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Die Katastrophe könnte auf andere Länder übergreifen

Die Zahl der Todesopfer ist in Ungarn inzwischen auf zehn gestiegen. Die Behörden setzen nun alles daran, damit die Giftschlamm-Katastrophe nicht auf andere Länder übergreift.

Am Freitag kehren die Bewohner nach Kolontar zurück. Doch das Unglück ist noch nicht ausgestanden: Katastrophenexperten der EU auf der Hauptstrasse des Dorfes.
Am Freitag kehren die Bewohner nach Kolontar zurück. Doch das Unglück ist noch nicht ausgestanden: Katastrophenexperten der EU auf der Hauptstrasse des Dorfes.
Keystone
Devecser am Mittwoch, 13. Oktober. Noch gibt es viel zu reinigen.
Devecser am Mittwoch, 13. Oktober. Noch gibt es viel zu reinigen.
Keystone
Helfer versucht, seine Kleidung zu reinigen.
Helfer versucht, seine Kleidung zu reinigen.
Keystone
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Nach dem Giftschlamm-Unfall in Ungarn wächst die Sorge über eine Ausweitung der Umweltkatastrophe. Die toxische Brühe aus einer Aluminiumfabrik droht in ein paar Tagen die Donau zu erreichen.

Die verantwortlichen Stellen werden nach Ansicht der EU «alles nur irgend Mögliche» tun, um ein Übergreifen der Umweltkatastrophe auf andere Länder zu verhindern. Die Aufgabe, die Katastrophe zu begrenzen, liege bei den ungarischen Behörden, sagte EU-Umweltkommissar Janez Potocnik der Nachrichtenagentur AP. Die Donau liegt nur 72 Kilometer von der Unfallstelle entfernt.

Selbst die Luft sei mittlerweile vergiftet, berichtete ein Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation WWF. Fauna und Flora seien im Umkreis von 40 Quadratkilometern vernichtet.

Geborsteter Damm

Nahe der westungarischen Kleinstadt Ajka war am Montagabend der Damm eines Auffangbeckens geborsten, worauf sich Rotschlamm aus einer Aluminiumfabrik über drei Ortschaften ergoss. Das Schadensausmass ist nach wie vor nicht abzusehen. Die EU befürchtet Umweltschäden über die Grenzen Ungarns hinaus.

Die Zahl der Todesopfer könnte auf zehn steigen, denn sechs ältere Personen, die als vermisst galten, dürften unter den Schlammmassen ums Leben gekommen sein, hiess es am Mittwoch. Der nationale Polizeichef Jozsef Hatala übernahm nach Angaben einer Sprecherin persönlich die Ermittlungen. Es gehe um den Verdacht der Fahrlässigkeit.

Gips soll Gift-Schlamm binden

Mittlerweile kämpft ein 500 Mann starker Aufräumtrupp gegen die Ausbreitung der Umweltkatastrophe. Einsatzkräfte schütteten Gips in den Fluss Marcal, um den Schlamm zu binden und so zu verhindern, dass er in die 72 Kilometer entfernte Donau fliesst.

Wenn das Gift bis in den zweitgrössten Fluss Europas vordringt, könnte es durch Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien und die Ukraine bis ins Schwarze Meer gelangen.

In dem schadhaften Auffangbecken gab es am Mittwoch keine Lecks mehr. Innenminister Sandor Pinter entsandte Wachen an die Unfallstelle, um rechtzeitig vor neuen Gefahren warnen zu können. Eine dreifache Betonmauer, an der gebaut wird, soll zusätzlichen Schutz bieten.

Rettungskräfte bemühten sich, den Rotschlamm von den Strassen und aus den Häusern des besonders stark betroffenen Ortes Kolontár zu entfernen. Sie trugen Schutzkleidung und Atemschutzmasken, während die verzweifelten Bewohner mit Schneeschaufeln gegen den dicken, roten Schlamm ankämpften. Sie trugen zum Schutz lediglich Gummihandschuhe.

Politik wird verantwortlich gemacht

Umweltstaatssekretär Zoltan Illes nannte den Giftunfall eine ökologische Katastrophe. Die Aufräumarbeiten würden Monate dauern. Ministerpräsident Viktor Orban räumte ein, dass der Unfall die Behörden völlig unvorbereitet getroffen habe.

Kommentatoren machten die Politik verantwortlich. Diese habe es versäumt, strengere Vorschriften zu erlassen und - wie etwa in der Schweiz, Österreich oder Grossbritannien - eine Deponiesteuer einzuführen.

Ein Regierungssprecher sagte, das aus dem geborstenen Becken ausgetretene Material sei toxisch und könne sowohl Haut- als auch Augenirritationen hervorrufen. Es sei jedoch nicht radioaktiv und enthalte kein Zyanid.

WWF: Verheerende Langzeitschäden

Umweltschützer befürchten dennoch verheerende Langzeitschäden für Mensch und Umwelt. Der Rotschlamm, ein Überbleibsel aus der Aluminiumgewinnung, enthalte Blei, Kadmium, Arsen und Chrom - allesamt Gifte, die Flora und Fauna zerstöre. Der Fluss Marcal sei bereits tot, hiess es in einer Mitteilung des WWF. Die Umweltkatastrophe sei «beispiellos in der ungarischen Geschichte».

Das offenbar deutlich über die erlaubte Norm gefüllte Giftschlammbecken dürfte nicht das einzige sein, laut WWF gibt es noch weitere giftige Depots im Donauraum, die teilweise sogar verlassen und ungesichert seien.

Der Europäischen Union wurde eine Mitschuld am Unglück zugewiesen. Die EU-Sicherheitsstandards für die Abfallentsorgung seien viel zu niedrig, kritisierte der Leiter des Wasserbereichs beim WWF, Martin Geiger. So dürften als Absicherung der Becken einfache Erdbaudämme eingesetzt werden, die Hochwasser nicht immer stand hielten.

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