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Die Feuerschutzhüllen versagten

Arizona trauert um 19 getötete Feuerwehrmänner. Sie gehörten zu einer Einheit, die für den Einsatz nah an Brandherden ausgebildet ist. In diesem Falle versagten aber Fluchtplan und Schutzhülle.

Mit Hacken gegen das Feuer: Angehörige der Granite Mountain Hotspots bei einer Übung. (17. April 2012)
Mit Hacken gegen das Feuer: Angehörige der Granite Mountain Hotspots bei einer Übung. (17. April 2012)
Cronkite News/Connor Radnovich
Hohe Anforderungen: Angehörige der Eliteeinheit müssen einen harten Test bestehen. (17. April 2012)
Hohe Anforderungen: Angehörige der Eliteeinheit müssen einen harten Test bestehen. (17. April 2012)
Cronkite News/Connor Radnovich
US Forest Service, US Forest Service Gila National
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Hunderte Menschen nahmen im US-Bundesstaat Arizona an einer emotionalen Trauerfeier von den 19 getöteten Feuerwehrmännern Abschied. Anwohner, Familien, Freunde und Kollegen der Getöteten versammelten sich in der nahegelegenen Embry-Riddle Aeronautical University in der Stadt Prescott. Bewohner drückten auch mit Blumen und Plakaten ihr Mitgefühl aus. «Wir danken euch! In unseren Herzen sind wir bei euch», schrieb etwa der Besitzer eines Restaurants auf seine Fenster.

Hundert Hotshot-Einheiten

Die Einheit von 20 Mann grub am Sonntag in unwegsamem Gelände eine Schneise, um das Feuer von der nahen Ortschaft Yarnell fernzuhalten. Dass eine so hohe Zahl von Feuerwehrmännern umkommt, ist auch für die alljährlich von Waldbränden geplagten USA ungewöhnlich. Zuletzt starben 1933 bei einem Brand in Los Angeles 33 Feuerwehrleute.

Bei den getöteten Feuerwehrmännern handelt es sich um Angehörige einer Elitetruppe zur Bekämpfung von Waldbränden – sogenannte Hotshots. Gut hundert solcher Einheiten von zwanzig Männern existieren in den USA. Wenn es irgendwo im Wald brennt, wird eine verfügbare Truppe eingeflogen. In diesem Falle waren es die Granite Mountain Hotshots, wie sich die Einheit nennt, die zur Feuerwehr des nur gut 50 Kilometer entfernten Städtchens Prescott gehört.

«Die Elite der Elite»

Wie viele fragt sich auch der stellvertretende Schulleiter der Highschool von Prescott, wie es zum Tod der Feuerwehrmänner kommen konnte: «Sie waren bestens ausgebildet, die Elite der Elite. Wie konnten wir so viele von ihnen auf einmal verlieren?», wird Joe Peters von der «New York Times» zitiert.

Die Waldbrandtruppen haben eine gefährliche Aufgabe. Oft werden sie von Helikoptern in unwegsamem Gelände abgesetzt, oft nahe am Feuer, das sie einzig mit den Geräten bekämpfen, die sie tragen können: Kettensägen und Hacken vor allem, mit denen sie das Gelände von Bäumen, Büschen und Blättern befreien. Wie die Granite Mountain Hotshots arbeiten, hat das Lokalmedium Cronkite News im April 2012 dokumentiert.

Feuerschutzhüllen versagten

Hartes Training: Die Granite Mountain Hotshots üben das Freiräumen einer Schneise und den Schutz vor dem Feuer. (Video: Cronkite News)

Die Übung beinhaltete auch die Zuflucht in Feuerschutzhüllen, wie sie die Feuerwehrmänner bei sich tragen. Mit den schlafsackähnlichen Schützhüllen aus Aluminium und Silikon legen sich die Feuerwehrmänner auf den Boden, mit dem Gesicht gegen unten und mit den Armen die Öffnung verschliessend, den Kopf vom Feuer weg. Bei der Übung simulieren andere Feuerwehrmänner die bei einem Waldbrand möglicherweise herrschenden heftigen Winde, indem sie an den Hüllen rütteln.

Die Feuerschutzhüllen sind allerdings nur letzte Wahl, denn sie garantieren das Überleben nicht in jedem Falle. 1990 kamen beispielsweise sechs Feuerwehrleute in Schutzhüllen um. Auch im aktuellen Fall sollen einige der umgekommenen Feuerwehrleute in ihren Schutzhüllen aufgefunden worden sein.

Heftiges Gewitter

In erster Linie schützen sich die Waldbrandbekämpfer, indem sie sich einen Fluchtweg zurechtlegen. «Normalerweise stellt man sicher, dass man einen guten Fluchtweg und eine Sicherheitszone hat, wenn man eine Brandschneise zieht», sagte Art Morrison, ein Vertreter der staatlichen Forstbehörde gegenüber dem Fernsehsender CNN. «Offensichtlich war ihre Sicherheitszone nicht gross genug, und das Feuer hat sie überrollt.»

Wieso sich die Eliteeinheit nicht retten konnte, ist laut den Behörden ungeklärt. Gemäss ersten Erkenntnissen drehte der Wind sehr plötzlich. Eine plausible Erklärung dafür liefern Forscher des Zentrums für Meteorologische Studien anhand von Satellitendaten der Universität Wisconsin-Madison. In ihrem Blog zeigen sieanhand von Satellitenaufnahmen auf, wie eine heftige Gewitterfront auf den Waldbrand bei Yarnell stiess.

Abrupter Wechsel der Windrichtung

Weil am Rande eines Gewitters die abgekühlte Luft nach aussen fliesst, führte dies laut den Forschern wahrscheinlich zu einem abrupten Wechsel der Windrichtung – und das Feuer trieb mit grosser Geschwindigkeit auf die Feuerwehrleute zu. Offensichtlich erkannten diese die Gefahr aber zu spät. Ein Journalist des US-amerikanischen Wissensmagazins «Discover» stellt denn auch die Frage, wie stark die Feuerwehr mit Meteorologen zusammenarbeitet. (Eine Karte des Gebiets zeigt die «New York Times».)

Laut dem Feuerwehrchef von Prescott, Dan Fraijo, hatten die Granite Mountain Hotshots noch Notrufe abgesetzt, bevor sie vom Feuer überrollt wurden. Im ersten davon hätten sie gesagt, sie würden sich in ihre Schutzhüllen einwickeln. Dann, so Fraijo, «begannen wir zu beten».

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