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Sex-Erpresser: Sektenchef wurde nie verurteilt

Der Italiener Ernani Barretta scharte Mitte der Neunzigerjahre in Zürich Jünger um sich, die er später auf Sex-Erpressertouren losschickte. Belangt wurde er dafür nie.

Es war eine kleine Gruppe von Anhängern, die sich in den Neunzigerjahren um den obskuren Italiener Ernani Barretta tummelte. Rund 30 Personen – hauptsächlich angehende Juristen – aus dem Raum Zürich liessen sich von seinen angeblichen Wunderkräften ködern. Er solle schwer kranke Leute heilen und Wunder vollbringen, hiess es aus seinem Umfeld. Mit gemeinsamen Gebeten sei es ihm gelungen, Schmerzen zu lindern und «wenn er heilt, erhält er von Gott jeweils die Wundmale Christi. Er wird totenbleich, beginnt zu zittern und verliert blut», wird ein Anhänger in einem Bericht des Beobachters zitiert.

Kleine Gruppe traf sich im Zürcher Kreis 6

Weshalb der damals 50-jährige Barretta ausgerechnet Zürcher Studenten für sich gewinnen konnte, bleibt unklar. Das Wirken der Gruppe wurde bereits damals von der Öffentlichkeit kaum beachtet. Zu klein war der Zirkel um den Italiener, zu wenig aufsehenerregend Barrettas «Wundertaten». Die Gruppe traf sich zunächst in Privatwohnungen im Zürcher Kreis 6. Nach und nach zogen die Mitglieder aus Zürich weg nach Italien, wo Barretta in einem Haus in den Abruzzen seine Anhänger empfing. In Zürich bleibt einzig noch die Wohnung von Barrettas Schwiegermutter in Auslikon bei Pfäffikon (ZH) als Basis bestehen. Doch die Aktivitäten der Gruppe in Zürich nehmen stetig ab.

Jünger spendeten ihre gesamten Pensionskassengelder

Die Jünger überweisen ihrem Guru regelmässig grosse Geldsummen für seine «Leistungen» – unter anderem auch ihre gesamten Pensionskassengelder. Eine junge Zürcherin beeindruckte der selbsternannte Heiler so sehr, dass diese alle Kontakte zu Familie und Freunden abbrach, Stelle und Wohnung kündigte und zu Barretta nach Italien zog. Vor ihrem Wegzug hat sie in Zürich monatelang Geld gesammelt, das Barretta angeblich für ein Waisenheim für Flüchtlingskinder aus Ex-Jugoslawien einsetzen wollte. Das Heim existiert noch heute nicht.

Bringen die Jünger keine finanziellen Leistungen, werden sie anders eingesetzt, um Geld in die Kassen zu bringen. So erpresste Sekten-Mitglied Helg Sgarbi Susanne Klatten, eine der reichsten Frauen Deutschlands, mit Sex-DVDs (mehr dazu hier). Heute wartet Sgarbi in München auf seinen Prozess.

Verfahren in der Schweiz und in Italien eingestellt

Auch gegen Barretta wurde ermittelt. Der Zürcher Bezirksanwalt Peter Pellegrini ging wegen Erpressung und Betruges gegen ihn vor. Im September 1994 wurde das Verfahren jedoch eingestellt und via Bundesamt für Polizeiwesen an Italien übergeben. Die Begründung lautete damals, Barretta habe in Italien Wohnsitz und könne hierzulande nicht tangiert werden. Im Jahr 2000 wurde das Verfahren von der italienischen Justiz eingestellt. Barretta wurde für seine Taten nie geahndet.

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