Russland gibt Details zu Atom-Unfall preis

Im Norden Russlands ist nach dem missglückten Test eines Raketenmotors offenbar erhöhte Radioaktivität gemessen worden.

Unfall auf russischem Militärgelände: Experten gehen davon aus, dass ein mit Atomenergie betriebenes Triebwerk getestet wurde. (Archivbild) AFP Photo/Viktor Drachev

Unfall auf russischem Militärgelände: Experten gehen davon aus, dass ein mit Atomenergie betriebenes Triebwerk getestet wurde. (Archivbild) AFP Photo/Viktor Drachev

Mit mehrtägiger Verzögerung haben die russischen Behörden einige Details zum atomaren Unfall preisgegeben, der sich auf einem Militärstützpunkt am Weissen Meer ereignete.

Nach den am Wochenende vorliegenden Informationen kamen bei dem Vorfall am Donnerstag fünf, wenn nicht sieben Menschen ums Leben, es gab eine atomare Verstrahlung von bis zu 2,0 Microsievert pro Stunde. Der Unfall ereignete sich auf einer Plattform im Meer.

Auch nach der Veröffentlichung mehrerer Erklärungen vom Verteidigungsministerium, der Atombehörde Rosatom und der russischen Armee blieben einige Fragen ungeklärt. So stellten die Behörden nicht klar, ob die von Rosatom bestätigten fünf Todesfälle eigener Mitarbeiter um zwei Todesfälle von «Spezialisten» ergänzt werden müssen, die kurz nach dem Unglück von der Armee bekanntgegeben wurden.

Erst am Samstag wurde der atomare Charakter des Unglücks von den Moskauer Behörden eingeräumt. Rosatom teilte mit, seine Beschäftigten seien damit beauftragt gewesen, die «isotopische Energiequelle» für eine Rakete zu betreiben, die auf der Plattform getestet wurde.

Dabei dürfte es sich nach Einschätzung von Jeffrey Lewis vom US-Institut für Internationale Studien in Middlebury um eine atomar betriebene Rakete von Typ 9M730 Burewestnik handeln. Diese Rakete, die im Februar erstmals vom russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgestellt wurde, wird im Nato-Jargon auch als SSC-X-9 Skyfall bezeichnet.

Das Unglück ereignete sich auf dem Testgelände Nyonoska, das rund 30 Kilometer von der Stadt Sewerodwinsk entfernt ist. Die Behörden in Sewerodwinsk stellten am Donnerstag zunächst die Information auf die städtische Homepage, dass «ein kurzer Anstieg des Strahlenniveaus» festgestellt worden sei. Diese Information wurde dann aber wieder gelöscht.

Am Wochenende erklärte Valentin Magomedow vom örtlichen Katastrophenschutz, die atomare Verstrahlung habe während einer halben Stunde bei 2,0 Microsievert gelegen. Der reguläre Höchstwert beträgt 0,6 Microsievert pro Stunde.

Die Umweltorganisation Greenpeace erklärte unter Berufung auf Mitarbeiter eines Atomforschungszentrums, die Verstrahlung habe länger als eine Stunde bei 2,0 Microsievert gelegen.

In der Stadt Sewerodwinsk, die 190'000 Einwohner hat, setzten am Freitag Panikkäufe von Jod-Präparaten ein. «In einer Stunde war der gesamte Vorrat ausverkauft», sagte die Apothekerin Jelena Warinskaja.

«Nicht vergleichbar mit ernsthaften Reaktor-Unfällen»

Boris Schuikow vom Institut für Nuklearforschung in Moskau sagte, isotopische Energiequellen würden vor allem in der Raumfahrt genutzt und stellten für die Nutzer normalerweise keine Gefahr dar. Die von ihnen ausgehende Radioaktivität sei «absolut nicht vergleichbar mit der von ernsthaften Unfällen in Reaktoren».

In der früheren Sowjetunion ereignete sich 1986 das Atomunglück von Tschernobyl. Die Behörden versuchten damals, das Ausmass der Katastrophe zu verschleiern, das sich als schwerster Atomunfall in der Geschichte herausstellte. 30 Menschen starben bei der Explosion in Tschernobyl, hunderte an den Spätfolgen. In weiten Teilen der damaligen Sowjetunion und Europas wurde über längere Zeit erhöhte radioaktive Strahlung gemessen.

sda

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