Angriff mutmasslich erfunden: Polizei nimmt «Empire»-Star fest

Der Schauspieler Jussie Smollett soll seine Angreifer bezahlt haben – weil er unzufrieden mit seinem Gehalt war.

Hat er die Attacke vorgetäuscht? Das Polizeifoto von Jussie Smollett. (21. Februar 2019)

Hat er die Attacke vorgetäuscht? Das Polizeifoto von Jussie Smollett. (21. Februar 2019)

(Bild: AFP HO Chicago Police Departement)

Die angebliche homophobe und rassistische Attacke auf den US-Schauspieler Jussie Smollett hatte für Empörung gesorgt - nun aber wird der Star aus der TV-Serie «Empire» von den Ermittlern beschuldigt, die Attacke lediglich vorgetäuscht zu haben.

Der 36-Jährige wurde in Gewahrsam genommen, wie die Polizei in Chicago mitteilte. Ihm wird angelastet, die Polizei belogen zu haben. Smollett drohen dafür bis zu drei Jahre Haft.

Smollett soll nach Erkenntnissen der Ermittler den Angriff inszeniert haben, weil er sich von seiner angeblichen Opferrolle berufliche Vorteile erhoffte. Der Schauspieler habe «den Schmerz und die Wut über den Rassismus ausgenutzt, um seine Karriere voranzutreiben», sagte am Donnerstag der Polizeichef von Chicago, Eddie Johnson. Nach seinen Angaben soll es Smollett auch um materielle Vorteile gegangen sein: Er sei «unzufrieden mit seinem Gehalt» gewesen.

Bleichmittel und MAGA-Rufe

Der offen homosexuelle Afroamerikaner hatte Ende Januar berichtet, er sei nachts in Chicago auf offener Strasse von zwei Maskierten rassistisch und schwulenfeindlich beleidigt, geschlagen und mit Bleichmittel überschüttet worden. Ausserdem hätten die Angreifer ihm einen Strick um den Hals gelegt und geschrien, Chicago sei «MAGA-Land» - in Anspielung auf den Slogan von US-Präsident Donald Trump, «Make America Great Again» («Macht Amerika wieder grossartig»).

Die Polizei leitete daraufhin Ermittlungen wegen eines möglichen Hassverbrechens ein. Den Ermittlern kamen aber Zweifel an der Darstellung des «Empire»-Darstellers, als sie zwei festgenommene Verdächtige befragten. Die Männer wurden wieder freigelassen. Die Ermittler nahmen anschliessend den Schauspieler selbst ins Visier. Polizeichef Johnson sagte jetzt, Smollett habe den vermeintlichen Angreifern 3500 Dollar gezahlt.

Zuvor soll er bereits verärgert gewesen sein über einen an ihn adressierten Drohbrief, dem der Sender Fox ihm zufolge nicht genügend Aufmerksamkeit schenkte. Die Polizei vermutet, dass Smollett auch diesen Brief selbst verschickte. «Smollett inszenierte diesen Stunt, weil er mit seinem Gehalt unzufrieden war», sagte Johnson.

Die Anwälte des Schauspielers kündigten an, ihn «aggressiv» zu verteidigen und eine eigene Untersuchung des umstrittenen Falls zu starten. Sie erklärten, für ihren Mandanten gelte wie für jeden anderen Bürger die Unschuldsvermutung - besonders in einem solchen Fall, in dem wiederholt «richtige und falsche Informationen» an die Öffentlichkeit gelangt seien.

«Schändliche Lüge»

Auch Präsident Donald Trump schaltete sich ein. Er kritisierte Smollett am Donnerstag auf Twitter und schrieb, der Schauspieler habe viele Millionen Menschen mit seinen «rassistischen und gefährlichen» Bemerkungen beleidigt.

«Diese Lüge ist so schädlich», hatte die feministische Autorin Roxane Gay vor einigen Tagen getwittert. Ihr sei unerklärlich, warum Smollett Menschen das Leben erschwere, die tatsächlich Opfer von Hassverbrechen werden. Zuvor hatten sich Prominente wie Ex-Vizepräsident Joe Biden, Schauspielerin Emma Watson und Sänger John Legend hinter Smollett gestellt.

Über die «erfundene Attacke» sei wochenlang landesweit diskutiert worden, sagte Johnson. «Prominente, Kommentatoren in den Nachrichten und sogar Präsidentschaftskandidaten bezogen Stellung zu etwas, das von einem Schauspieler choreographiert wurde.» Er wünsche sich, dass Waffengewalt in Chicago und die davon betroffenen Familien so viel Aufmerksamkeit bekommen würden.

Die Zahl von Hassverbrechen in den USA ist nach Angaben der Bundespolizei FBI im Jahr 2017 um 17 Prozent gestiegen. Opfer waren vor allem Afroamerikaner und Juden. Mehrere US-Zeitungen schrieben nun aber selbstkritisch, im Fall Smollett hätten Journalisten und Politiker vorschnell reagiert und die Angaben des Schauspielers unkritisch übernommen.

sep/AFP

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