlich.

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