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«Es gab Leute ohne Handschuhe»

Im Annapurna-Massiv haben Retter über 200 Touristen geborgen, zahlreiche werden noch vermisst. Nun wird Kritik an den Veranstaltern der Trekkingtouren laut.

Hunderte wurden vom Schnee überrascht: Berggänger warten neben einem Helikopter.
Hunderte wurden vom Schnee überrascht: Berggänger warten neben einem Helikopter.
taan.org
Viele der überlebenden Berggänger tragen Erfrierungen davon: Ein Israeli wird nach der Behandlung im Spital von Kathmandu zum Flughafen gebracht. (18. Oktober 2014)
Viele der überlebenden Berggänger tragen Erfrierungen davon: Ein Israeli wird nach der Behandlung im Spital von Kathmandu zum Flughafen gebracht. (18. Oktober 2014)
Navesh Chitrakar, Reuters
Acht Berggänger kamen in einer Lawine um: Armeeangehörige tragen einen Toten davon. (16. Oktober 2014)
Acht Berggänger kamen in einer Lawine um: Armeeangehörige tragen einen Toten davon. (16. Oktober 2014)
Nepalesische Armee/EPA
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Retter im nepalesischen Himalaja suchen weiter nach vermissten Berggängern. Am Dienstag hatte ein heftiger Schneesturm mehrere Hundert Teilnehmer und Leiter von Trekkingtouren im Gebiet des Achttausenders Annapurna überrascht. Mehr als dreissig Menschen kamen in Lawinen um oder starben an Unterkühlung.

Mithilfe von Helikoptern konnten die Retter bisher mindestens 235 Menschen bergen, darunter 117 Personen aus dem Bezirk Mustang, 37 aus der Gegend des Thorong-Passes, 4 aus dem Basislager Tukuche und 77 aus dem Bezirk Manang, wie der Verband der nepalesischen Trekkingagenturen Taan meldet.

Weg zu Pass geräumt

Weiter vermisst werden nach Angaben der britischen Tageszeitung «The Guardian» noch zehn Touristen und zahlreiche lokale Führer.

Inzwischen sind die Rettungskräfte bis zum Thorong-Pass vorgestossen und haben ihre Suche nun in Nebentäler ausgeweitet. Die Armee räumte nach Angaben eines Sprechers den Weg bis zur Passhöhe. Danach hätten 40 Touristen das Gebiet zu Fuss verlassen können. Andere Gruppen wurden mithilfe der Dutzenden Helikopter, die im Einsatz stehen, von Armee und Privaten gerettet.

Einigen Gruppen gelang es, in kleinen Hütten Zuflucht zu suchen, wo sie bis zu 20 Stunden im Schneesturm ausharrten. Andere hatten weniger Glück: Im Bezirk Manang verschüttete eine Lawine acht Personen.

Tausende im Oktober unterwegs

Jeden Oktober, wenn die Himalaja-Gipfel in der kalten, aber klaren Luft besonders schön anzuschauen sind, absolvieren Tausende den Annapurna-Circuit, die beliebte Trekkingroute, die auf einer Länge von gut 200 Kilometern rund um das Achttausender-Massiv führt.

Dieses Jahr brachte nun ein Ausläufer des Wirbelsturms Hudhud, der mit Windgeschwindigkeiten von fast 200 Kilometern pro Stunde über den Nordosten Indiens hinweggezogen war, Schnee und eisige Temperaturen mit sich.

Wetterdienste hatten den Sturm zwar vorausgesagt, ein Warnsystem, mit dem Veranstalter und Berggänger bei schlechtem Wetter gewarnt würden, existiert hingegen nicht.

Schlechte Ausrüstung

Ein britischer Teilnehmer einer Tour erzählte dem «Guardian», er habe von der Wetterprognose erfahren und diese gegenüber einheimischen Führern und Hotelangestellten angesprochen. «Alle sagten, ich solle mir keine Sorgen machen», sagte der 49-jährige Paul Sheridan.

Sheridan sagte zudem, viele Tourteilnehmer und Einheimische seien ungenügend ausgerüstet gewesen. Viele Touristen seien zum ersten Mal im Gebirge gewesen. «Der Wind war so beissend kalt, dass einem die Augenlieder zufroren. Es gab Leute, die ihre Köpfe mit Plastiksäcken schützen wollten – und nicht einmal Handschuhe hatten.»

AP/mw

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