Greta segelt nach Amerika

Klimaneutral nach New York: Die 16-jährige Schwedin will mit einer emissionsfreien Hochseejacht den Atlantik überqueren.

Die vom Team Malizia herausgegebene undatierte Aufnahme zeigt die emissionsfreie Rennyacht Malizia II. Bild: Andreas Lindlahr/EPA/Keystone

Die vom Team Malizia herausgegebene undatierte Aufnahme zeigt die emissionsfreie Rennyacht Malizia II. Bild: Andreas Lindlahr/EPA/Keystone

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg will per Schiff nach Amerika reisen. Die 16-Jährige twitterte am Montag, dass sie an Bord einer Hightech-Yacht über den Atlantik segeln werde. Sie werde im August von Grossbritannien starten und an UN-Klimagipfeln im September in New York und im Dezember in Chile teilnehmen.

Thunberg hatte der Nachrichtenagentur AP vor ihrer Bekanntgabe gesagt, dass sie monatelang darüber nachgedacht habe, wie sie in die USA reisen könne, ohne Flugzeuge zu benutzen. Diese lehnt sie ab wegen ihrer hohen Treibhausgas-Emissionen. Kreuzfahrtschiffe sind ebenfalls berüchtigt, wegen der starken Umweltverschmutzung, die sie verursachen. Bleibt also die Überfahrt mit einem Segelboot. Allerdings reisen Segler im August selten über den Atlantik, weil Hurrikangefahr besteht.

«Ein Boot nach Nordamerika zu nehmen, ist im Grunde genommen unmöglich», sagte Thunberg in einem Interview während einer ihrer wöchentlichen «Fridays for Future»-Proteste vor dem schwedischen Parlament in Stockholm. «Unzählige Menschen haben mir geholfen, im Versuch, verschiedene Boote zu kontaktieren.»

Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco an Bord

Die Yacht Malizia II, die Thunberg nehmen will, ist 18 Meter lang und mit Solarpaneelen und Unterwasser-Turbinen ausgestattet, um Strom ohne CO?-Ausstoss zu erzeugen. Die beiden Skipper sind der deutsche Segelsportler Boris Herrmann aus Hamburg und Pierre Casiraghi, der Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco.

Bei ihrer zweiwöchigen Reise soll Thunberg ausserdem von einem Filmemacher und ihrem Vater Svante begleitet werden. «Ich habe noch nie so etwas erlebt», sagte Thunberg. «Ich denke, dies wird eine Reise, an die man sich erinnert.» Eine Sprecherin des Malizia-Teams sagte, die Reise könnte für Greta je nach Wetterverhältnissen recht unruhig werden. «Aber Greta ist ein mutiges Mädchen, sie wird das locker hinkriegen.»

Thunbergs Aktivismus hat Zehntausende Schüler in Europa dazu gebracht, den Unterricht ausfallen zu lassen und für schnellere Massnahmen gegen den Klimawandel zu protestieren. Sie hatte bereits Anfang Juni angekündigt, ein Sabbatjahr einzulegen und erst im kommenden Jahr wieder zur Schule zu gehen.

In den USA wenig bekannt

In den USA ist Thunberg bislang wenig bekannt. Sie sei sich unsicher, wie ihre Botschaft in dem Land ankommen werde, sagte sie. Dort gibt es viel Widerstand gegen radikale Massnahmen, die der Einschätzung von Wissenschaftlern zufolge zur Begrenzung der Erderwärmung notwendig sind. «Ich werde einfach versuchen, so weiterzumachen, wie ich es zuvor gemacht habe», sagte die Aktivistin. «Einfach immer auf die Wissenschaft verweisen und wir werden einfach sehen, was passiert.»

Arnold Schwarzenegger schwärmt von GretaDer Hollywood-Star und die Klimaaktivistin haben sich in Wien getroffen. Schwarzenegger schrieb danach, er sei «sehr beeindruckt».

Thunberg schloss ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump nicht aus, äusserte aber Zweifel am Sinn eines Gesprächs. Trump lehnt des Klimaabkommen von Paris 2015 ab. Thunberg sagte, sie glaube, dass ein Treffen «nur Zeitverschwendung» wäre. Sie habe Trump «nichts zu sagen», sagte sie. «Er hört offensichtlich nicht der Wissenschaft zu und den Wissenschaftlern. Also warum sollte ich, ein Kind mit keiner angemessenen Bildung, dazu in der Lage sein, ihn zu überzeugen?», fragte Thunberg.

Thunberg will nach ihrer Ankunft in den USA auf dem Weg nach Chile Halt in Kanada, Mexiko und weiteren Ländern machen. Dorthin will sie mit dem Bus und Zug reisen. «Während des vergangenen Jahres haben Millionen junger Menschen ihre Stimme erhoben, um die führenden Persönlichkeiten der Welt für das Klima und die ökologische Notlage zu sensibilisieren», sagte Thunberg. «In den kommenden Monaten werden die Veranstaltungen in New York und Santiago de Chile zeigen, ob sie zugehört haben.»

SZ

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