Rasen und blödeln, alles auf Band

Am Dienstag mussten drei Töfffahrer am Regional­gericht antraben. Sie wurden wegen diverser Verkehrsdelikte verurteilt.

Die drei Töfffahrer wurden wegen diverser Verkehrsdelikte verurteilt. (Symbolbild)

Die drei Töfffahrer wurden wegen diverser Verkehrsdelikte verurteilt. (Symbolbild)

(Bild: iStock)

Cedric Fröhlich@cedricfroehlich

Die drei Männer waren oft gemeinsam auf Berns Strassen unterwegs. In Uetendorf, bei Unterseen, im Gantrisch. Und wo sie mit ihren Töffs durchfuhren, wurden Verkehrsregeln gebrochen.

Massive Geschwindigkeitsüberschreitungen, haarsträubende Überholmanöver, ernsthafte Gefährdung anderer. Die Berner Staatsanwaltschaft dokumentierte in ihrer Anklage etliche Zwischenfälle. Die ältesten sind mehr als drei Jahre her, der letzte stammt vom 6. Januar 2018. An jenem Tag eskalierte die Sache komplett.

Die Töfffahrer, alle um die dreissig und aus dem Freiburgischen, drehen an diesem Samstag eine wiederum ziemlich verrückte Runde: 117 Stundenkilometer ausserorts, überfahrene Sicherheitslinien – gerne auch auf dem Hinterrad.

Kurz vor Muri kreuzen sie einen Streifenwagen. Die Beamten wenden, knipsen das Blaulicht an. Es beginnt eine kurze, wilde Verfolgungsjagd. Zuerst fahren die Töfffahrer in enger Formation, teilweise mit bis zu 144 Stundenkilometern im 80er, sie überholen einen Anhänger – einer rechts, zwei links.

Augenblicke später brechen sie ihre Flucht jedoch ab. Zwei fahren rechts ran, stellen sich der Polizei. Ihr Kollege wenig später auch. Die Beamten nehmen den dreien noch vor Ort auch ihre Helmkameras ab, eine davon enthält Videos der gemeinsamen Ausfahrten der letzten Jahre.

Das belastende Material war ständig mit den dreien unterwegs, gespeichert auf einem Chip. Nun macht es die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden beinahe zum Selbstläufer.

«Seltene Einsicht»

Am Dienstag sassen die drei Verkehrssünder im Raum 113 des Berner Amthauses und vor Gerichtspräsident Jürg Christen. Sie entschuldigten sich mehrfach, sagten, es komme nie wieder vor, und akzeptierten das vorgeschlagene Strafmass von vornherein.

Sie hatten vorab bei der Staatsanwaltschaft ein verkürztes Verfahren beantragt und erhalten. Das heisst: Die Parteien hatten sich auf einen Deal geeinigt, den das Gericht noch absegnen musste. Was es auch tat.

Noch während der Verfolgungsjagd überlegten es sich die Männer anders, hielten an, zeigten Reue. Die Motorräder haben sie aus freien Stücken verkauft, bevor die Behörden die Maschinen – wie bei Raserdelikten vorgesehen – mühsam einziehen und veräussern mussten.

Der Erlös über 12'000 Franken ging an den Staat, um damit die Verfahrenskosten zu bezahlen. Es ist die Art von Kooperation, welche Richterinnen und Richter mögen. Gerichtspräsident Christen sagte dazu: «Sie haben eine Einsicht gezeigt, wie wir sie hier selten erleben.»

Er sprach von «tadellosem Verhalten» nach der Tat und verurteilte sie – wie im Deal vorgesehen – zu bedingten Freiheitsstrafen von 14, 14 und 18 Monaten sowie zu bedingten Geldstrafen und geringen Bussen. Und ganz am Schluss gab es sogar die Kameras zurück.

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