Der chinesische Riese, der Schweizer Börsenregeln bricht

Der HNA-Gruppe gehören zahlreiche Firmen, wie Swissport. Doch dem Konzern geht es schlecht – und er hat jetzt ein Problem mit der Finanzaufsicht.

HNA-Mitgründer Feng Chen: Die Finma kritisiert, wie der chinesische Konzern bei Dufry einstieg.

HNA-Mitgründer Feng Chen: Die Finma kritisiert, wie der chinesische Konzern bei Dufry einstieg.

(Bild: Reuters China Stringer Network)

Der chinesische HNA-Konzern hat eine gewaltige Shopping-Tour hinter sich. Auf der ganzen Welt wurden in den letzten Jahren Firmenanteile zusammengekauft. Etwa an der Deutschen Bank oder der Hotelgruppe Hilton. Doch die Last der Einkaufstour ist gross. Die Schulden türmten sich zwischenzeitlich auf über 80 Milliarden Franken. Zuletzt schrieb HNA denn auch Milliardenverluste, meldete Bloomberg. Einige der Anteile wurden daher bereits wieder abgegeben. Weitere sollen verkauft werden. Und der Konzern hat es bei den Übernahmen auch nicht besonders genau genommen und das eine oder andere wichtige Detail verschwiegen.

So wirft die Finanzmarktaufsicht Finma dem Unternehmen in einem heute veröffentlichten Berichteine schwere Verletzung der Offenlegungspflicht vor. Vor zwei Jahren kaufte HNA Anteile am Basler Flughafen-Shop-Betreiber Dufry, von denen sich die Firma unterdessen wieder getrennt hat. In mehreren Transaktionen häufte die Firma rund 20 Prozent der Anteile an. Zum Teil über wichtige Manager, wie den inzwischen verstorbenen Firmengründer Jian Wang oder seinen Geschäftspartner Feng Chen, zum Teil über eine Stiftung namens Cihang Foundation, die zum Konzern gehörte. Alle verfügten über enge Verbindungen zur HNA-Gruppe – der Konzern legte dies aber nicht offen.

HNA reagierte nicht auf Finma-Kritik

Daraus schliesst die Finma, dass die HNA-Gruppe wiederholt falsche Meldungen über die Anteilshöhe bei Dufy machte. Und sie blieb dabei äusserst hartnäckig. So heisst es im Bericht der Aufsicht: «Selbst als die Finma Vorabklärungen eröffnete und eine Korrektur der Meldungen forderte, korrigierten die Parteien den gesetzeswidrigen Zustand nicht.» Auch gaben sie nach der Veräusserung der Dufry-Beteiligung in ihrer Offenlegungsmeldung vom 6. Februar 2019 erneut die Cihang Foundation als wirtschaftlich Berechtigte bekannt. Die Finma zeigte den Sachverhalt beim Eidgenössischen Finanzdepartement EFD an. Auf eine Anfrage hat HNA bislang nicht reagiert.

Laut Patric Eymann, Leiter des Geschäftsbereichs Enforcement bei der Finma, müsse transparent sein, wer bei börsenkotierten Aktiengesellschaften hinter wichtigen Beteiligungen steht. «In der Schweiz müssen deshalb die faktischen Verhältnisse offengelegt werden, damit sich Investoren nicht wie hier hinter undurchsichtigen Strukturen und Formalien verstecken können», so Eymann.

Öfter in Schwierigkeiten

Es ist nicht die erste Auseinandersetzung der chinesischen HNA mit Schweizer Aufsichtsstellen. Das Unternehmen kaufte drei ehemalige Töchter der Swissair. So gehörten die Firmen Swissport, SR Technics und Gategroup zum chinesischen Riesen. Der Flughafen-Caterer Gategroup wurde unterdessen wieder abgestossen. Beim Kauf der Firma vor zwei Jahren wurde HNA durch die Schweizer Übernahmekommission gerüffelt. Auch damals schon soll ein Teil der Übernahme über Strohmänner abgewickelt worden sein.

Bei der Übernahme von Swissport soll es ebenfalls nicht mit rechten Dingen zu- und hergegangen sein. Damals verwarnte der Börsenbetreiber SIX die HNA-Gruppe, weil bestehende Obligationäre benachteiligt wurden. Die Episode HNA könnte bald wieder vorbei sein. Denn auch SR Technics und Swissport sollen laut Medienberichten verkauft werden.

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