Der Unersetzbare wankt

Vordergründig hat Benjamin Netanyahu die Nase wieder vorn. In Wirklichkeit ist seine Position schwächer denn je.

Im Kampfmodus: Benjamin Netanyahu. Foto: Keystone

Im Kampfmodus: Benjamin Netanyahu. Foto: Keystone

Paradox, aber logisch: Der Regierungsbildungsauftrag, den Israels Präsident Reuven Rivlin an Benjamin Netanyahu vergeben hat, unterstützt in Wirklichkeit dessen Herausforderer. Denn Netanyahu fehlen noch mehr Abgeordnete als nach der Wahl im April, um eine Regierung zu bilden. Scheitert Netanyahu wie erwartet, hat Benny Gantz bessere Chancen, eine Koalition zustande zu bringen. Dann würden sich in Netanyahus Likud hoffentlich jene Kräfte der Vernunft durchsetzen, die eine dritte Wahl binnen einem Jahr verhindern wollen. Allerdings wird Netanyahu nicht einfach aufgeben. Er ist ein Politiker ohne Moral, er verweigert den Rücktritt, obwohl er mit Anklagen in drei Korruptionsfällen konfrontiert ist. Auch seine Wahlniederlage will er nicht einsehen.

Netanyahu ist im Kampfmodus: Er begann gleich nach dem Regierungsbildungsauftrag mit einer Wahlkampfrede: Nur er könne Israel schützen. Netanyahu hält sich für unersetzbar. Er wird das Land weiter spalten und darauf setzen, dass ihm das nützt. Stoppen können ihn nur die Gerichte oder die Likud-Führung, wenn sie ihn zum Rücktritt zwingt. Den Anstoss dazu könnte Rivlins Auftrag geben.

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