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Deutscher Bischof baut sich 31-Millionen-Residenz

Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst steht massiv in der Kritik, seit bekannt wurde, dass die Kosten für den Bau seiner neuen Residenz explodiert sind. Sie betragen statt der geplanten 3 nun 31 Millionen Euro.

Über die effektiven Kosten war schon länger gemunkelt worden, nun herrscht Gewissheit: Blick auf den Bischofssitz in Limburg. (8. Oktober 2013)
Über die effektiven Kosten war schon länger gemunkelt worden, nun herrscht Gewissheit: Blick auf den Bischofssitz in Limburg. (8. Oktober 2013)
Keystone

Die Kosten für die Limburger Bischofsresidenz sind einem Zeitungsbericht zufolge deutlich teurer als geplant. Statt der ursprünglichen drei Millionen liegen sie inzwischen bei 31 Millionen Euro, wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» unter Berufung auf den Vermögensverwaltungsrat berichtet, der die Finanzen des Bischöflichen Stuhls beaufsichtigen soll. Die drei Mitglieder des Gremiums erklärten demnach, sie seien von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst «hinter das Licht geführt worden».

In ihrer Erklärung betonten der ehemalige Chef der Wiesbadener Staatskanzlei und Träger des Gregoriusordens Jochen Riebel, der Geschäftsführer der Josefsgesellschaft Theodor-Michael Lucas und der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Professor Carl-Friedrich Leuschner, ihnen seien «bis zur Stunde die Gesamtkosten» nicht bekannt gewesen. Sie wiesen in ihrer Erklärung ferner darauf hin, dass «gemäss des Statutes des Bischöflichen Stuhles zu Limburg weder Haushaltspläne für die Jahre 2012 und 2013 vorgelegt noch dass entsprechende Einzelprojekte genehmigt worden sind.»

Gläubige sprechen von Vertrauenskrise

Wegen des Vorwurfs der drastischen Kostensteigerungen beim Ausbau seines Bischofssitzes steht der Bischof nun massiv in der Kritik. Ursprünglich hatten die Medien die Kosten auf bis zu 20 Millionen Euro veranschlagt, was das Bistum stets zurückgewiesen hatte. Die neue interne Kostenrechnung des Bistums soll nun einer Prüfungskommission der Deutschen Bischofskonferenz übergeben werden. Die Kommission werde ihre Arbeit «in Kürze aufnehmen», sagte ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz.

In den Schlagzeilen stand Tebartz-van Elst bereits früher wegen eines Erste-Klasse-Flugs nach Indien, wo er die Slums von Bangalore besucht hatte, sowie wegen seiner Ämterführung. Tausende Gläubige hatten sich in einem offenen Brief an den Bischof gewandt und von einer «Vertrauenskrise» gesprochen.

«Raffinierter Betrüger oder krank»

Nachdem die Kostenexplosion bekannt geworden ist, gibt es nun bereits Rücktrittsforderungen. Der Bischof müsse die Verantwortung übernehmen, heisst es von vielen Seiten. Dieser Skandal müsse Konsequenzen haben. Eine Buchbesprechung mit Tebartz-van Elst in Wiesbaden wurde kurzfristig verschoben. Er äusserte sich bislang nicht öffentlich dazu.

Auch der Sprecher des Priesterrates des Bischofs von Limburg, Pfarrer Reinhold Kalteier, zeigte sich angesichts der Kostenexplosion schockiert. «Wir sind fassungslos, das Vertrauen in den Bischof ist sehr gestört», sagte er. Eine Rücktrittsforderung an den Bischof stehe ihm zwar nicht zu. Er sei jedoch optimistisch, dass sich der Vatikan des Problems annehme.

Die Steigerung der Kosten könne er sich nur so erklären, «dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist», doppelte Jochen Riebel heute nach. Ein «normal denkender Mensch» veranlasse solche Ausgaben nicht.

«Wenn der Bischof ein Ehrenmann wäre, wäre die Entscheidung klar»

Riebel wies Vorwürfe gegen den Vermögensverwaltungsrat zurück, vorher nicht genauer nach den Kosten gefragt zu haben. Das Gremium habe «keine Nachforschungspflicht, sondern der Bischof hat die Pflicht, uns alles vorzulegen, was nötig ist», sagte Riebel der «FAZ». Das sei erst am Montag passiert. Zu den Konsequenzen für Tebartz-van Elst sagte er: «Wenn der Bischof ein Ehrenmann wäre, wäre die Entscheidung klar.»

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller forderte Papst Franziskus auf, eine Amtsenthebung gegen Tebartz-van Elst einzuleiten. «Der Bischof wird vermutlich an seinem Stuhl kleben, da gibt es nur noch einen Weg: die Amtsenthebung durch den Papst», sagte Schüller dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Tebartz-van Elst bezeichnete er als «unfähig, uneinsichtig und offensichtlich krank».

(AFP)

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