Der SCB ist vom Weg abgekommen

Der SC Bern verliert gegen Lausanne 2:5. Eine Krise auszurufen, mag verfrüht sein; Tatsache ist, dass die Berner unter Trainer Kari Jalonen noch nie so eine schlechte Serie hingelegt haben.

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Adrian Ruch

Der Videowürfel in der Postfinance-Arena zeigt auf der der Presse- und VIP-Tribüne zugewandten Seite zwar noch das Resultat an, vom Bild hingegen nur noch rund 30 Prozent. Von den Spielern ist höchstens noch der Unterkörper zu sehen. Eine gewisse Symbolik ist nicht von der Hand zu weisen. Die Akteure des SC Bern agieren zu oft kopflos; die viel gerühmte Stabilität hat die Mannschaft Kari Jalonens in der laufenden Saison noch nicht erlangt.

Als die 60 Minuten vorbei sind, steht auf dem defekten Würfel neben dem SCB-Logo eine 2, neben dem Löwenkopf eine 5. Die Niederlage gegen Lausanne ist die vierte des Meisters in Folge. Es ist die schlechteste Serie der Mutzen seit Jalonens Amtsantritt. Auch Ende November/Anfang Dezember 2017 hatten die Berner viermal nacheinander verloren, aber immerhin drei Zähler geholt, diesmal ist es nur einer. Und heute wartet die schwierige Aufgabe in Zug gegen die ausgeruhte EVZ-Equipe.

Früher Goaliewechsel

«Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg», sagt der Volksmund. Den Willen konnte man den Akteuren des SCB nicht absprechen. Tristan Scherwey setzte schon nach 22 Sekunden ein Zeichen, indem er Lausannes Finnen Petteri Lindbohm an die Bande nagelte. Kurz darauf scheiterte Gregory Sciaroni allein vor Tobias Stephan. Doch trotz grossem Engagement gerieten die Berner auf den Holzweg. Denn im Gegenzug brachte Tyler Moy die Gäste in Führung, der Flügel konnte sich die Ecke seelenruhig aus­suchen. Niklas Schlegel, der gegenüber Pascal Caminada zum fünften Mal den Vorzug erhalten hatte, war machtlos.

Doch kurz darauf liess er in Überzahl den Puck nach einem harmlosen Schuss Etienne Froidevaux’ abprallen, worauf Benjamin Antonietti erbte. Nach diesem Fauxpas, absolviert waren 5 Minuten und 40 Sekunden, war Schlegels Arbeitstag vorbei. Weil die Zuordnung in der eigenen Zone nur selten stimmte, konnte sich Caminada gleich ein paarmal auszeichnen. Doch in der 11. Minute liess er sich in Unterzahl von Joël Genazzi bezwingen – 0:3. Der Meister steuerte auf direktem Weg auf ein Debakel zu.

«Wir hatten uns viel vorgenommen, wollten unbedingt eine Reaktion zeigen», sagt Alain Berger am Ende. «Doch im ersten Drittel spielten wir zu ängstlich.» Immerhin brachte Ramon Untersander per Weitschuss noch vor der ersten Pause die Hoffnung zurück. Im zweiten Abschnitt agierten die Mutzen dann mit Playoff-ähnlicher Intensität. Das Aufbäumen seiner temporären Trainingskollegen erlebte Patrik Laine nicht mehr mit; der finnische NHL-Star war abgereist, als er sich mit den Winnipeg Jets über einen 2-Jahres-Vertrag geeinigt hatte. Calle Andersson gelang das 2:3 per Weitschuss, und die Berner machten weiter Druck. Eine Wende schien möglich.

Gemeinsam aus dem Tief

Doch die zweite Pause war dem Schwung der Einheimischen abträglich. Zu guten Chancen kamen sie erst wieder, als Ronalds Kenins im Powerplay auf 4:2 erhöht hatte. Die Berner versuchten in der Schlussphase alles, aber der Weg zum Erfolg blieb versperrt. Dustin Jeffrey sorgte mit einem Schuss in verlassene SCB-Tor für das Schlussresultat. «Wir dürfen nun nicht den Kopf hängen lassen», fordert SCB-Flügel Berger von sich und seinen Teamkollegen. «Der Match in Zug ist ein sehr wichtiger. Jeder weiss, was es geschlagen hat.»

Eine Missstimmung herrscht laut Berger in der Mannschaft trotz ungenügender Resultate nicht. «Wenn wir unser Spiel durchziehen, sind wir gut. Das hat man im zweiten Drittel ge­sehen. Wir müssen nun gemeinsam aus dem Tief finden.» Der SCB ist vom Weg abgekommen, nun gilt es, wieder in den Erfolgspfad einzubiegen.


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