Krankenpfleger gesteht 100 Patientenmorde

In einem beispiellosen Prozess in Deutschland gibt der Angeklagte zu, jahrelang Patienten vergiftet zu haben.

Mit verdecktem Gesicht: N. H. vor Gericht in Oldenburg. Video: AFP

Auf die Frage des Gerichts, ob die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zuträfen, antwortete der 41-Jährige mit «Ja». Die Verhandlung begann am Dienstag in Oldenburg mit einer Schweigeminute für die Opfer.

Der bereits wegen sechs Taten zu lebenslanger Haft verurteilte Mann soll von 2000 bis 2005 an Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg in Niedersachsen Patienten im Alter von 34 bis 96 Jahren mit Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Die Taten seien aus niederen Beweggründen und heimtückisch begangen worden, sagte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann. Seine Haft sitzt H. in der Haftansalt in Oldenburg ab.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft spritzte H. seinen Opfern ein Medikament mit tödlichen Nebenwirkungen. Anschliessend versuchte er, die Patienten wiederzubeleben – was in vielen Fällen misslang. Das Motiv: Langeweile und Geltungssucht vor den Kollegen.

Der Prozess ist komplex und aufwendig. Die Staatsanwaltschaft benannte 23 Zeugen und 11 toxikologische und rechtsmedizinische Sachverständige. Insgesamt ist der Prozess bis Mai 2019 terminiert, mehr als 120 Angehörige von Opfern beteiligen sich als Nebenkläger an dem Verfahren. Sie kritisieren die zögerlichen Ermittlungen in dem Fall scharf.

sda

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