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Giftlawine überschwemmt Dörfer – Tote und Verletzte

Im Westen Ungarns haben hochgiftige Schlacken aus einer Aluminiumfabrik Hunderte Häuser mitgerissen. Die Lawine könnte sich zur grössten Chemie-Katastrophe des Landes auswachsen.

Am Freitag kehren die Bewohner nach Kolontar zurück. Doch das Unglück ist noch nicht ausgestanden: Katastrophenexperten der EU auf der Hauptstrasse des Dorfes.
Am Freitag kehren die Bewohner nach Kolontar zurück. Doch das Unglück ist noch nicht ausgestanden: Katastrophenexperten der EU auf der Hauptstrasse des Dorfes.
Keystone
Devecser am Mittwoch, 13. Oktober. Noch gibt es viel zu reinigen.
Devecser am Mittwoch, 13. Oktober. Noch gibt es viel zu reinigen.
Keystone
Helfer versucht, seine Kleidung zu reinigen.
Helfer versucht, seine Kleidung zu reinigen.
Keystone
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Eine Schlammlawine mit giftigen Stoffen hat in West-Ungarn nach einem Unfall in einer Aluminiumfabrik mindestens vier Menschen in den Tod gerissen. Auslöser der Katastrophe, die mehrere Dörfer traf, war ein Dammbruch in einem Aluminiumwerk.

Ein Auffangbecken mit Bauxitschlamm in der Stadt Ajka nördlich des Plattensees war am Montag zerborsten. Bis Dienstag hatten sich etwa eine Million Kubikmeter einer giftigen roten Schwermetallbrühe über ein Gebiet von geschätzten 40 Quadratkilometern ergossen.

Sieben Dörfer betroffen

Dies sagte Umweltstaatssekretär Zoltan Illes der ungarischen Nachrichtenagentur MTI. Er sprach von einer Umweltkatastrophe. Die ungarische Regierung rief in den drei Bezirken Veszprem, Vas und Györ den Notstand aus. Insgesamt waren sieben Dörfer von der Verschmutzung betroffen.

Unter den Toten in der Gemeinde Kolontar waren laut den Behörden zwei Kleinkinder. Bei dem Unfall wurden 120 Menschen verletzt. Zwei davon befanden sich in kritischem Zustand. 390 Einwohner mussten nach Angaben der Behörden ihre Häuser verlassen, 110 Menschen wurden aus überschwemmten Orten gerettet. Fünf Personen galten als vermisst.

Aufs Dach geflohen

«Der Schlamm war zweieinhalb Meter hoch», sagte ein Anwohner dem staatlichen Fernsehen. «Mein Kind war zu Hause, es konnte sich auf das Dach retten».

Die Schlammflut zog Autos mit sich und beschädigte Häuser und Brücken. Anwohner mussten von Rettungstrupps aus ihren Häusern geholt werden. Rettungskräfte waren in der Nacht dabei, in Schutzanzügen die Strassen zu säubern.

Die Verletzten erlitten vor allem Verätzungen. Die rote Giftbrühe verursacht chemische Verbrennungen, die zu Schäden des tiefer sitzenden Hautgewebes führen können, wie der Arzt Peter Jakabos erklärte.

Bekämpfen mit Gips

Die giftige Brühe sollte nun mit Gips gestoppt werden. «Wir haben viele Tonnen Gips in den Fluss Marcal geschüttet und hoffen so, den giftigen Strom einzudämmen», sagte eine Sprecherin des nationalen Katastrophenschutzes. Die Toxizität des Schlamms nehme mit jedem Kilometer ab.

Die Umweltkatastrophe könnte laut Greenpeace grössere Folgen haben. Der toxische Rotschlamm würde nicht nur ins Grundwasser sickern und dieses vergiften. Er könnte in getrocknetem Zustand durch Winde bis zu 15 Kilometer weit transportiert werden.

Die Umweltorganisation schickte umgehend ein Team in die stark betroffenen Dörfer Kolontar und Devecser, wie Zsolt Szegfalvi von Greenpeace-Büro in Ungarn erklärte.

Noch am Montag kontrolliert

Nach Angaben der Behörde für Katastrophen könne das Einatmen des getrockneten Staubes Lungenkrebs verursachen. Die Giftbrühe sei auch leicht radioaktiv. Es bestehe aber keine Verstrahlungsgefahr. Den von der Brühe verschmutzten Menschen wurde geraten, sich mit viel Wasser abzuwaschen.

Die Aluminiumfabrik in Ajka war 1943 gegründet worden und gehört heute der Firma MAL. Sie existiert seit 1995, als der ungarische Staat die Aluminium-Industrie privatisiert hatte.

MAL gab bekannt, nichts habe auf das bevorstehende Unglück hingewiesen. Erst am Montag sei das Auffangbecken noch kontrolliert worden. Der Bauxitschlamm wird dort in offenen Speichern gelagert. Der rote Schlamm ist ein Nebenprodukt bei der Erzeugung von Tonerde (Aluminiumoxid), aus der wiederum Aluminium gewonnen wird.

SDA/oku

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