Zum Hauptinhalt springen

Model erhängt sich wegen Angst vor Zwangsheirat

Eine junge Muslimin wird tot in ihrer Wohnung bei Manchester entdeckt. Untersuchungen zeigen, dass die Furcht vor den frommen Eltern wohl eine Rolle spielte.

In Grossbritannien sorgt der Tod eines 24-jährigen Models für Aufruhr: Die Muslimin Nadia Menaz war im Mai erhängt in ihrer Wohnung in Oldham in der Nähe von Manchester aufgefunden worden. Eine Untersuchungsanhörung habe nun ergeben, dass sich Menaz aus Angst vor einer Zwangsheirat umgebracht habe, heisst es übereinstimmend in mehreren britischen Medien.

Menaz, die als Model, Hochzeitsplanerin und Blumenbinderin gearbeitet hatte, starb fünf Monate, nachdem sie einen Gerichtsbeschluss gegen ihre Eltern erzwungen hatte, die sie zur Heirat drängten. Dabei war Menaz bereits verheiratet und Mutter. Die Ehe mit ihrem Freund Umar Rasool war 2011 geschlossen worden – jedoch nur nach islamischem und nicht nach britischem Recht. Im März 2012 bekam das Paar eine Tochter.

Eltern bestreiten Ausübung von Zwang

Im Dezember 2014 erwirkte Menaz gemäss «Telegraph» gegen ihre Eltern und gegen drei ihrer acht Geschwister eine sogenannte Zwangsheirat-Schutzanordnung.

Vor Gericht bestritten Mutter und Vater nun, ihre Tochter zur Heirat mit einem anderen Mann gedrängt zu haben. An Selbstmord glauben sie nicht. Stattdessen gehen sie laut «Daily Mail» davon aus, dass Menaz ermordet worden ist. Laut Untersuchungsrichter Simon Nelson gaben die Eltern jedoch zu, Probleme mit der Beziehung ihrer Tochter zu Umar Rasool gehabt zu haben. Der 25-Jährige sei gewalttätig gewesen.

Vater will Droh-SMS erhalten haben

Der Vater Sabir Hussain berichtete, er habe nach dem Tod seiner Tochter Textnachrichten von ihrem Handy aus erhalten, in denen es geheissen habe: «Nadia ist gestorben, nun bist du an der Reihe. Du wirst der Nächste sein.» Nadias Mutter Ruksana Kousar sagte aus, ihre Tochter sei bereits verheiratet gewesen, es habe also gar keinen Grund für die gerichtliche Verfügung gegeben. Ein Cousin hingegen gab zu Protokoll, Menaz habe wegen des angespannten Verhältnisses zu ihren Eltern unter Stress gestanden. Sie habe sich deshalb selbst verletzt. Tatsächlich war die 24-Jährige in den Wochen vor ihrem Tod in psychiatrischer Behandlung im Spital, wurde jedoch wieder entlassen.

Am Tag ihres Todes geriet sie in Streit mit ihrem Ehemann, der daraufhin seine Familie besuchte und in die Moschee ging. Als er am frühen Abend wiederkehrte, entdeckte er den Leichnam seiner Frau. Menaz hatte den Suizid per SMS angekündigt, das sei jedoch nicht das erste Mal gewesen. Die Polizei schliesst Dritteinwirkung aus. Die Todesursache sei Erhängen gewesen. Zudem wurden am Oberschenkel 60 Wunden festgestellt – wohl Resultate der Selbstverletzungen.

Die Untersuchungen im Fall Nadia Menaz dauern an.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch