Hohe Erdrutschgefahr im Tessin

Nur kurz konnten die Tessiner übers Wochenende aufatmen. Bereits wieder regnet es heftig, die Seepegel könnten gar höher als letzte Woche steigen.

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Nach einem Erdrutsch mit mindestens zwei Toten bei Lugano warnen die Schweizer Behörden vor weiteren Schlammlawinen und Überschwemmungen am Lago Maggiore und am Luganer See. Dort steuerten die Wasserpegel bereits auf gefährliche Höhen zu, und nach Dauerregen seien nun ergiebige Schneefälle absehbar, erklärt das Bundesamt für Umwelt (Bafu).

Anhaltenden Niederschlag meldet das Bafu für die südliche Schweiz, am intensivsten am Nachmittag. Gegen Abend soll der Regen nachlassen. 40 bis 60 mm Niederschlag werden erwartet, besonders in den Regionen Centovalli, Locarno und Lugano.

Pegel steigen weiter

Bereits letzte Woche waren die Pegel der Tessiner Gewässer auf gefährliche Höhen angestiegen. Nun klettern die Wasserstände von Lago Maggiore und Lago di Lugano erneut in die Höhe. Für den Lago Maggiore, der heute Morgen bei 196,31 Metern stand, erwartet das Bafu einen Anstieg um 10 bis 30 Zentimeter. Der Lago di Lugano, letzte Nacht bei 271,87 Metern, soll um 10 bis 20 Zentimeter ansteigen.

Das bedeutet: Beide Seen werden die Höchststände der vergangenen Tage wohl nochmals um einige Zentimeter überschreiten. Bei den schwersten Überschwemmungen der letzten Zeit im Jahr 2000 lag der Pegel des Lago Maggiore bei 197,58 Metern. Sowohl für den Lago Maggiore als auch für den Lago di Lugano hat der Bund die höchste Gefahrenstufe ausgerufen.

Zum Vergrössern auf die Karte klicken. (www.naturgefahren.ch)

Gefahr von Erdrutschen

Die Behörden seien auf das Hochwasser gut vorbereitet, und die Situation sei unter Kontrolle, berichtete letzte Woche thunertagblatt.ch/Newsnetz-Korrespondent Gerhard Lob aus Locarno. Mehr Sorgen machten der Bevölkerung jedoch die Erdrutsche. Vor knapp zwei Wochen waren bei einem Erdrutsch im Malcantone eine Mutter und ihr Kind ums Leben gekommen, am Sonntag nun begrub ein Erdrutsch in Davesco bei Lugano ein Wohnhaus unter Schlamm. Neben zwei Toten gab es vier Verletzte. Auch an anderen Orten des Tessins gab es am Wochenende Schlammlawinen.

Und die Gefahr ist noch nicht gebannt: Die Böden sind stark gesättigt, schreibt das Bafu. Im Hauptniederschlagsgebiet müsse deshalb weiterhin mit Erdrutschen gerechnet werden. Eine wirkliche Entspannung sei erst nach einer längeren Niederschlagspause möglich.

Im Unglücksgebiet von Davesco TI besteht laut der Stadtgemeinde Lugano die höchste Warnstufe für Hangrutsche. Bis auf weiteres untersagt die Stadtgemeinde den Betrieben, die im unmittelbaren Einzugsgebiet des Erdrutsches liegen, ihre Geschäftsräume zu nutzen. Diese Vorsichtsmassnahme könne erst aufgehoben werden, wenn die Sicherheit aller Gebäude im Umkreis des Unglücksortes garantiert werden könne, teilte die Gemeinde mit. Auch das Gebäude, welches oberhalb des zerstörten Wohngebäudes liegt, wurde geschäftlich genutzt. Vor jenem Fabrikgebäude befand sich eine Mauer, die aus noch ungeklärter Ursache einstürzte und das Unglück zumindest mitverursachte, wenn nicht sogar der Hauptauslöser war.

Rekord könnte geknackt werden

«Erst einmal seit Beginn der Aufzeichnungen 1964 ist in einem Monat November mehr Regen gefallen als in diesem Jahr», sagte der Sprecher von MeteoSchweiz in Locarno-Monti. Bisher steht der November 2002 an der Spitze der Niederschlagstabelle. Allerdings sei erst die Monatsmitte erreicht, so dass die Rekordmarke noch geknackt werden könne, sagte der MeteoSchweiz-Sprecher. Im Raum Lugano sei der November 2014 schon jetzt der Novembermonat, in dem es am meisten geregnet habe.

thu/sda

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