43-Jähriger glänzt im «Rennen durch die Hölle»

Der portugiesische Geher João Vieira holt über 50 km Silber. Hauptthema aber sind die brutalen Bedingungen.

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Der Spruch «Alter ist nur eine Zahl» bekam an der WM in Doha in der Nacht auf Sonntag einmal mehr Gültigkeit. Schon zehnmal war der portugiesische Geher João Vieira an einer Weltmeisterschaft gestartet, nie hatte er seinen Traum von einer Medaille erfüllen können. Jetzt, mit 43 Jahren, klappte es doch noch: Vieira kam hinter dem Japaner Yusuke Suzuki mitten in der Nachthitze von Doha nach 50 Kilometern als Zweiter ins Ziel. Damit wurde er der älteste Medaillengewinner in der Geschichte der Leichtathletik-WM.

Der grosse Moment: Vieira erreicht am frühen Sonntagmorgen das Ziel in Doha als Zweiter und feiert seine erste WM-Medaille. (Video: Twitter)

«Viele Leute hätten mir nie zugetraut, dass ich so weit kommen könnte, aber ich hörte nie auf zu träumen», sagte Vieira. «Dies ist die beste Medaille meiner ganzen Karriere, und das nach dem härtesten Rennen meiner elf Weltmeisterschafts-Teilnahmen.» Der 1,75 m grosse und 59 kg schwere Portugiese kommt aus Portimão und hat einen Zwillingsbruder namens Sergio, der ebenfalls Geher ist.

Vieira kam nach 4:04:59 Stunden ins Ziel und sicherte sich die Silbermedaille mit lediglich drei Sekunden Vorsprung auf den Kanadier Evan Dunfee. Suzuki hatte sich früh einen komfortablen Vorsprung erlaufen, war 39 Sekunden vor ihm ins Ziel gekommen und damit erster japanischer Weltmeister im Gehen. Auch für den 31-Jährigen wurde ein lange gehegter Wunsch wahr. «Von diesem Gold habe ich sehr viele Jahre geträumt», sagte Suzuki. «In den vergangenen drei Jahren konnte ich keine Wettkämpfe bestreiten, aber das war mein Moment des Ruhms.»

Nur 28 von 42 Startern am Ziel

Vieira lief zuerst ein diskretes Rennen, ehe er nach 35 km in den vordersten Rängen erschien. Dabei profitierte er von der Aufgabe von Matej Toth, dem Olympiasieger von Rio, und Regelverstössen des Norwegers Havard Haukenes, der später disqualifiziert wurde. Damit fand er sich plötzlich auf Rang 4 wieder, worauf er den Chinesen Yadong Luo und in der letzten Runde auch noch dessen Landsmann Wenbin Niu überholte. Vieira war aber nicht der Älteste im Feld: Der Spanier Jesús Angél García, der Achter wurde, wird im Oktober 50.

Das Rennen war wegen der Hitze und Feuchtigkeit erst um 23.30 Uhr Lokalzeit gestartet worden. Wie schon im Marathon der Frauen 24 Stunden zuvor kämpften Geher und Geherinnen erneut vor allem mit Temperaturen um 32 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent. 14 Läufer gaben auf (darunter der französische Titelverteidiger und Weltrekordler Yohann Diniz), vier wurden disqualifiziert, lediglich 28 kamen ins Ziel.

«Der Puls ging in astronomische Höhen»

«Wegen der Schwüle war es schwer zu atmen, der Puls ging in astronomische Höhen und der Kopf wurde immer heisser, obwohl ich Eis in den oben aufgeschnittenen Wüstenmützen auf dem Kopf hatte», sagte der deutsche Geher Carl Dohmann. «Dass es keiner unter vier Stunden schafft, das habe ich als Athlet noch nicht erlebt.» Nach der langen Quälerei musste er lange medizinisch versorgt werden.

«Es war eine Grenzerfahrung», sagte der deutsche Meister Jonathan Hilbert, der auf dem 23. Platz landete. «Man denkt sich seinen Teil. Es ist grenzwertig, hier die WM zu machen.» Der WM-Dritte aus Kanada, Evan Dunfee, kann sich eine Steigerung nicht vorstellen: «Ich komme aus der Tiefe der Hölle.»

rst/dpa

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