Willkommenskultur auf der «Schütz»

Stadt Bern

Ab diesem Wochenende schickt die Stadt interkulturelle Vermittler in die Problemzone Schützenmatte. Diese sollen helfen, die dortigen Migranten besser zu integrieren.

Weil organisierte Banden auf der «Schütz» verkehren, braucht es Vermittler.

Weil organisierte Banden auf der «Schütz» verkehren, braucht es Vermittler.

(Bild: Barbara Héritier)

Michael Bucher@MichuBucher

Am Anfang war die Hoffnung. Weil rund um die Reitschule der Drogenhandel florierte, beschloss der Gemeinderat, die Schützenmatte mit einem vielfältigen Gastroangebot zu be­leben. Zusammen mit erhöhter Polizeipräsenz sollte dies die Situation entschärfen.

Letzten Sommer dann der offene Brief der Reitschule an den Gemeinderat. Die Betreiber sprachen von verlorenem Vertrauen. Der Grund: Die Situation habe sich verschlimmert, die Stadt setze zu einseitig auf Repression.

Tatsächlich haben nebst dem Drogenhandel auch Diebstähle von organisierten Banden aus dem afrikanischen Raum zugenommen. Auch der Verein Platzkultur, welcher die Belebung auf der «Schütz» koordiniert, beklagte die Zustände. Die Zwischennutzer trieben daraufhin zusammen mit der Stadt ein interkulturelles Projekt voran.

Testlauf bis Ende Jahr

Gestern nun hat die Sozialdirektion den Start des Pilotprojekts verkündet. Morgen Abend schickt die Stadt erstmals geschulte Vermittlungspersonen zum sozialen Brennpunkt Schützenmatte.

Die Vermitter mit Erfahrungen im Asyl- und Sozialsystem des Kantons Bern sollen die Migranten auf die Regeln für ein friedliches Miteinander auf dem Platz aufmerksam machen und sich ihrer sozialen Bedürfnisse annehmen.

Viele der jungen Platzbesucher hätten eine ungenügende Tagesstruktur, schreibt die Sozialdirektion. Durch eine «aktive Willkommenskultur» und die Vermittlung von Unterstützung solle ihnen ein besserer Zugang zu Gesellschaft, Ausbildung, Beruf und Sozialsystem ermöglicht werden.

Das Pilotprojekt läuft bis Ende Jahr, im Einsatz stehen die Dialogteams vorwiegend an den Wochenenden. Die Vermittler stammen aus demselben Kulturkreis wie die jungen Migranten, die sich auf der Schützenmatte aufhalten, und sprechen im Idealfall auch deren Sprache. Laut Sozialdirektorin Franziska Teuscher (Grüne) sind das im Moment vor allem Tigrinya (Äthiopien und Eritrea), Somali und Arabisch.

Kritische Geister könnten dem Gemeinderat Naivität vorwerfen, dass er den organisierten Diebesbanden mit interkultureller Vermittlung begegnen will. «Das primäre Ziel des Sozialprojekts ist der Dialog, die Beratung und die Prävention und nicht die Verfolgung von Straftaten», ent­gegnet Franziska Teuscher.

Letzteres sei immer noch Sache der Polizei. Es sei ein zusätzlicher sozialarbeiterischer Ansatz zur Förderung der Integration. Der Sozialdirektorin ist zudem wichtig, dass man die auf der Schützenmatte präsenten Migranten nicht alle über einen Kamm schere und mit kriminellen Machenschaften in Verbindung bringe.

Umgestaltung geplant

Weitere Massnahmen zur «Befriedung» der Schützenmatte seien in Planung, schreibt die Sozialdirektion in ihrer gestrigen Mitteilung. Dabei geht es um die Finanzierung eines Sicherheitsdienstes während des nächtlichen Wochenendbetriebs, um die verbesserte Gestaltung und Möblierung des Platzes und um einen wirksamen Lärmschutz zugunsten der angrenzenden Quartiere.

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