«Er hatte ein grosses Herz – wir sind alle fix und fertig»

Peter Wetzel alias Spidi ist tot. Der Circus Knie plant eine öffentliche Abdankungsfeier für den beliebten Clown.

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Carmen Roshard@tagesanzeiger

Kaum jemand, der den kleinwüchsigen Clown Peter Wetzel alias Spidi nicht kannte. Seit 24 Jahren begrüsste der 51-Jährige Jahr für Jahr das Publikum des Circus Knie. Am Donnerstagabend ist der beliebte Clown in Aarau freiwillig aus dem Leben geschieden. Die Familie Knie steht unter Schock, ist fassungslos und in tiefer Trauer. «Als ich am Donnerstagabend von Spidis Tod erfuhr», sagt Géraldine Knie, die artistische Leiterin des Schweizer Nationalzirkus, «ist mein Herz gebrochen». Er war Teil ihrer grossen Familie.

Am späten Donnerstagnachmittag habe sie ihn noch auf dem Zirkusgelände angetroffen. Sie hätten wie jeden Tag miteinander geschwatzt und gelacht. Beim Abschied habe er wie immer zu ihr gesagt: «Ich hab dich ganz fest gern». Sie habe wie immer geantwortet: «Ich dich auch». So seien sie auseinander gegangen, das war ihr kleines Abschiedsritual. Alles sei gewesen wie immer.

Er hatte ein grosses Herz

Spidi war ein aufgestellter Zeitgenosse, immer gut drauf, hat sich um alle gekümmert, wollte immer Freude bereiten. Kein einziger Tag sei vergangen, an dem Spidi sie nicht nach ihrem Befinden und dem ihrer Kinder gefragt habe, sagt Géraldine Knie mit tränenerstickter Stimme. Auch während ihrer Schwangerschaften habe sich Spidi rührend um sie gekümmert. Und bei jeder Geburt stand er da mit einem Glücksbringer für ihre Kinder. Sein letztes Geschenk war ein Engelchen für Géraldines acht Monate alten Sohn Maycol. «Er hatte ein grosses Herz.» Im Circus Knie versteht man die Welt nicht mehr. «Wir sind alle fix und fertig», sagt Géraldine.

Viktor Giacobbo, der 2006 mit dem Nationalzirkus auf Tournée war, erinnert sich: «Spidi hat zum Knie gehört wie kein anderer, auch wenn er nicht mit der Knie-Dynastie verwandt war.» Noch im Mai machte Giacobbo bei einem Knie-Besuch ein Selfie mit Spidi und er schien fröhlich wie immer. Auch Peter Winkler vom Duo Lapsus, das 2007 mit dem Zirkus unterwegs war, ist sehr traurig. Er nannte ihn immer Peter, nicht Spidi, und das schien dem kleinen grossen Mann zu gefallen. Am liebsten, erzählt Winkler, «hätte er mit uns Komikern in der Manege gestanden, denn er war stets zu Scherzen aufgelegt». Spidi sei sehr stolz auf seine Arbeit gewesen und hatte Freude, Kinder zum Lachen zu bringen. «Ich bin sehr traurig über seinen Tod und werde Peter als wunderbaren Menschen in Erinnerung behalten.»

Öffentliche Abdankungsfeier geplant

Obwohl die Familie Knie, alle Artisten und Mitarbeitenden trauern, würden die Vorstellungen nach Plan stattfinden, «so wie das auch nach dem Tod meines Grossvater war», sagt Géraldine Knie. «Es ist für uns alle schwer, doch Spidi hätte es so gewollt.»

Für Spidi ist eine öffentliche Abdankungsfeier unter dem Knie-Chapiteau geplant. Sowohl Géraldine als auch Spidis Mutter sich sich gewiss: «Es wäre Spidis grösster Wunsch gewesen – der Circus Knie war sein Zuhause.» Der Solothurner, der bereits als kleiner Bub Clown werden wollte, hinterlässt seine Mutter und Schwester.

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