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Pistorius verbringt erste Nacht in Freiheit im Haus des Onkels

Der unter Mordverdacht stehende Sportler Oscar Pistorius hat eine erste Kautionsrate gezahlt und befindet sich nun auf freiem Fuss. In seine Wohnung darf er aber nicht zurückkehren.

Ein kurzer Auftritt: Der wegen Mordverdachts beschuldigte südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius ist erstmals seit Monaten wieder öffentlich vor Gericht aufgetreten. (4. Juni 2013)
Ein kurzer Auftritt: Der wegen Mordverdachts beschuldigte südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius ist erstmals seit Monaten wieder öffentlich vor Gericht aufgetreten. (4. Juni 2013)
AFP
Auf dem Weg zum Onkel: Oscar Pistorius mit seiner Schwester Aimee. (22. Februar 2013)
Auf dem Weg zum Onkel: Oscar Pistorius mit seiner Schwester Aimee. (22. Februar 2013)
AP Photo/Nelius Rademan, Keystone
Pistorius wurde wegen seiner Leistungen weltweit gefeiert. In seinem Heimatland galt er als Held.
Pistorius wurde wegen seiner Leistungen weltweit gefeiert. In seinem Heimatland galt er als Held.
Reuters
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Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius ist wieder frei. Nach acht Tagen Haft in einer Zelle der Brooklyn-Polizeistation von Pretoria verbrachte der 26-Jährige die erste Nacht in Freiheit im Haus seines Onkels im Stadtteil Waterkloof.

Der unter Mordverdacht stehende Olympionike, der am Valentinstag seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen hatte, war am Freitag überraschend gegen Kaution entlassen worden.

Zahlreiche Auflagen

Der Sportler, der mit seinen Hightech-Karbon-Prothesen bei Paralympischen Spielen insgesamt sechs Goldmedaillen gewonnen hatte, muss jedoch zahlreiche Auflagen erfüllen. So darf er nicht in sein Haus in Silverwood Estate zurückkehren, in dem die 29-jährige Steenkamp getötet wurde.

Zudem ist es Pistorius untersagt, Kontakt zu den Zeugen des Verfahrens aufnehmen. Seine Reisepässe musste der Athlet abgeben. Er darf keinen Alkohol trinken. Jeden Montag und Freitag muss er sich auf einer Polizeistation melden.

Pistorius habe am Freitag eine erste Kautionsrate in Höhe von 100'000 Rand (rund 10'000 Franken) gezahlt und sei anschliessend entlassen worden, berichtete der Sender SABC. Insgesamt hatte Richter Desmond Nair eine Million Rand als Gesamtbetrag festgesetzt.

Appell an Pistorius' Gewissen

Reevas Vater Barry Steenkamp appellierte derweil an das Gewissen des Sportlers. «Es ist egal, wie viel Geld er hat oder wie gut sein Anwaltsteam ist, er muss mit seinem Gewissen leben, falls er es der Verteidigung erlaubt, für ihn zu lügen», sagte er der Zeitung «Beeld».

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den beinamputierten Profi-Läufer, seine Freundin vorsätzlich durch die geschlossene Badezimmertür erschossen zu haben. Pistorius sagt, er habe sie aus Versehen erschossen, weil er geglaubt habe, im Badezimmer sei ein Einbrecher. Steenkamp, ein Model und Reality-TV-Star, starb in den frühen Morgenstunden des 14. Februar.

«Wenn er die Wahrheit sagt, dann kann ich ihm vielleicht eines Tages vergeben», fügte Barry Steenkamp hinzu. «Aber wenn es nicht so war, wie er sagt, dann muss er leiden, und er wird leiden.» Reevas Mutter June Steenkamp erklärte, sie habe keine Tränen mehr und sie wolle nun damit beginnen, sich an ein Leben ohne ihre Tochter zu gewöhnen.

Welle der Solidarität

Pistorius' Onkel Arnold hatte kurz nach dem Kaution-Entscheid betont, wie erleichtert die ganze Familie sei. «Dennoch ist dies eine sehr traurige Zeit für Reevas Familie und für uns», sagte er. «Wir sind überzeugt, dass sich Oscars Version davon, was in jener schrecklichen Nacht geschehen ist, als wahr erweisen wird.»

Unterdessen schickten Tausende Fans Nachrichten an die offizielle Webseite des Sportlers, um ihre Solidarität zu zeigen. «Ganz egal, was die Welt sagt, du bist und bleibst mein Champion und mein Held», schrieb eine Verehrerin. Nach der Nachricht von der Freilassung auf Kaution hatte es auch kritische Stimmen gegeben, die eine Vorzugsbehandlung des berühmten weissen Stars sahen.

Am 4. Juni muss der Leichtathlet erneut vor Gericht erscheinen. Wird Pistorius wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen, droht ihm eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich.

SDA/mw

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