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«Die grosse Mehrheit der Gewalttäter ist schuldfähig»

Noch ist unklar, ob der Täter von Frankfurt psychisch krank ist. Aber selbst dann könne ein Verbrecher verurteilt werden, sagt der Psychiater Franz Joseph Freisleder.

Die Betroffenheit in der Bevölkerung ist gross: Eine Frau legt am Tatort Blumen nieder. Foto: Frank Rumpenhorst (Keystone)

Die Betroffenheit in der Bevölkerung ist gross: Eine Frau legt am Tatort Blumen nieder. Foto: Frank Rumpenhorst (Keystone)

Herr Freisleder, nach dem Frankfurter Verbrechen gibt es viele Erklärungsversuche. Der Kriminologe Christian Pfeiffer vermutet einen Racheakt des aus Eritrea stammenden Tatverdächtigen. Können Sie mit dieser Hypothese etwas anfangen: Ein 40-jähriger Mann stösst eine unbeteiligte Mutter und ihr Kind vor einen Zug, um den Anschlag eines Deutschen auf einen Landsmann zu rächen?
Das kann sein, kann vor allem aber auch nicht sein. Ich wäre da sehr viel vorsichtiger und möchte mich auf gar keinen Fall an Fernanalysen versuchen. Wir kennen bislang die Motive nicht, die Beweggründe nicht, die Geschichte dieses mutmasslichen Täters nicht, auch nicht, ob er die Opfer rein zufällig ausgewählt hat. Als psychiatrischer Gutachter in Strafprozessen habe ich eines gelernt: Die Suche nach der Wahrheit ist oft sehr mühsam, sie zieht sich über Monate hin, bis am Ende der Hauptverhandlung vielleicht Gewissheit besteht, was einen Menschen zu seinem Verbrechen brachte.

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