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Bemanntes U-Boot prallt in Titanic

Bei der Aufnahme von neuen Bildern hat ein Tauchboot das Wrack touchiert. Eine US-Behörde wollte das offenbar verheimlichen.

Andreas Frei

Die Titanic ruht seit bald 108 Jahren in einer Tiefe von 3800 Metern auf Grund. Seit der Entdeckung des Wracks im Jahr 1985 gab es zwar schon Dutzende Tauchgänge zum Wrack, dieses blieb dabei aber unberührt. Mittlerweile gilt es als Unesco-Welterbe und steht unter besonderem Schutz.

Das Trümmerfeld des auseinandergebrochenen Schiffs erstreckt sich über mehrere Hundert Meter. Die sterblichen Überreste der über 1500 Todesopfer der Tragödie dürften mittlerweile zwar verschwunden sein, wie Wissenschaftler vermuten. Trotzdem liess man das Wrack lange Zeit in Ruhe.

Im letzten Juli wurde das Wrack aber kurz empfindlich gestört. Eine Expedition der Abenteuerfirma Eyos machte für eine neue Doku-Serie hochauflösende Aufnahmen der Titanic – im Einsatz war die Triton DSV Limiting Factor, ein bemanntes U-Boot, das den Rekord für den tiefsten Tauchgang hält. Auf einem der fünf Tauchgänge verlor der Pilot offenbar kurz die Kontrolle aufgrund von «starken und unvorhersehbaren Strömungen», wie die britische Zeitung The Telegraph berichtet. Das U-Boot kollidierte daraufhin mit der Titanic, es war der erste Zusammenprall, seit das Wrack entdeckt wurde.

Eyos-Expeditionsleiter Rob McCallum bestätigt die Kollision, betont aber, dass ein allfälliger Schaden sehr gering sei. Man habe das Wrack aus Versehen touchiert, als man zwei Messgeräte deponieren wollte. Gemäss McCallum prallte das Tauchboot auf der Steuerbordseite in ein grosses Stück der Hülle, das dort herausragt. Auf einer Seite des U-Boots habe man danach rote Rostflecken festgestellt. Das 35-Millionen-Dollar-Gefährt sei von einer weissen Glasfaserschicht umhüllt und sehr empfindlich. Unter Wasser habe die Triton kaum Gewicht und sei nicht etwa wie ein Rammbock in das Wrack geknallt, versicherte McCallum.

Die Triton DSV Limiting Factor ist 2019 im Challengertief im Marianengraben auf die Rekordtiefe von 10'928 Metern getaucht. Bild: Eyos
Die Triton DSV Limiting Factor ist 2019 im Challengertief im Marianengraben auf die Rekordtiefe von 10'928 Metern getaucht. Bild: Eyos

Publik gemacht hat die Kollision aber nicht Eyos selber, sondern die Bergungsfirma RMS Titanic. Diese hat seit 1994 das Recht, Fundstücke aus der Umgebung des Wracks zu bergen. Nun möchte die Firma erstmals auch Gegenstände aus dem Innern der Titanic bergen und steht dabei in einem Rechtsstreit mit der US-Regierungsbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration). Diese Behörde ist unter anderem verantwortlich für den Schutz von Wracks.

Die Bergungsfirma RMS Titanic wirft NOAA nun vor, dass sie von der Kollision wusste, das aber geheim hielt. So habe ein NOAA-Mitarbeiter die Eyos-Expedition begleitet und die Kollision mit dem Wrack beobachtet. Dass die Amerikaner dies nicht meldeten, zeige auf, dass die Behörde nicht geeignet sei, um das Wrack zu verwalten, wie die Bergungsfirma nun vor Gericht argumentiert. Die Taktik zielt wohl darauf, den Gegner zu diskreditieren, um die Chancen für das eigene Anliegen zu erhöhen. RMS Titanic bittet das Gericht nun, die Behörde vorzuladen, damit diese erklären muss, weshalb der Zusammenstoss verheimlicht wurde. Zudem sollen die Videos des Vorfalls gezeigt werden.

Wrack zerfällt zunehmend

Die NOAA hat auf die Anschuldigungen reagiert und sagt, dass man den Schutz der Titanic sehr ernst nehme. Man habe erst durch die Expeditionsberichte vom Zusammenprall mit dem Wrack erfahren und Eyos danach darauf hingewiesen, dass eine Kopie des Berichts auch dem Gericht vorgelegt werden müsse. Dies sei am 8. Januar 2020 erfolgt, also rund ein halbes Jahr nach dem Tauchgang.

Sollte die Bergungsfirma die Gerichtsverhandlung gewinnen, will sie unter anderem einen Marconi-Funktelegrafen aus der Titanic holen. Diese Geräte waren zur Zeit des Unglücks im Schiffsverkehr weit verbreitet.

Der Marconi-Telegraf der Titanic vor dem Untergang.
Der Marconi-Telegraf der Titanic vor dem Untergang.

Der Erfinder Guglielmo Marconi entwickelte die kabellosen Maschinen und schaffte 1903 die erste transatlantische Kommunikation. Der Radiopionier und Physik-Nobelpreisträger wurde aufgrund seiner Verdienste auf die Jungfernfahrt der Titanic eingeladen, er lehnte aufgrund anfallender Arbeit aber ab.

So sieht der Telegraf heute aus.
So sieht der Telegraf heute aus.

Die Zeit, um solche historischen Zeitzeugen aus dem Wrack zu holen, läuft gemäss Experten bald ab. 2017 stellten Tiefseeforscher fest, dass das Wrack durch Bakterien und Rost instabil geworden ist und irgendwann zusammenfallen wird. Das bestätigen offenbar auch die 4K-Videoaufnahmen der letztjährigen Eyos-Tauchgänge. So soll beispielsweise die Badewanne in der Kapitänskabine verschwunden sein. Auch weitere bisher sichtbare Gegenstände an der Steuerbordseite sind bereits Opfer des Zerfalls geworden.

Für die Bergungsbemühungen der RMS Titanic könnte es diese Woche aber auch schlechte Nachrichten gegeben haben. So hat der amerikanische Aussenminister Mike Pompeo ein Abkommen unterzeichnet, das den Zugang zum Wrack beschränkt. Grossbritannien unterschrieb den Vertrag bereits 2003, die USA liessen sich rund 16 Jahre Zeit, um den bisherigen Unesco-Schutz weiter auszuweiten.

Video: Rost an der Titanic

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