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«Das hätte es nicht geben dürfen»

Nach einem Interview mit dem neunjährigen Überlebenden des Flugzeugabsturzes von Tripolis haben die Niederlande scharfe Kritik geäussert. Der Zugang zu dem Jungen soll beschränkt werden.

Ruben hat als den Flugzeugabsturz vor Tripolis überlebt. Er wird im El-Khadra-Spital behandelt.
Ruben hat als den Flugzeugabsturz vor Tripolis überlebt. Er wird im El-Khadra-Spital behandelt.
Keystone
Viele Menschen haben dem Kind Blumen geschickt. Es weiss noch nicht, dass seine Eltern und sein Bruder ums Leben gekommen sind.
Viele Menschen haben dem Kind Blumen geschickt. Es weiss noch nicht, dass seine Eltern und sein Bruder ums Leben gekommen sind.
Keystone
Archivbild eines A330 der Afriqiyah Airways.
Archivbild eines A330 der Afriqiyah Airways.
Keystone
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Es könne nicht angehen, dass Kameraleute und Reporter das Krankenzimmer betreten, sagte ein Regierungssprecher. Der Botschafter in Tripolis habe das Spital am Freitag aufgefordert, abgesehen vom medizinischen Personal nur Angehörige vorzulassen. Reporter der niederländischen Zeitung «De Telegraaf» hatten einen Arzt überredet, sein Mobiltelefon an den Jungen weiterzureichen. Beim Gespräch sei deutlich geworden, dass das Kind keine Erinnerung an den Absturz habe. «Ich bin in einem Spital. Ich weiss nicht, wie ich hierhergekommen bin», sagte er demnach.

Der Generaldirektor des Aussenministeriums, Ed Kronenburg, bezeichnete das Telefoninterview als «übel». «Das hätte es nicht geben dürfen», sagte er im niederländischen Radio 1. Am Donnerstag hatte das Kind Besuch von seiner Tante und seinem Onkel bekommen. Zudem strömen zahlreiche Besucher in sein Krankenzimmer im Al-Chadra-Spital. Neben Medienleuten kam auch Seif al-Islam al-Ghadhafi, der Sohn von Staatschef Muammar al-Ghadhafi.

Keine Erinnerung an Tod der Familie

Laut der Zeitung weiss der Neunjährige noch nicht, dass seine Eltern und sein elfjähriger Bruder beim Absturz ums Leben kamen. Er wolle nach Hause, sagte der Junge aus dem südniederländischen Tilburg. Der Arzt Siddik bin Dilla sagte, dem Patienten gehe es den Umständen entsprechend gut. «Er erholt sich, beginnt zu reden und fragt nach Essen.» Die Operation der Beinbrüche sei erfolgreich verlaufen.

Am Mittwoch war ein in Johannesburg gestarteter Airbus A330-200 von Afriqiyah Airways auf den Flughafen von Tripolis im Landeanflug zerborsten und über einem unbewohnten Gebiet abgestürzt. Unter den 103 Todesopfern waren nach Angaben aus Den Haag 70 Niederländer, die Fluggesellschaft gab ihre Zahl mit 67 an.

Einziger Überlebender des Unglücks

Der Knabe hat den Absturz als Einziger überlebt. Er hat nach Angaben der Ärzte komplizierte Beinbrüche erlitten sowie eine Gehirnerschütterung und Rückenverletzungen. Der Junge hatte mit seinen Eltern und seinem Bruder in Südafrika Ferien gemacht.

Beim Rückflug verfehlte der Airbus in Tripolis die Landebahn. Die Ursache ist unklar. Berichte, wonach der Pilot den Tower kurz vorher über einen technischen Defekt informiert habe, wurden nicht bestätigt. Die Zeitung «Libya al-Yom» meldete am Freitag, der Stimmenrekorder und der Flugdatenschreiber seien französischen Experten übergeben worden.

SDA/raa

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