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«Er hat sich gezielt bemüht, keine Gebäude zu treffen»

Am Tag nach dem Flugzeugabsturz in Taiwan werden noch elf Passagiere vermisst. Die lokalen Medien feiern den Piloten Liao Chien-tsung als Helden.

Noch acht Menschen werden vermisst: Koffer und persönliche Gegenstände der Opfer werden vor dem Wrack gesammelt. (5. Februar 2015)
Noch acht Menschen werden vermisst: Koffer und persönliche Gegenstände der Opfer werden vor dem Wrack gesammelt. (5. Februar 2015)
AFP
Die Arbeiten ruhen über die Nacht: Das Wrack wird aus dem Fluss geborgen. (4. Februar 2015)
Die Arbeiten ruhen über die Nacht: Das Wrack wird aus dem Fluss geborgen. (4. Februar 2015)
Sam Yeh, AFP
Eine andere Transasia-Maschine des Typs ATR-72-600 war schon im Juli verunglückt: Einsatzkräfte retten im Flugzeug eingeschlossene Passagiere aus dem sinkenden Wrack.
Eine andere Transasia-Maschine des Typs ATR-72-600 war schon im Juli verunglückt: Einsatzkräfte retten im Flugzeug eingeschlossene Passagiere aus dem sinkenden Wrack.
Pichi Chuang, Reuters
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Taiwan trauert um die Opfer der Flugzeugkatastrophe in Taipeh und ehrt den bei dem Unglück getöteten Piloten: Liao Chien-tsung wurde im Internet und in Medienberichten zum Helden erklärt. Der 41-Jährige habe geistesgegenwärtig eine noch grössere Katastrophe verhindert, als er die Turboprop-Maschine in einen Fluss in der Hauptstadt steuerte. Die Suche nach Vermissten lief weiter auf Hochtouren.

Die Zeitung «Apple Daily» widmete Liao ihre Titelseite und dankte dem früheren Luftwaffenpiloten dafür, dass er «Taipeh gerettet» habe. Am Mittwoch veröffentlichte Videoaufnahmen eines Autofahrers lassen erahnen, wie die Crew mit höchstem Einsatz offenbar versuchte, den Schaden möglichst gering zu halten: Das viel zu niedrig fliegende Passagierflugzeug fegt über die Stadtautobahn hinweg, kippt zur Seite, streift mit der linken Tragfläche ein Taxi, dann das Brückengeländer – und stürzt mit 58 Insassen in den Keelung-Fluss.

«Der Pilot hat sich offenbar gezielt bemüht, weitere Opfer zu vermeiden, indem er in dem Fluss notwasserte», sagte Luftfahrtexperte Daniel Tsang in Hongkong. «Es war ein sehr mutiger Schritt.» Im Internet wurde Liao als «Held» gefeiert. Auf Facebook schrieb eine Nutzerin, der Pilot habe es offenbar geschafft, mehrere nahe Hochhäuser zu verschonen. «Wir sind sehr stolz auf ihn. Es war sehr mutig, die Gebäude zu meiden», sagte eine Tante des Verstorbenen zu Reportern. Präsident Ma Ying-jeou besuchte trauernde Angehörige und Familien von Verletzten.

Die Suche nach zwölf Vermissten ging derweil weiter. Hunderte Helfer, darunter Taucher und Soldaten, suchten im trüben Wasser des Keelung-Flusses nach Opfern. 31 Tote wurden bislang geborgen. Neben Pilot Liao starb auch der Co-Pilot der Maschine bei der Bruchlandung. Dutzende Angehörige warteten am Ufer und riefen verzweifelt die Namen von Vermissten. In der Nacht zum Donnerstag gelang es mithilfe eines Krans, das Heck und den mittleren Teil des Wracks zu bergen. Taucher suchten wegen starker Strömung auch flussabwärts nach weiteren Opfern.

Die Plätze getauscht

Unterdessen meldeten sich Überlebende mit Berichten über ihre wundersame Rettung: Eine Familie überlebte den Absturz nach den Worten eines Angehörigen offenbar deshalb, weil sie kurz vor dem Start die Plätze getauscht hatte. So waren sie nach dem Unglück nicht weit von einem klaffenden Riss im Rumpf entfernt, durch den der Mann erst seine Frau aus dem Wrack ziehen konnte, um danach seinen leblos im Wasser treibenden kleinen Sohn zu retten und erfolgreich wiederzubeleben. Ein 72-Jähriger sagte dem Sender ETTV, er habe mehreren Passagieren dabei geholfen, ihre Sicherheitsgurte zu lösen.

Kurz vor dem Absturz hatte die Besatzung noch einen Notruf abgesetzt. «Mayday! Mayday! Engine flameout», war in dem vom Fernsehen veröffentlichten letzten Funkspruch zu hören – was bedeutete, dass mindestens eines der Triebwerke ausgefallen sein musste. Weiteren Aufschluss soll die Auswertung der geborgenen Blackboxes bringen.

Es war bereits der zweite Absturz einer Maschine der privaten taiwanischen Fluggesellschaft innerhalb eines halben Jahres: Ende Juli war eine Turboprop mit 58 Menschen an Bord bei einem missglückten Landemanöver inmitten eines Taifuns in zwei Häuser der Penghu-Inseln gekracht. 48 Insassen wurden getötet, fünf Menschen am Boden verletzt. Transasia ist Taiwans erste private Fluglinie.

sda/AFP/pst

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