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Einer der bizarrsten Kriminalfälle wird wieder aufgerollt

Vor Jahren wurden eine Bäuerin und drei weitere Personen verurteilt, weil sie einen Landswirt erschlagen und den Hunden verfüttert haben sollen. Vor einem Jahr tauchte die Leiche des Mannes jedoch in der Donau auf.

Sein Leichnam wurde vor einem Jahr in der Donau gefunden: Der 52-Jährige Landwirt zu Lebzeiten.
Sein Leichnam wurde vor einem Jahr in der Donau gefunden: Der 52-Jährige Landwirt zu Lebzeiten.

Einer der bizarrsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre wird seit Mittwoch vor dem Landsgericht Landshut neu aufgerollt. Es geht um den Tod eines Bauern, der nach einem früheren Urteil von seiner Familie und dem Ex-Freund einer der Töchter getötet und den Hunden zum Frass vorgeworfen worden sein soll. Doch wurde nach dem ersten Prozess die Leiche des Mannes gefunden, woraufhin das damalige Urteil aufgehoben werden musste.

Der 52-jährige Landwirt war im Herbst 2001 spurlos verschwunden, im vergangenen Jahr wurde dann sein Leichnam in seinem Auto in der Donau gefunden. Zuvor hatte das Landgericht Ingolstadt 2005 die Bäuerin und den Ex-Freund wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt, die beiden Töchter erhielten wegen Beihilfe durch Unterlassen zweieinhalb und dreieinhalb Jahre. Das Gericht war zu dem Schluss gekommen, dass die vier den Bauern erschlagen, zerstückelt und danach an die Hunde und Schweine auf dem Hof verfüttert hätten.

Alte Anklage verlesen

Zu Beginn des neuen Prozesses vor dem Landgericht Landshut verlas Staatsanwalt Ralph Reiter aus formaljuristischen Gründen die alte, inzwischen nachweisbar als falsch anzusehende Anklage der Staatsanwaltschaft Ingolstadt. Im Anschluss liessen die Angeklagten durch ihre Verteidiger erklären, keine Angaben zu den Vorwürfen gegen sie zu machen. Das Gericht will nun am Donnerstag mit der Vernehmung der ersten Zeugen in die Beweisaufnahme einsteigen.

Grundlage für die falsche Anklage und das spätere Urteil war vor allem das Geständnis des Ex-Freundes. Nach Auffassung der Verteidiger soll das später widerrufene Geständnis unter dem massiven Druck der polizeilichen Vernehmungen zustande gekommen sein. Die vier Angeklagten sind intellektuell stark eingeschränkt und waren deshalb nach Darstellung der Verteidigung nicht in der Lage, den Vernehmungen lange stand zu halten.

Verurteilte aus dem Gefängnis entlassen

Alle vier Verurteilten wurden inzwischen aus dem Gefängnis entlassen. Wie die Verteidiger sagten, wollen sie im Nachhinein in dem bis Februar angesetzten Prozess Freisprüche erreichen. Sollten sie erfolgreich sein, wollen die vier auf Schadensersatz klagen. Sie hätten bei einem Erfolg Anspruch auf 25 Euro für jeden in der Haft verbrachten Tag.

Wie Regina Rick, die Anwältin der ältesten Tochter, am Rande des Prozesses sagte, wollen die Verteidiger einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Kammer des Landgerichts Landshut prüfen. Bereits vor Beginn des neuen Verfahrens hatte Rick einen solchen Antrag gestellt. Den später abgewiesenen Antrag begründete sie damit, dass die Kammer trotz des Leichenfunds eine Wiederaufnahme abgelehnt hatte, weil sie starke Hinweise für die Schuld der vier sah. Erst das Oberlandesgericht München setzte die Wiederaufnahme durch.

Nach wie vor unter Verdacht

Staatsanwalt Reiter sagte am Rande des Prozesses, es gebe nach wie vor den dringenden Verdacht, dass das Quartett am Tod des 52-Jährigen schuldig sei. So habe es auch in den ersten Geständnissen Aussagen gegeben, dass der Bauer in seinem Auto in der Donau versenkt worden sei. Reiter räumte ein, dass die Anklage nun aber mit Hilfe der Beweise nachweisen müsse, dass der Landwirt getötet wurde, bevor er mit seinem Auto in die Donau rollte. Wenn dies nicht plausibel gelinge, sehe es für die Anklage schlecht aus. Für den Indizienprozess sind bis zum Februar 33 Verhandlungstage angesetzt.

(AFP)

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