Nachtruhe ist wichtiger als Kuhglocken

Ein Bauer aus Wald ZH muss Kühen um 22 Uhr Glocken abnehmen, entschied das Verwaltungsgericht. Der Kuhglocken-Streit dürfte damit aber noch nicht vorbei sein.

Hat kein Verständnis für seine klagenden Nachbarn: Manuel Zwischenbrugger streichelt eines seiner Rinder. (August 2015)

Hat kein Verständnis für seine klagenden Nachbarn: Manuel Zwischenbrugger streichelt eines seiner Rinder. (August 2015)

(Bild: Screenshot 20-Minuten-Video)

Das Zürcher Verwaltungsgericht hat die Entscheide des Gemeinderates von Wald und des Baurekursgerichts im sogenannten Kuhglockenstreit gestützt. Die Kühe von Manuel Zwischenbrugger dürfen nachts keine Glocken tragen. Anwohner hatten sich über den Lärm beschwert.

Der Fall ist verzwickt: Der Bauer ziehe seinen Tieren die Glocken aus Sicherheitsgründen an, um entlaufene Rinder dank dem Glockengeläut schneller wieder zu finden, begründet der Landwirt aus Wald. Gleichzeitig fürchten die Anwohner um ihre Nachtruhe: Aufgrund der Lärmimmissionen sei es selbst bei geschlossenen Fenstern nicht mehr möglich, nachts Schlaf zu finden, heisst es im Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts.

Beschwerde abgewiesen

Der Walder Gemeinderat ordnete deshalb im November 2014 an, dass die Kühe von 22 bis 7 Uhr im Umkreis von 200 Metern zur Liegenschaft des in der Ruhe gestörten Ehepaares keine Glocken tragen dürfen. Das Baurekursgericht wies danach im August 2015 eine Beschwerde des Bauern ab.

Es gewichtete die Nachtruhe höher als die Interessen des Landwirts, «da mit Blick auf die örtlichen Gegebenheiten kaum mit entlaufenen Tieren zu rechnen ist und solche gegebenenfalls auch ohne Glocken gut auffindbar wären».

Aussergerichtliche Einigung scheiterte

Die Parteien setzten sich daraufhin zusammen. Die aussergerichtliche Einigung scheiterte jedoch im Herbst des vergangenen Jahres, woraufhin Zwischenbrugger ans Zürcher Verwaltungsgericht gelangte.

In seiner Beschwerde beantragte er eine Lärmmessung, denn der Augenschein vor Ort, den das Baurekursgericht durchgeführt habe, sei nicht korrekt gewesen. Zudem sah er von einer ausführlichen schriftlichen Begründung seiner Eingabe ab und wollte lieber persönlich befragt werden.

Protest des Bauern

Das Verwaltungsgericht hat nun die Entscheide des Baurekursgerichts und des Gemeinderats gestützt und die Beschwerde des Landwirts abgewiesen. Eine persönliche Befragung sei im Gesetz nicht vorgesehen und eine zusätzliche Lärmmessung nicht notwendig.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann ans Bundesgericht weitergezogen werden. Ein Ende des Streits scheint noch lange nicht in Sicht zu sein. Denn wie der «Zürcher Oberländer» am Mittwoch berichtete, habe der Bauer Anfang Woche sogar noch mehr Tiere als vorher auf die Weide gelassen und diesen noch grössere Glocken umgehängt.

woz/sda

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