Nonchalance gegen chancenlos

Tabellenführer Wacker Thun gewinnt zum siebten Mal in Folge. Martin Rubins Team schlägt Suhr zu Hause trotz ungenügender Chancenauswertung 30:20.

Kein Duell auf Augenhöhe: Jonas Dähler gelangt zum Abschluss, Dario Ferrante versucht, den Ball abzuwehren.

Kein Duell auf Augenhöhe: Jonas Dähler gelangt zum Abschluss, Dario Ferrante versucht, den Ball abzuwehren.

(Bild: Patric Spahni)

Adrian Horn

5 Minuten sind noch zu spielen, und längst interessiert bloss noch eine Frage: Wird auch Viktor Glatthard noch treffen? Der Brienzer Verteidigungs- und Gegenstossspezialist darf in der zweiten Hälfte als Kreisläufer ran, er macht vieles richtig, gelangt wiederholt zu Möglichkeiten.

Aber der Hüne, der Chrampfer unter den Künstlern, scheitert im Streben nach einem Torerfolg fortwährend. Mitstreiter und Zuschauer leiden mit dem Publikumsliebling mit. Irgendwann schnappt sich der Psychologiestudent den Ball, er ist nun noch ein bisschen entschlossener, als er dies ohnehin ist, rennt an den Widersachern vorbei – und wirft aus bester Position daneben.

Fassungslosigkeit auf den Rängen. Die Zeit läuft gegen den 24-Jährigen, 60 Sekunden dauert die Partie noch, da wird Glatthard erneut lanciert, und endlich macht auch der Berner Oberländer sein Tor. Die Teamkollegen stehen, und die Zuschauer applaudieren, als hätte das Eigengewächs den Klub eben zum Titel geschossen.

Zu Beginn sah es danach aus, als würde Wacker an jenem Tag ganz andere Sorgen haben. Martin Rubins Mannschaft tut sich in den ersten 20 Minuten schwer gegen Suhr, das leidenschaftlich verteidigt. Aufbauer Nicolas Suter wird so sehr bearbeitet, dass er vorübergehend in ärmellosem Shirt spielt, das Trikot ist gerissen, der Aargauer streift sich im Spiel gegen seinen Heimatverein einen neuen Dress über.

Der Widerstand der Gäste lässt nach, die Thuner enteilen. Suhr macht einen zunehmend desaströsen Eindruck, verliert 20:30. Das Überraschungsteam der letzten Saison steckt im Tief, es erleidet vor 1280 Leuten die sechste Pleite in Folge.

Saurer Suhr-Trainer

Vielleicht täte Coach Misha Kaufmann gut daran, den Umgang mit seinem Personal zu überdenken. Während der Begegnung tritt der Trainer einigermassen aggressiv auf; Ex-Wacker-Spieler Nikola Isailovic, sensibel und gerade von einer Verletzung genesen, wird in der ersten Hälfte nach gefühlt jeder Aktion zusammengestaucht. Einmal wirft Kaufmann dem Routinier vor, «Juniorenfehler» zu machen. Eine Atmosphäre der Spielfreude schafft er so kaum.

Spass ist bei den Thunern in grossen Mengen vorhanden. Lukas von Deschwanden narrt den gegnerischen Keeper bei Penaltys gleich zweimal. Coach Rubin gewährt den Vertretern der zweiten Garde Einsatzzeit. Diese überzeugen. Damien Guignet erzielt in der Schlussphase drei Tore, Marco Giovanelli zeigt eines seiner bisher besten Spiele.

Die Berner Oberländer können in den zweiten 30 Minuten tun, wonach ihnen gerade ist; sie sind hochgradig überlegen. Im Abschluss scheitern sie öfters, da agieren sie teils nonchalant, wodurch sie einen weit deutlicheren Erfolg verpassen. Es muss sich gut anfühlen, einen Gegner zu deklassieren, ohne auch nur annähernd an die Leistungsgrenze zu gehen.

Berner Zeitung

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