Snowdens mysteriöse Beraterin

Einst stand Sarah Harrison Wikileaks-Chef Julian Assange zur Seite, jetzt begleitete sie US-Enthüller Edward Snowden auf der Flucht aus Hongkong ins russische Asyl. Wer ist diese junge Frau?

Für Wikileaks ist sie unverzichtbar geworden: Sarah Harrison.

Für Wikileaks ist sie unverzichtbar geworden: Sarah Harrison.

(Bild: Reuters)

Es war sicher eine quälend lange Zeit für Whistleblower Edward Snowden – das Warten darauf, ob ihm Russland Asyl gewährt oder nicht. Aber er war nicht allein, die ganze Zeit über hielt sich eine Mitarbeiterin der Enthüllungsplattform Wikileaks an seiner Seite auf. Sie heisst Sarah Harrison und ist zunehmend zu einer zentralen, gleichwohl mysteriösen Figur in der Saga um Snowdens Flucht vor der US-Justiz geworden.

So viel weiss man: Harrison hat sich im Laufe weniger Jahre von einer Praktikantin zu einer der engsten Vertrauten von Wikileaks-Gründer Julian Assange entwickelt. Aber jetzt, als Beraterin und Begleiterin von Snowden, hat sie noch mehr an Profil und Aufmerksamkeitswert gewonnen.

Unverzichtbar geworden

Der Plattform zufolge ist sie mit dem früheren Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA im Juni von Hongkong nach Moskau gereist. Sie erschien mit ihm zu einem Aktivistentreffen auf dem Flughafen Scheremetjewo, in dessen Transitbereich der IT-Experte wochenlang gestrandet war. Wikileaks zufolge schlüpfte sie zusammen mit Snowden am Donnerstag am Airport auch in ein Taxi, nachdem Russland dem Flüchtigen ein vorläufiges Asyl von einem Jahr gewährt hatte.

Viel mehr hat die Internet-Plattform nicht über Sarah Harrison bekannt gemacht. Aber klar ist, dass sie für Wikileaks mittlerweile unverzichtbar geworden ist. Beschrieben wird sie schlicht als Snowdens Rechtsberaterin. Sie scheint aber keinen Juraabschluss zu haben. Ihre Biografie auf der Wikileaks-Website weist sie als britische Staatsbürgerin, Journalistin und Forscherin in Sachen Recht aus. Laut Medienberichten ist sie 31 Jahre alt.

Eine stille und konstante Stütze

Während Harrison ein Praktikum am Zentrum für investigativen Journalismus an der Londoner City University absolvierte, half sie Wikileaks-Chef Assange den Angaben zufolge bei der Enthüllung geheimer US-Militärdokumente. Im August 2010 begann sie dann für eine andere gemeinnützige britische Einrichtung zu arbeiten, die ebenfalls investigativen Journalismus unterstützt.

Dort war sie Mitglied eines Teams, das sich mit einer Reihe von Irakkriegunterlagen beschäftigte, die Wikileaks an mehrere grössere Medien weitergegeben hatte. Schon wenig später, im Oktober desselben Jahres, heuerte sie direkt bei Wikileaks an. Sie mauserte sich dann rasch zu einer stillen, aber konstanten Stütze von Assange.

So begleitete Harrison ihn auf das englische Landgut, wo er unter Hausarrest stand, während er gegen eine Auslieferung nach Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen kämpfte. Sie sass bei Gerichtsterminen neben ihm, und sie finanzierte neben anderem seine Kaution – Gelder, die futsch waren, als Assange entgegen der Kautionsbedingungen in die Londoner Botschaft Ecuadors flüchtete.

«Eine schwierige Zeit»

Seitdem Assange dort festsitzt, ist Harrison für Wikileaks häufiger in einer öffentlichen Rolle aufgetaucht. So trat sie im vergangenen Jahr im Londoner Frontline Club auf und gab bekannt, dass die Plattform die Veröffentlichung eines Teils von 2,4 Millionen syrischen E-Mails vorbereite, viele von offiziellen Regierungskonten. Sie räumte zugleich ein, dass Wikileaks «zurzeit eine schwierige Zeit» durchmache, «aber wir arbeiten uns weiter da durch».

Am Donnerstag gab Wikileaks bekannt, dass Snowden den Moskauer Flughafen verlassen habe – in Harrisons Obhut. Wann man sie wieder zu Gesicht bekommen wird, steht in den Sternen. «Harrison ist zu jeder Zeit an Herrn Snowdens Seite geblieben, um seine Sicherheit zu garantieren», auch während seiner Ausreise aus Hongkong», hiess es in einer Wikleaks-Mitteilung. «Sie haben den (Moskauer) Flughafen gemeinsam verlassen und sind auf dem Weg zu einem sicheren geheimen Ort.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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