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Kontroverse um Hirschpopulation

Wie gross darf die Hirschpopulation im Kanton Bern werden? Im Vorfeld des Oberländischen Pelz- und Fellmarktes von heute in Thun waren sich Jäger und Vertreter aus Forst und Landwirtschaft in dieser Frage uneinig.

«Für die Landwirtschaft bedeutet die zunehmende Hirschpopulation in gewissen Gebieten eine grosse Herausforderung», sagte Walter Balmer, Präsident Landwirtschaftliche Organisationen Bern, am Donnerstagabend im bis auf den letzten Platz besetzten Saal im Hotel Freienhof. Im Vorfeld des heutigen Oberländer Pelz- und Fellmärit in Thun hatte der Jagd- und Wildschutzverein Thun und Umgebung zum Podiumsgespräch geladen. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Entwicklung des Hirschbestandes im Kanton Bern. «Aktuell zählen wir rund 1000 Rothirsche, Tendenz steigend, insbesondere im Oberland und im Emmental», erklärte der kantonale Jagdinspektor Peter Juesy.

«Damit», fand Balmer, «ist die Verträglichkeitsgrenze erreicht.» Weil die Hirsche grosse Schäden in Forst und Landwirtschaft anrichten, dürfe der Bestand nicht weiter anwachsen. «Wir haben das Maximum erreicht.»

Weitere Massnahmen nötig

Ob es mit weniger Hirschen denn auch weniger Schäden gebe, wollte Moderator Christian Strübin, Redaktor Radio DRS1, wissen. «Dem ist nicht so», antwortete Rudolf von Fischer, Vorsteher Kantonales Amt für Wald. Um Schäden zu minimieren, brauche es entsprechende Massnahmen. Zum Beispiel Ruhe- und Wildschutzzonen. «Wenn dies gelingt, hat der Hirsch im Kanton Bern viel Spielraum», betonte von Fischer.

Dies zeige auch in Blick über die Kantonsgrenzen. So zähle zum Beispiel der mit dem Kanton Bern vergleichbare Kanton Graubünden rund 14000 Hirsche. Dass es im Kanton Bern genügend Platz hat für den Hirsch, davon ist auch Lorenz Hess, Präsident des Berner Jägerverbandes, überzeugt. «Wir jammern auf hohem Niveau, weil wir weit davon entfernt sind, dass die Population ausufert.» Es sei kein Problem, wenn der Bestand weiter anwachse, verbunden mit einer vorsichtigen Bejagung.

259 Hirsche geschossen

Genau dort will auch der kantonale Jagdinspektor ansetzen. «Mit einem neuen Modell, das auf die Entwicklung der Tiere Rücksicht nimmt, wurden erstmals die vorgegebenen Abschusszahlen erreicht», sagte Juesy. So wurden im vergangenen Herbst 259 von 281 zur Jagd freigegebenen Tiere geschossen. Das 2011 eingeführte Modell senkt die Strafe für Jäger auf 400 Franken, wenn dieser eine Hirschkuh schiesst, die ein Junges hat. Schiesst er die Kuh und das Kalb, muss er nun gar nichts bezahlen. Zuvor lag die Strafe für eine geschossene Kuh, die ein Junges hat, je nach Grösse zwischen 600 und 1000 Franken.

«So können wir die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen auf einem tragbaren Mass halten», zeigte sich Juesy überzeugt. Und: «Wir streben eine wirtschaftlich tragbare Population an.» Im 19.Jahrhundert galt der Hirsch im Kanton Bern übrigens als ausgestorben. Erst 1961 wanderten die ersten Rothirsche über den Brünig wieder in den Kanton Bern ein.

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