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Ausnahmezustand wegen Buschbränden in Australien erklärt

Eine Hitzewelle sorgt für neue Temperaturhöchstwerte. Für die Bekämpfung der Brände ist dies katastrophal.

In den nächsten Tagen könnten sich die Waldbrände aufgrund der enormen Hitze noch verstärken. (Video: Tamedia)

Eine Hitzewelle schwappt von Westen her über den von andauernden Buschbränden gezeichneten Inselkontinenten. Die Australier haben das auch am Mittwoch wieder zu spüren bekommen. Das Quecksilber ist laut verschiedenen örtlichen Wetterstationen nach einem sehr heissen Dienstag wieder auf über 45 Grad gestiegen.

Der Mittwoch war mit einer landesweiten Durchschnittstemperatur von 41,9 Grad der heisseste seit Anbeginn der Wettermessung. Der bisherige Rekord geht zurück ins Jahr 2013 und betrug laut dem australischen Meteorologenamt 40,3 Grad. Und das schlimmste ist noch nicht ausgestanden: In den kommenden Tagen soll es gar noch wärmer werden.

 Die Hitzewelle dürfte sich von Mittwoch bis Freitag in Teile von North South Wales und nördliche Gebiete des Bundesstaates Victoria ausbreiten und für extreme Hitze sorgen. Quelle: Bureau of Meteorology
Die Hitzewelle dürfte sich von Mittwoch bis Freitag in Teile von North South Wales und nördliche Gebiete des Bundesstaates Victoria ausbreiten und für extreme Hitze sorgen. Quelle: Bureau of Meteorology

Am wärmsten wurde es am Mittwoch in der Nähe des Birdsville Flughafens im Landesinneren mit 47,7 Grad. In den kommenden Tagen solle dieser Wert noch einmal übertroffen werden. Während die heissen Luftmassen durch das Land ziehen, erwartet das Meteorologenamt besonders im Landesinneren und im Süden Extremtemperaturen.

Am Freitag und Samstag erreicht die Hitzewelle dann ihren vorläufigen Höhepunkt. In grossen Teilen des Landes schwächt sie sich gegen Ende der Woche wieder allmählich ab. Im Landesinnern bleibt die Hitzewelle jedoch akut.

«Kontrolle fernab des Menschenmöglichen»

Die Rekordhitze in Verbindung mit den starken Winden würde die Brandgefahr in den südöstlichen Regionen bis am Freitag und Samstag erheblich ansteigen lassen, erklärte die Meteorologin Sarah Scully in einem Videointerview des australischen Meterologenamtes.

Für die Feuerwehrleute sind die Brände in Australien kaum mehr bewältigbar. «Es ist ein so enorm grosses Feuer, dass eine Kontrolle fernab des Menschenmöglichen liegt», meinte ein Feuerwehrmann gegenüber der Zeitung «The Sydney Morning Herald».

Ausgebrannt: Die Flammen haben bereits 3,7 Millionen Hektar Land zerstört. Bild: Darren Pateman, AAP/Keystone
Ausgebrannt: Die Flammen haben bereits 3,7 Millionen Hektar Land zerstört. Bild: Darren Pateman, AAP/Keystone

Seit Oktober haben Buschbrände in Australien nach Angaben der Behörden rund 3,7 Millionen Hektar Land vernichtet. Das entspricht etwa 90 Prozent der Fläche der Schweiz. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben, mehr als 1000 Häuser wurden zerstört. Allein im östlichen Bundesland New South Wales kämpften Feuerwehrleute zuletzt gegen rund 100 Brände. Seit etwa zwei bis drei Jahren leidet das Land unter starker Dürre.

Der Premier weilt in den Ferien

In Sydney und dem dazugehörigen Bundesstaat New South Wales haben die Behörden am Donnerstag den Ausnahmezustand ausgerufen. Grund für den Ausnahmezustand seien die «katastrophalen Wetterbedingungen», die die Feuer begünstigten, erklärte die Regierungschefin des Bundesstaats, Gladys Berejiklian, am Mittwoch. Für Teile des Bundesstaates New South Wales wurden für Donnerstag Temperaturen von um die 45 Grad vorhergesagt, in der Hauptstadt Sydney sogar ab Samstag 46 Grad.

Menschen demonstrieren vor dem Haus des Premierministers in Sydney am Donnerstag, 19. Dezember 2019. Bild: Steven Saphore, AAP/Keystone
Menschen demonstrieren vor dem Haus des Premierministers in Sydney am Donnerstag, 19. Dezember 2019. Bild: Steven Saphore, AAP/Keystone

Trotz der katastrophalen Lage an der Brandfront weilt Australiens Regierungschef Scott Morrison seit Tagen im Urlaub. Medienberichten zufolge entspannt er mit seiner Familie auf der Pazifikinsel Hawaii, was viele Landsleute in Rage bringt. Vor dem Wohnsitz des konservativen Premiers in Sydney versammelten sich am Donnerstag Hunderte wütende Schüler, die ihm neben Vernachlässigung seiner Amtspflichten fehlendes Engagement für den Klimaschutz vorwarfen.

Auf Live-Übertragungen vom Ort des Geschehens war zu sehen, wie die Demonstranten Protestschilder in die Höhe reckten – mit Aufschriften wie «Wann dürfen unsere Feuerwehrleute mal Urlaub machen?», «Unser Land steht in Flammen, wo zum Teufel stecken Sie?» und «Wie ist die Luft so in Hawaii?». Einige der Schüler, unter die sich auch Dutzende Erwachsene mischten, trugen demonstrativ Hawaii-Hemden. Zeitweise avancierte das Schlagwort #WhereTheBloodyHellAreYou (etwa: WoZumTeufelSteckstDu) zu einem der meistverwendeten auf Twitter.

(SDA)

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