Das Haus des Horrors hat einen neuen Besitzer

Das berüchtigste Haus von Los Angeles ist verkauft. Vor 50 Jahren wurde dort das Ehepaar LaBianca von Anhängern des Sektenführers Charles Mansons ermordet.

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Es gibt in Los Angeles diese Angebote, bei denen Touristen in Safaribussen zu den Villen der Stars gekarrt werden. Wem jedoch der Sinn nach einem makabren Erlebnis steht, der sollte eine Fahrt bei Dearly Departed buchen, zum Haus mit der Adresse 3311 Waverly Drive im edlen Viertel Los Feliz zum Beispiel. Schauspieler Brad Pitt und Musikerin Gwen Stefani wohnen nur einen Steinwurf davon entfernt, es gibt fantastische Ausblicke, auf das Griffith Observatory etwa oder das Stadion der Los Angeles Dodgers.

Dieses Haus ist berühmt – oder eher: berüchtigt –, weil die Anhänger des Sektenführers Charles Manson (1934-2017) dort vor 50 Jahren das Ehepaar Leno und Rosemary LaBianca getötet haben, einen Tag nach dem Mord an der schwangeren Schauspielerin Sharon Tate, Ehefrau von Roman Polanski, und vier ihrer Freunde ein paar Hügel weiter.

Die derzeitigen Eigentümer haben das sogenannte «LaBianca House» nach 21 Jahren für knapp zwei Millionen Dollar verkauft, und vielleicht ist es Zufall, dass es ausgerechnet jetzt passiert, zum Filmstart des Quentin-Tarantino-Films «Once Upon a Time in Hollywood», in der es um Manson und Tate und auch dieses Anwesen geht. Vielleicht aber auch nicht.

Kannten die Opfer nicht: Leno und Rosemary LaBianca wurden von Manson und seinen Anhängern im Schlaf überrascht. Foto: AFP

«Dieses Haus ist weltweit bekannt», sagt Scott Michaels, Gründer von Dearly Departed, er führt seine Kunden zu Gebäuden, in denen Janis Joplin, Whitney Houston und Michael Jackson gestorben sind, auch zu den Gräbern von Marilyn Monroe, Farrah Fawcett und Natalie Wood – oder zum Viper Room auf dem Sunset Boulevard, wo sich der Schauspieler River Phoenix aus dem Leben gespritzt und geschnupft hat. «Ich selbst würde nicht in so einem Haus wohnen wollen», sagt Michaels: «Es ist Teil der Historie von Los Angeles, deshalb soll es keinesfalls abgerissen werden.»

Wer mehr über solche Horrorhäuser wissen will, der sollte mit Randall Bell sprechen. Bell ist Experte für Wertverlust bei Häusern. Der sogenannte «Bell Chart» gibt zum Beispiel Auskunft darüber, wie ein Ereignis den Quadratmeterpreis heben oder senken kann. «Das Stigma haftet niemals nur am Haus, sondern immer am kompletten Anwesen – womöglich sogar an einem kompletten Viertel», sagt er und berichtet von dem Gebäude im US-Bundesstaat New Jersey, in dem vor 25 Jahren ein Mann seine sieben Jahre alte Nachbarin vergewaltigt und ermordet hatte. Es wurde sogleich abgerissen.

Dennoch: Viele Menschen mochten nicht mal mehr in dieser Gegend wohnen, sie zogen weg und sorgten dafür, dass die Immobilienpreise im Umkreis von einem Kilometer um mehr als 40 Prozent fielen. Aber es gibt auch den Trend, in Gruselhäusern zu übernachten: im Waverly Hills Sanatorium in Kentucky zum Beispiel, wo grausame Experimente an Patienten durchgeführt worden sind (hier können bis zu 22 Gäste für zusammen nur 1000 Dollar nächtigen).

Würden Sie hier übernachten wollen? Das Waverly Hills Sanatorium hat einen grausamen Ruf. Foto: tripadvisor.com

Was aber, wenn einem die Geschichte eines solchen Hauses eigentlich nicht stört, aber mehrmals am Tag Touren von Dearly Departed vorbeischauen? «Die Leute leben und schlafen dort, sie wollen irgendwann mal ihre Ruhe haben», sagt Bell und berichtet von einem Haus an der Ostküste: «Das Anwesen war gereinigt worden, die Gegend herausragend. Doch niemand der Nachbarn wollte es betreten, zu den Partys der Kinder kamen keine Gäste. Am Ende musste die Familie mit Verlust verkaufen.»

Es passt daher, dass das Manson-Haus – der Makler plaudert das gerne aus – nun jemand gekauft hat, der wahrscheinlich nicht darin wohnen wird: Zak Bagans heisst er und ist Moderator der US-Reality-Serie «Ghost Adventures». Bagans gibt darin einen «Geisterjäger,» der mit seinem Team paranormale Orte untersucht. Für seine Show «Deadly Possessions» sucht er nach makaberen Artefakten für sein «The Haunted Museum» in Las Vegas wie zum Beispiel die Brille des Serienmörders Ted Bundy oder der Transporter von Jack «Dr. Death» Kevorkian, der mehr als 130 Leute bei der Selbsttötung unterstützt haben soll.

Der neue Besitzer: Zak Bagans hat eine Vorliebe für paranormale Orte und makabere Artefakten. Foto: Ethan Miller/AFP

«Das Paranormale ist mein Leben, also musste ich es unbedingt haben», erklärte Bagans öffentlichkeitswirksam dem Promiportal TMZ.

Der Kaufpreis liegt mit knapp zwei Millionen Dollar sogar ein wenig unter dem geschätzten Marktwert für das 3000-Quadratmeter-Grundstück. Bagans, 42, hat angeblich noch keine konkreten Pläne fürs «LaBianca House». Das Gebäude selbst soll nicht abgerissen werden – auch deshalb, weil es 50 Jahre nach den Morden noch immer so aussehe wie damals: «Fast alles ist im Originalzustand.» Es könnte durchaus sein, dass Leute, die gerne mal eine Nacht in Horrorhäusern verbringen, bald ein neues makabres Ziel bekommen.

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