Leben oder sterben lassen

Tierschützer und Jäger entscheiden über die Zukunft der Wale. Es geht um die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs. Kommt es am Freitag zur Kampfabstimmung?

Sänger und Artist im Meer: Der Buckelwal. Foto: Jose Jacome (EPA, Keystone)

Sänger und Artist im Meer: Der Buckelwal. Foto: Jose Jacome (EPA, Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor der Küste des südbrasilianischen Bundesstaates Santa Catarina war letztes Wochenende ein einzigartiges Schauspiel zu beobachten. 284 Glattwale tummelten sich dort im Wasser, darunter etliche Jungtiere. Vom Strand aus sah man ihren typischen V-förmigen Blas, immer wieder schienen sie mit ihren Schwanzflossen in die Kameras zu winken. Fast hatte es den Anschein, als wären sie gekommen, um etwas Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache zu machen.

In Florianópolis findet diese Woche die 67. Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt. Es sind schicksalhafte Tage für die Zukunft der grössten Säugetiere der Erde, denn bei der Tagung steht die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs auf dem Prüfstand. Delegationen aus insgesamt 75 Ländern haben sich eingefunden, Walfänger- und Walschützer-Nationen.

Zu den Befürwortern der Jagd nach Walen gehören Norwegen, Russland und Island. Angeführt wird diese Fraktion aber von Japan, das dieses Jahr den Vorsitzenden der Konferenz stellt.

Gegenentwruf zu Japans Antrag vorgelegt

Tokio will das seit 1986 geltende Walfang-Moratorium kippen, woran es sich ohnehin nie gehalten hat. Angeblich zur Forschung tötet Japan jährlich mehrere Hundert Minkewale. Auch Norwegen, Island und Russland haben das Moratorium nie anerkannt. Im Lager der Walschützer hat Gastgeber Brasilien die Führungsrolle übernommen. Sein Umweltminister Edson Duarte hat einen Gegenentwurf zum Antrag Japans vorgelegt: Jede «Flexibilisierung» des Walfangverbots wird abgelehnt. Ziel ist eine grundlegende Reform der IWC, sie soll zu einem Walschutzgremium werden. Brasilien wird von Argentinien, Uruguay und Chile unterstützt, aber auch von Natur- und Tierschutzorganisationen wie dem WWF, Greenpeace und Ocean Care.

Sowohl für den japanischen als auch für den brasilianischen Reformvorschlag wäre eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Noch sind beide Lager um einen Konsens bemüht, aber die Positionen gelten als nahezu unvereinbar, wie aus Teilnehmerkreisen zu hören ist. Sollte es bis Freitag keine Einigung geben, dürfte es zur Kampfabstimmung um die Wale kommen: leben oder sterben lassen.

Wal-Tourismus hier, Wahlpropaganda dort

Die Südamerikaner machen keinen Hehl daraus, dass sie sich auch aus wirtschaftlichen Gründen für den Schutz der Tiere engagieren. In Brasilien und Argentinien haben sich Wal-Safaris zu einem wichtigen Tourismusfaktor entwickelt. Man glaubt, dass mit Whale Watching deutlich mehr zu verdienen ist als mit Whale Killing.

Tokio behauptet, in Japan sei Walfang eine alte Tradition, vergleichbar mit der Jagd in Europa. Die Mehrheit der Japaner isst allerdings kein Walfleisch. Auch wirtschaftlich spielt der Walfang keine Rolle, die Regierung subventioniert die Walfangflotte mit jährlich 45 Millionen Franken. Sie hält vielmehr am Walfang fest, weil sie den Wählern damit demonstrieren will, dass sie sich vom Ausland, vor allem von den USA, nichts diktieren lässt.

Bereits am Dienstag hatten Brasilien, Argentinien, Uruguay, Gabun und Südafrika in Florianópolis einen gemeinsamen Antrag eingebracht, um den gesamten Südatlantik zum Walschutzgebiet zu erklären. Der Vorschlag fand aber nicht die Zweidrittelmehrheit. 25 Länder stimmten dagegen, darunter Island, Norwegen, Russland und Japan. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.09.2018, 23:28 Uhr

Artikel zum Thema

So entspannt fressen Wale

VIDEO Eine Drohne filmte zwei Finnwale beim Fressen. Ein meditativer Anblick. Mehr...

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...