Ein Haus für eine halbe Milliarde

Noch nie waren die Hypothekarzinsen so tief. Doch die Sache hat natürlich einen Haken.

Das Zauberwort «Tragbarkeit» macht vielen, die eine Immobilie kaufen wollen, einen Strich durch die Rechnung. Foto: Getty Images

Das Zauberwort «Tragbarkeit» macht vielen, die eine Immobilie kaufen wollen, einen Strich durch die Rechnung. Foto: Getty Images

Dominic Geisseler@sonntagszeitung

Eigentlich müsste man jetzt zuschlagen und sich ein paar schöne Immobilien unter den Nagel reissen. Noch nie waren die Hypothekarzinsen so tief. Was heisst tief, unterirdisch! Die Bündner Kantonalbank gibt neu die Negativzinsen der Nationalbank sogar an ihre Kunden weiter. Bei 0,2 Prozent macht das für einen Kredit von einer Million schon ein flottes Taschengeld von ein paar Tausend Franken.

Doch die Sache hat natürlich einen Haken. Erstens kommen nur ausgewählte, potente Kunden in den Genuss dieses Extra-Batzens, und zweitens macht das Zauberwort «Tragbarkeit» vielen einen Strich durch die Rechnung. Eine Hypo gibts erst, wenn der zukünftige Eigenheimbesitzer auch einen Zins von fünf Prozent locker bezahlen könnte. Das wiederum führt dazu, dass sich heute auch gut Verdienende weiterhin mit einer Mietwohnung begnügen müssen (deren Zins allerdings immer noch gleich hoch ist wie seit Jahren).

Fazit: Die Hausbesitzer sind einmal mehr die Gewinner – die Mieter die Verlierer. So ging es übrigens auch einem Mieter in Zürich. Weil der Zins exorbitant erhöht wurde, erwägte das traditionelle Warenhaus Manor, das Gebäude an der Bahnhofstrasse zu kaufen. Doch die Bank winkte ab. 535 (!) Millionen Franken? Lächerlich! – Vielleicht müsste Manor das Angebot verdoppeln und mal bei den Bündnern anklopfen. Das gäbe glatt einen Zinsbonus von fünf Millionen.

Vielleicht hätten wir aber auch einfach früher mehr Monopoly spielen sollen …

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