«Ich beziehe keinen Lohn – ich gebe Geld»

David Degen kauft zehn Prozent des FC Basel. Dafür nennt er zwei Gründe: einen emotionalen, der klar überwiegen soll, und einen rationalen.

David Degen zu seiner FCB-Teilhaberschaft. (Video: Tamedia)

Lockeren Schrittes und energiegeladen, wie man ihn aus seiner Aktivzeit kannte, betritt David Degen das Mediencenter im St. Jakob-Park. Sein Lachen ist ansteckend. Sein Gesicht jungenhaft wie früher. Überhaupt scheinen die Jahre am ehemaligen Offensivspieler, der beim FCB gross geworden ist und später auch bei Gladbach in der Bundesliga und bei YB sein Geld verdient hat, spurlos vorübergegangen zu sein. Aber der Zwillingsbruder von Philipp, einst bei Basel, Dortmund und Liverpool, ist heute 36 Jahre alt und aus dem zappeligen Fussballer ist ein Unternehmer geworden.

Da sitzt er nun inmitten der Journalisten. Auf dem Podium wollte er nicht Platz nehmen, um die Fragen zu beantworten, die im Raum stehen, seit der FC Basel am Montag kommunizierte, dass der frühere Spieler Verwaltungsrat der FCB-Holding und Miteigentümer wird. Degen hat sich mit zehn Prozent in den Club eingekauft. Das gab es in der Schweiz noch nie, dass ein früherer Fussballspieler nur fünf Jahre nach Ende seiner Aktivkarriere bereits Mitbesitzer eines Clubs wird. Dabei sei er auf Bernhard Burgener zugegangen. Seit Mai sei man dann im Gespräch gewesen.

Aber was waren seine Beweggründe? «Das waren vor allem zwei», so Degen. «Der emotionale Grund liegt auf der Hand: Ich habe in Oberdorf mit Fussballspielen begonnen und bin dann zum FCB gegangen. Mein Traum war immer, Fussballprofi zu werden und der FCB hat mir die Chance gegeben. Hier bin ich gross geworden, habe Titel feiern dürfen und hatte die beste Zeit als Fussballer. Der rationale Grund: Ich habe immer gewusst, dass ich nach meiner aktiven Zeit im Fussball-Business bleiben will. Ich habe mich weitergebildet, habe Erfahrungen gesammelt und erfolgreich gearbeitet. Das Fussball-Business hat seine eigenen Regeln und ich wage zu behaupten, sie zu kennen.»

Stillschweigen über den Kaufpreis

Es gehe ihm um die künftige strategische Ausrichtung des Clubs. «Der FC Basel ist ein Club mit grosser Tradition und vielen Menschen, die hervorragende Arbeit leisten. Ich stelle mein Netzwerk, mein Know-how und meine Fachkompetenz zur Verfügung. Aber ich will dem Club nicht meine Handschrift verpassen.» Was ihm diese Tätigkeit bei seinem «Herzensclub» (Zitat: CEO Roland Heri) in Franken wert war, sagt er nicht. Man habe «Stillschweigen» vereinbart, sagt Degen lachend.

Nach seiner Karriere begann Degen ein Studium in Betriebswirtschaft, lernte Helikopter-Fliegen, er investierte u.a. in Immobilien und er verfügt über ein grosses Netzwerk, das über den Sport hinausgeht. Und er passt als Basler perfekt ins rotblaue Strategiekonzept von Burgener – vor allem, nachdem mit den Austritten von Alex Frei und Marco Streller aus dem Verwaltungsrat die rotblaue DNA unfreiwillige Diät erfuhr. Der heikelste Punkt ist seine unternehmerische Vergangenheit als Spielerberater und Präsident der Beratungsagentur SBE Management AG, die er 2016 zusammen mit Philipp gründete.

«Ich habe alle Ämter zurückgelegt, während Philipp in der Firma bleibt», so Degen. Einen Konflikt sieht er trotz der speziellen Nähe zu seinem Zwillingsbruder nicht, den er erst spät über seinen «Alleingang beim FCB» informiert habe. Degen: «Ich bin Verwaltungsrat der Holding und operativ nicht tätig.» Beim Thema Interessenskonflikt, wenn es um Spieler gehe, die SBE betreffen, springt Roland Heri für Degen in die Bresche. «Natürlich war uns diese Problematik bewusst und wir haben darüber gesprochen. David Degen wird in solchen Fällen in den Ausstand treten», sagt der CEO des FC Basel.

Genug verdient in seinem Leben

Wovon lebt Degen aber, wenn er nicht mehr in der Berateragentur tätig sein kann? «Ich beziehe keinen Lohn. Ich gebe Geld», sagt er sofort auf die Frage. «Glauben Sie mir, ich habe genug verdient in meinem Leben. Ich war nicht untätig und ich kann gut mit dem Geld leben, das wir bisher verdient haben.» Und reicht es auch für den Fall, dass er als Aktionär finanziell geradestehen muss? «Ich bin Aktionär und trage alles mit!», sagt Degen, «auch das Finanzielle.»

Aber wer Geld investiert, will auch Gewinn dafür sehen. «Es geht um das Wohl des Clubs und ich habe kein Eigeninteresse», bekräftigt Degen, der selbst nach Dutzenden Fragen immer noch Geduld zeigt. Das war nicht immer seine Stärke. Selbst ein rhetorischer Angriff seitens des Boulevard bringt ihn nicht aus dem Konzept. Und weiter: «Klar will man etwas davon haben, wenn man investiert, aber im Moment geht es mir null darum. Was in fünf oder zehn Jahren ist, kann ich nicht beantworten.»

Dafür gab er Auskunft, ob es bei zehn Prozent seines Aktienkapitals bleiben soll oder ob er daran denkt, weitere Aktien zu erwerben oder Investoren zu bringen. «Alles bleibt so wie es ist. Stand jetzt kann ich nicht mehr sagen.» Stand jetzt.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt