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GeldblogNoch ist für Aktionäre bei Wirecard nicht alles verloren

Als Aktionär von Wirecard kann man sich Schadenersatzklagen anschliessen – selbst klagen sollte man indes nicht, da man dabei beträchtliche Risiken alleine trägt.

Gigantischer Betrugsfall mit Milliardenverlust: Filiale des einstigen Börsenstars Wirecard in München.
Gigantischer Betrugsfall mit Milliardenverlust: Filiale des einstigen Börsenstars Wirecard in München.
Foto: Peter Kneffel (Keystone)

Im Oktober vergangenen Jahres empfahl meine Hausbank den Kauf von Wirecard-Aktien, woraufhin ich diese erwarb. Nach neun Monaten habe ich mit dieser Investition einen Totalverlust erlitten. Die Geschichte ist bekannt. Geschädigte Anleger können sich einer Musterklage anschliessen. Was raten Sie mir: Sollte ich diesem Vorgehen folgen? Leserfrage von A.K.

Wirecard dürfte als gigantischer Betrugsfall in die neuere Wirtschaftsgeschichte eingehen. Noch ist allerdings vieles unklar – insbesondere die Frage, wer für die hoch problematischen Vorgänge beim einstigen Börsenstar, das Milliardenloch in der Bilanz und den darauf folgenden Absturz der Aktien an der Börse die Verantwortung trägt. Als Aktionär trägt grundsätzlich das Anlagerisiko selbst. Inwieweit sich aus der von Ihnen erwähnten Kaufempfehlung Ihrer Hausbank eine Schadenforderung ableiten lässt, müssten Sie mit einem Anwalt im Detail prüfen. Mehr Chancen sehe ich, wenn Sie sich einer Sammelklage für Schadenersatz anschliessen.

Wie Sie den Medien entnehmen konnten, hat die Tübinger TILP Rechtsanwaltsgesellschaft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin vor dem Landgericht Frankfurt am Main auf Schadenersatz verklagt. Der Klagvorwurf lautet auf jahrelangen Amtsmissbrauch der BaFin im Fall Wirecard. Die Anwälte begründen ihre Klage auf Amtsmissbrauch damit, «dass die BaFin zumindest leichtfertig ihre gesetzlichen Pflichten zum einen zur Aufklärung, Verhinderung und Anzeige von Marktmanipulationen der Wirecard AG und zum anderen zur richtigen, vollständigen und nicht irreführenden Information der Öffentlichkeit und des Kapitalmarktes verletzt hat.» Sie sind zudem überzeugt, dass auch weitere Haftungsadressaten schadensersatzpflichtig sind und sich geschädigten Anlegerinnen und Anlegern somit mehrere Möglichkeiten bieten, ihre Schadensersatzansprüche zu verfolgen.

Aus meiner Sicht können Sie bei der reinen kostenlosen Prüfung Ihrer Handlungsoptionen nichts verlieren.

Im juristischen Visier steht ebenfalls mittels einer Klage in München etwa die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, welche seit 2009 die Jahresabschlüsse von Wirecard geprüft und trotz der inzwischen festgestellten Mängel stets ein uneingeschränktes Testat erteilt hatte. Hier stellt sich die Frage, ob die Wirtschaftsprüfer von EY ihre Aufgaben allenfalls zu wenig verantwortungsvoll wahrgenommen haben. Die Tübinger Anwälte vertreten weiter die Auffassung, dass wegen Compliance-Mängeln und möglicher Bilanzmanipulation auch die Wirecard AG selbst haftet.

Wenig sinnvoll finde ich, wenn man als Kleinaktionär von Wirecard selbst klagt, da man hohe Kosten und Rechtsrisiken allein tragen muss. Die gegen die BaFin und EY klagenden Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Tübingen bieten über ihre Homepage Wirecard-Aktionären Abklärungen an, ob jemand überhaupt zum Kreis derjenigen Investoren gehört, die einen Anspruch auf Schadensersatz haben. Dies ist kostenlos und für Sie somit auch risikolos. Nötig sind für eine kostenlose Beurteilung die Bankabrechnungen zu Ihren Transaktionen in Wirecard-Aktien oder Derivaten und zwar für Transaktionen ab dem 10. Juli 2012 bis und mit 25. Juni 2020. Aufgrund dieser Unterlagen verspricht die Kanzlei, eine konkrete Handlungsempfehlung zu erteilen. Die darauf folgenden Massnahmen sind hingegen in der Regel nicht mehr kostenlos.

Anhand der zu erwarteten eher abschätzbaren Kosten und Ihren konkreten Handlungsoptionen können Sie dann aber abschätzen, ob sich ein weiteres Vorgehen für Sie lohnt oder nicht. Aus meiner Sicht können Sie bei der reinen Prüfung Ihrer Handlungsoptionen nichts verlieren, zumal diese Dienstleistung kostenlos ist. Daher würde ich sie nutzen.

3 Kommentare
    Brutus

    Aktien sind Risikopapiere die einem einen Anteil an einer Firma geben. Hat die Firma keinen Wert mehr ist auch die Aktie nichts mehr Wert. Das Risiko muss ein Aktionär kennen. In einer Liquidation wie bei Wirecard gibts für den Aktionär erst etwas wenn zuvor alle 1., 2. und 3. Klass Gläubiger ihre Forderungennzu 100% erhalten haben.