Testosteronbolzen provoziert Polizei

Der deutsche Gangster-Rapper Fler tickte bei einer Polizeikontrolle total aus. Womöglich um sein neues Album zu promoten.

Mit seiner Frau war er am Sonntagnachmittag bei strahlend schönem Wetter in seiner neuen, weissen Mercedes-S-63-Limousine unterwegs: Rapper Fler. Foto: Instagram/ @fler

Mit seiner Frau war er am Sonntagnachmittag bei strahlend schönem Wetter in seiner neuen, weissen Mercedes-S-63-Limousine unterwegs: Rapper Fler. Foto: Instagram/ @fler

Michèle Binswanger@mbinswanger

Der dickliche Mann kann sich kaum beruhigen. Auf den ersten Blick ist er ein gewöhnlicher Typ in Trainerhosen und abgelatschten Sneakers und Tattoos, der offensichtlich viel von sich selber hält. Tatsächlich handelt es sich beim Mann um Fler, einen der bekanntesten Gangster-Rapper Deutschlands.

Und er tut sich gegenüber der Polizei keinen Zwang an: Sechs Minuten schimpft er auf einen der beiden Polizisten ein, die ihn offensichtlich angehalten haben. Er nennt ihn Fanboy, Dicker, neidischen Schwanz mit einer Föhnfrisur. Er habe keine Ahnung, keine Autorität, sei ein Witz, verhöhnt er den Beamten. Hätten die zwei Polizisten auf Streife dem 37-Jährigen zuvor nicht Handschellen angelegt, man würde um ihre Sicherheit fürchten.

Für die Nachwelt aufgezeichnet wurde die Szene von Flers Frau, die brav die Kamera draufhält. Mit ihr war er am Sonntagnachmittag bei strahlend schönem Wetter in seiner neuen, weissen Mercedes-S-63-Limousine unterwegs, als eine Polizeistreife das Paar anhielt und den Mann aufforderte, Fahrausweis und Fahrzeugpapiere vorzulegen. Mit solch niederen Absichten muss man einem Gangster-Rapper beim Sonntagsausflug natürlich nicht kommen.

Vom Heimkind zum Gangster-Rapper

Jedenfalls steigt Fler zwar aus seinem Wagen, denkt aber nicht daran, seine Papiere vorzuweisen. Stattdessen lässt er seinem Frust freien Lauf und beschimpft die Polizisten aufs Übelste, während die beiden die Tirade seelenruhig über sich ergehen lassen. In einem Interview, das Fler am Montag mit der Zeitung «BZ Berlin» geführt hat, äussert der Rapper die Vermutung, der Polizist habe ihn erkannt und deshalb angehalten, weil er gewusst habe, dass er Probleme mit der Fahrerlaubnis habe. Deshalb habe er ihn Fanboy genannt, weil der doch sicher neidisch sei.

Patrick Losensky, wie Fler mit bürgerlichem Namen heisst, ist als Heimkind in Berlin aufgewachsen und ist mit 20 in der Rapszene aufgetaucht, als er vom damals noch jungen, aber wegen seiner aggressiven Acts bereits berühmt-berüchtigten Label Aggro-Berlin unter Vertrag genommen wird. Bald gehört er neben seinen Label-Kollegen Sido und Bushido zu den härtesten Gangster-Rappern Deutschlands – doch kurz darauf zerstreitet er sich mit allen, wie das in der Szene üblich ist.

Kalkulierte «Battles»

Die folgenden Jahre liefert er sich in der testosterongeschwängerten Berliner Gangster-Rap-Szene alle möglichen «Battles», immer wieder gerät er auch mit der Polizei in Konflikt, so wie am vergangenen Sonntag, wo er sein trotziges Bewusstsein als Aussenseiter und seine Verachtung für den Staat, in dem er lebt, einmal mehr beweisen durfte.

Und womöglich auch seinen Geschäftssinn. Denn natürlich gibt ein solcher Vorfall höchst willkommene Presse. Einige Minuten nach der Szene mit den beiden Polizisten trifft eine weitere Streife ein, bis der Dicke von etwa sieben Beamten umringt wird. Es sind Bilder, die sich jeder Gangster-Rapper nur wünschen kann, um sie in seinem nächsten Videoclip zu verwenden. Zufälligerweise wurde just am Sonntag auch das neue Album des Rappers angekündigt – und so dürfte sich Fler über die zusätzliche Presse freuen. Trotz der Anzeige wegen Beschimpfung und Beleidigung. Das gehört schliesslich zum Image des grossen bösen Gangster-Rappers.

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