Der TV-Rüpel, dem 350 Millionen zuschauen

Der vorübergehend abgesetzte Moderator Jeremy Clarkson ist als Grobian bekannt. Der Boxangriff gegen einen Produzenten ist nur die jüngste Episode einer langen Serie von Aussetzern.

Rumänien ist für ihn ein «Borat-Land voller Zigeuner»: TV-Host Jeremy Clarkson in einem Aston Martin in der Nähe von Bukarest.

Rumänien ist für ihn ein «Borat-Land voller Zigeuner»: TV-Host Jeremy Clarkson in einem Aston Martin in der Nähe von Bukarest.

(Bild: AFP Ana Poenariu)

Jeremy Clarkson ist nicht mehr. Zumindest nicht mehr als Moderator der Auto-Entertainment-Serie «Top Gear», die 350 Millionen Zuschauer in 170 Ländern hat. «Top Gear» ist, man kann es kaum anders sagen, eine Sendung von Weltformat. Weniger Format hat indes Serienstar Jeremy Clarkson, der nach einem «Tumult» – gerüchteweise einem Faustschlag gegen einen Produzenten der Show – gefeuert wurde, zumindest momentan. Das war nicht die erste Prügelattacke von Clarkson. Der Journalist und TV-Moderator Piers Morgan, der sich in einem ständigen Streit mit Jeremy Clarkson befindet, wurde auch schon Opfer einer körperlichen Attacke. Noch heute zeuge eine Narbe davon, klagt Morgan.

Clarksons zeitweilige Entlassung war eine Entlassung mit Ankündigung. Noch im Mai erhielt Clarkson eine «letzte Warnung», wie BBC ihn zitiert. Die Frage: warum? Die Antwort: weil Clarkson ein Rowdy ist. Einige der kontroversen Momente aus «Top Gear» hat thunertagblatt.ch/Newsnetz hier gesammelt.

(Videozusammenschnitt: Lea Koch)

Eine Sammlung von Clarksons Eskapaden:

Rassistische Äusserungen

In «Top Gear» macht Clarkson oft Roadtrips durch andere Länder und spart dabei nicht mit Witzen und Stereotypisierungen über Kultur und Leute. Bisweilen zielen Clarksons «Spässe» tief unter die Gürtellinie. So sagte er über Mitarbeiter von Hyundai, sie hätten «einen Hund gegessen», der Designer des Hyundai XG hätte «einen Spaniel zum Mittagessen» verspeist. Über ein malaysisches Auto sagte er, es sei im Dschungel von Leuten gebaut worden, die anstatt Schuhen Blätter trügen. In einem weiteren Vorfall bezeichnete er in einem Wortspiel einen Asiaten als «Slope», was sich grob als «Schlitzauge» übersetzen lässt. Clarksons Mitmoderator betitelte Mexikaner als «faule, nutzlose, flatulente Tölpel» und sagte: «Stell dir vor, du wachst auf und erinnerst dich daran, dass du Mexikaner bist.» Worauf Clarkson antwortete: «Das wäre brillant, dann kann ich gleich weiterschlafen.» Rumänien indes wurde als «Borat-Land mit Zigeunern und russischen Playboys» abgekanzelt. Zuletzt machte Clarkson Schlagzeilen, als er in einer nicht gesendeten Aufnahme einen Kinderreim aufsagte und das Wort «Nigger» einbaute – Clarkson und BBC wiesen den Vorwurf zurück, entschuldigten sich später aber. BBC sagte zu Clarksons rassistischen Äusserungen, sie seien bloss Stereotypisierungen in bester Manier des britischen Humors.

Beleidigungen

Auch an persönlichen Beleidigungen gegen diverse Leute und Gruppen sparte Clarkson nicht. Er bezeichnete Umweltaktivisten als «Öko-Mentalisten» und «alte Gewerkschaftler» und «CND-Lesben» (Campaign for Nuclear Disarmament). Diese «Ökoleute» seien in der Schule früher gemobbt worden, sagte Clarkson weiter. Noch härter ins Gericht geht er mit Ex-Premier Gordon Brown, den er eine «dämliche Fotze» und einen «einäugigen schottischen Idioten» nannte. Mehrere BBC-Zuschauer fühlten sich ausserdem beleidigt, als Clarkson ein Auto als «ein bisschen schwul» beschrieb.

Raserei

Es ist kein Wunder, dass Clarkson als Host einer Autoshow eine Sympathie für Raser hat. Für Aufsehen sorgten Bemerkungen von Clarkson, wie er mit einem Bugatti Veyron mit über 380 km/h durch Frankreich gerast sei. Er behauptete ausserdem, er hätte eine Busse wegen Raserei mit 300 km/h erhalten. Die einzig wirklich bekannte Busse, die Clarkson erhalten hat, ist weniger spektakulär. In einer 100er-Zone ist er mehr als 130 gefahren. Geschwindigkeit sei einfach gut, findet der Automoderator. «Es heisst, wir können schneller nach Hause kommen, das macht uns reich und unsere Familien stabiler.» Mit Geschwindigkeit könne man schneller sein, wo man wolle – das bedeute, man werde cleverer, man könne mehr von der Welt sehen und mehr verstehen. Die Kritik, mit seinem Verhalten würde er andere Lenker beeinflussen, weist er von sich.

Vandalismus

Clarkson, der pro Jahr rund vier Millionen Dollar verdient und ein geschätztes Vermögen von 50 Millionen Dollar besitzt, vergisst hin und wieder den Wert von Dingen: Nur um die Stärke eines Autos zu testen, rammte er eine 30 Jahre alte Rosskastanie und beschädigte sie. Die Gemeinde, in welcher der Baum stand, erfuhr erst, wer den Schaden angerichtet hatte, als die Folge von «Top Gear» im Fernsehen lief. In einer anderen Folge beschädigte er einen über eine Million Pfund teuren Oldtimer.

rsz

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