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Sigrist erlegte einen kapitalen Hirsch

Am grössten Pelz- und Fellmarkt der Schweiz war Désirée Sigrist die Aufmerksamkeit ihrer Jägerkollegen sicher: Die 28-jährige aus Heimenschwand schoss im Osten Thuns einen 200 Kilogramm schweren Platzhirsch.

Désirée Sigrist aus Heimenschwand sitzt am Tisch bei einem wärmenden Kaffee. Es ist kalt an diesem Samstagvormittag in der Thuner Innenstadt, und dennoch herrscht bereits in der Früh reger Betrieb. Am Eingang der zur Markthalle umfunktionierten Autoeinstellhalle des Hotels Freienhof stehen Jäger in Vollmontur. Die Flinte haben sie zu Hause gelassen, dafür tragen sie Fuchsbälge auf dem Buckel. Die 28-jährige Désirée Sigrist fachsimpelt mit Gleichgesinnten. Jägerlatein mit Männern eben.

Am grössten Pelz- und Fellmärit der Schweiz in Thun schüttelt die junge Jägerin da und dort eine Hand und nimmt Gratulationen entgegen.

«Auf einmal stand er vor mir»

Immer wieder erzählt sie mit leuchtenden Augen ihre Geschichte. Die Geschichte vom kapitalen Hirschstier, den sie in ihrer fünften Jagdsaison im vergangenen September im Osten von Thun ganz unerwartet erlegen konnte. «Er stand plötzlich vor mir, ich hatte keine Zeit zu überlegen», umschreibt die Jägerin den Moment immer wieder, als wäre es gestern gewesen. Und weiter: «Diesen Moment werde ich nie vergessen, es war die Krone des Waidmannswerks.» Über 200 Kilogramm brachte der rund 6-jährige Platzhirsch auf die Waage.

Da freute sich auch der Metzger. Das markante Hirschgeweih liess Désirée Sigrist schliesslich als Trophäe präparieren und am Pelz- und Fellmärit an der Trophäenschau ausstellen.

«Jagen ist eben Leidenschaft», sagt Désirée Sigrist. Seit 5 Jahren ist die Gärtnerin aus Heimenschwand stolze Besitzerin eines Jagdscheins. Auf den Geschmack gekommen ist sie durch ihren Freund, den 33-jährigen Adrian Fahrni. Obwohl im Kanton Bern jährlich bis zu 4300 Füchse erlegt werden, überlässt Désirée Sigrist die Fuchsjagd vorab den Männern. «Ich schiesse auch nicht auf weibliche Tiere», erklärt die Jägerin, die als Tiernärrin zu Hause zahlreiche Zuchtkaninchen und andere Kleintiere pflegt. Désirée Sigrist geniesst es, mit und in der Natur zu arbeiten. «Da kommt es auch mal vor, dass ich auf der Jagd nicht abdrücke», sagt sie.

Es sind denn auch Waidmänner, welche am Oberländer Pelz- und Fellmärit Hunderte von Fuchsbälgen, Marderpelzen und Dachsschwarten zu Markte tragen und um Preise feilschen. Bis zu 15 Franken bieten die Händler in der Autoeinstellhalle des Freienhofs heuer für einen Fuchsbalg. Dies ist deutlich mehr als vor Jahresfrist, als der Preis bei 8 Franken lag. Von den Berner Jägern angeliefert werden am Samstag in Thun insgesamt 689 Fuchsbälge, 67 Marderpelze und 57 Dachsfelle. Dies entspricht ungefähr der Auffuhr vom Vorjahr. Ein Grossteil der in Thun aufgeführten Pelze und Felle ist für den Export bestimmt. Rund 95 Prozent gehen nach Osteuropa, Russland und Asien. Jägerin Désirée Sigrist kommt angesichts der vielen Fuchsbälge jedenfalls ins Schwärmen: «Pelze aus hiesiger Jagd sind ein Naturprodukt, das es zu nutzen gilt.»

Nur 90 aktive Jägerinnen

Nutzen will sie auch ihre kapitale Hirschtrophäe, die an der Trophäenschau den vierten Platz erreichte. Sie wird ihre Wohnung schmücken. Die Jägerin will nach ihrem Erfolg auch künftig gemeinsam mit ihren männlichen Jagdkollegen wieder der Pirsch frönen, auch wenn die Jagd im Oberland eine Domäne der Männer ist. So zählt der Kanton bei rund 2650 Waidmännern gerade mal 90 Jägerinnen. Doch Désirée Sigrist betont: «Ich bin von den Männern gut aufgenommen worden.»

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