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Millionär für zehn Tage

Warum einem arabischen Hotelmanager in Jerusalem gerade alle Lebensmittelvorräte in Israel gehören.

Matze-Produktion: Backen für die brotlosen Tage. Foto: EPA, Keystone
Matze-Produktion: Backen für die brotlosen Tage. Foto: EPA, Keystone

In seinem Brotberuf ist Jaber Hussein dafür zuständig, dass in einem Jerusalemer Hotel immer genügend Getränke und Essen vorhanden sind. Während des jüdischen Pessach-Fests verfügt der 53-Jährige über eine schier unbegrenzte Menge an Lebensmitteln, rührt diese aber nicht an. Denn dem Hotelmanager gehören für zehn Tage die gesamten Vorräte des Staates Israel an Brot, Biscuits, Kuchen, Nudelprodukten, Cornflakes, Bier und Whisky.

Dazu kommen noch die Produkte auf jenen Listen, die Privatpersonen und Unternehmen an das Rabbinat geschickt haben.

Deal ist Vertrauenssache

Die Lebensmittel sind geschätzte 300 Millionen US-Dollar wert. «Ich bin für zehn Tage Millionär und einer der reichsten Männer des Landes», sagt Hussein. Seit 1998 unterzeichnet der Araber jedes Jahr am Vorabend des Pessach-Festes in einer feierlichen Zeremonie einen Kaufvertrag und zahlt den immer gleichen Betrag von 20'000 Schekel (rund 5500 Franken) an. Heute setzen er und der Chefrabbiner wieder ihre Unterschrift unter die Vereinbarung. Damit gehen alle Lebensmittel Israels, die gesäuertes Getreide enthalten – Chametz genannt – in den Besitz des Arabers über, denn Juden dürfen während des Pessach-Festes nichts besitzen. Nach dem Fest wird das Geschäft rückgängig gemacht.

Für ein paar Tausend Euro: Jaber Hussein kauft jedes Jahr alle Brotvorräte, Kuche, Kekse und Bier von Israel. (Bild: Stefanie Järkel, DPA/AFP)
Für ein paar Tausend Euro: Jaber Hussein kauft jedes Jahr alle Brotvorräte, Kuche, Kekse und Bier von Israel. (Bild: Stefanie Järkel, DPA/AFP)

Der Deal ist Vertrauenssache und deren Einhaltung für Hussein eine Frage der Ehre, denn er könnte sich weigern, die Produkte zurückzugeben und so eine Lebensmittelkrise auslösen.

Durch diese Form von Termingeschäft ist den strengen Speisevorschriften Genüge getan, und die Vorräte müssen nicht weggeworfen werden. Schon vor Jahrhunderten haben die Religionsgelehrten diesen Ausweg ersonnen, seither wird Chametz for Pessach an Ungläubige verkauft und nach dem Fest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert, zurückgeholt.

Eine Woche lang Matze

Strenggläubige Juden säubern zusätzlich ihre Wohnungen vom Keller bis zum Dach und fahnden nach den kleinsten Krümelchen Brot oder Resten von Müesli. Die Reste werden verbrannt. Selbst das Geschirr wird penibel gereinigt. Junge Männer glühen auf der Strasse mit dem Gasbrenner Töpfe und Pfannen aus, um jede Spur Chametz zu vernichten.

Eine Woche lang gibt es nur Matze, das dünne, ungesäuerte Fladenbrot, das an Knäckebrot erinnert. Schon Wochen vor Pessach werden in den Supermärkten die Regale mit Getreideprodukten nicht mehr aufgefüllt und später ganz abgedeckt. Einige elektronische Kassen schlagen Alarm, wenn Chametz-Produkte über den Scanner gezogen werden. Das geht so weit, dass auf den seit letzter Woche zu sehenden Werbeplakaten für den britischen Film «Paddington 2» der Bär kein Marmeladebrot in Händen hält, sondern Matze.

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