Berüchtigter Lazio-Fan auf Parkbank erschossen

Faschist, Drogendealer, Schläger, Mafioso – und Rädelsführer der Fankurve: Der Tod von Fabrizio Piscitelli sagt viel aus über Italiens Fussball.

Ehrbekundung Gleichgesinnter: Hier fand die Polizei den leblosen Körper von Fabrizio Piscitelli. Foto: Keystone

Ehrbekundung Gleichgesinnter: Hier fand die Polizei den leblosen Körper von Fabrizio Piscitelli. Foto: Keystone

Der Tod kam um 19.10 Uhr, ein Schuss aus nächster Nähe hinter das linke Ohr mit einer Pistole Kaliber 7,65. Von oben nach unten. Der Täter stand, das Opfer sass auf einer Parkbank. Das Letzte, was es sah von dieser Welt: Pinien, die römische Campagna, die grandiosen Ruinen eines antiken Aquädukt.

So starb am Mittwoch Fabrizio Piscitelli, 53, einer der übelsten Verbrecher Roms: Faschist, Drogendealer, Schläger, Mafioso. Die Polizei vermutet als Mordmotiv eine Abrechnung zwischen Kokainhändlern. Dass diese Geschichte im Sportteil einer deutschen Zeitung steht, sagt eine Menge aus über den Fussball in Italien.

Denn Piscitelli war über die Stadtgrenzen hinaus unter seinem Kampfnamen «Diabolik» bekannt – und einer der Führer der «Irriducibili», einer rechtsradikalen Terrorgruppe, die sich selbst als Ultras von Lazio Rom bezeichnet. Von den «Irriducibili» hörte man in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem, dass sie in Stadion-Spruchbändern die Opfer der Shoah verhöhnten, dem Klub gewaltige Geldbussen und ständige Stadionsperren durch ihr rassistisches Gegröle bescherten und – last but not least – Lazios Klubpatron Claudio Lotito mit Morddrohungen zum Verkauf an einen Camorra-Clan zwingen wollten.

Die Bosse der «Irriducibili» sind hauptberuflich Drogendealer.

«Diaboliks» Strohmann in diesem Deal war seinerzeit der Ex-Fussballer Giorgio Chinaglia. Zuletzt fielen die «Irriducibili» im vergangenen April damit auf, dass sie zum Jahrestag der Befreiung Italiens vom Faschismus – noch ist dieser Tag Nationalfeiertag – mitten in Mailand ein Spruchband zur Huldigung von Benito Mussolini entrollten. Ein eher kleiner Skandal, schliesslich finden auch Mitglieder der Regierung Mussolini ganz toll und machen keinen Hehl daraus.

«Diabolik» Piscitelli dirigierte zwar die Nordkurve, er durfte das römische Olympiastadion aber seit Jahren nicht mehr betreten, ebenso wenig wie sein Kumpan Fabrizio Toffolo. Diesem ebenfalls berüchtigten Schläger war in den letzten Jahren von Unbekannten zwei Mal in die Beine geschossen worden, eine typisch mafiöse Drohgebärde. Die Bosse der «Irriducibili» sind, wie andere italienische Kurvenführer auch, sozusagen hauptberuflich Drogendealer. Sie handeln mit Kokain, versorgt werden sie von den Paten der neapolitanischen Camorra.

Polizei konfisziert 2,3 Millionen Euro von bei Diabolik

Erst vor wenigen Monaten war in Mailand ein AC-Mailand-«Ultrà» wegen Drogenhandels verurteilt worden, Vermögenswerte in Höhe von einer Million Euro wurden dabei richterlich beschlagnahmt. Der Mann war öffentlich bekannt geworden, weil er sich beim kameradschaftlichen Händeschütteln mit dem rechten Innenminister Matteo Salvini fotografieren liess.

Bei Fabrizio Piscitelli konfiszierte die Justiz im Jahr 2016 eine Villa und andere Vermögensteile im Wert von 2,3 Millionen Euro. Solche Beschlagnahmungen sind von den italienischen Antimafia-Gesetzen vorgesehen. «Diabolik» war ein schwer reicher Pate der Unterwelt Drogen und rechtsextremer Terror waren seine Geschäftszweige. Fussball gehörte nicht dazu.

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