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Sozialtherapeut gesteht Missbrauch von 114 Kindern

Fast drei Jahrzehnte lang hat ein 54-jähriger Berner in Heimen Kinder und junge Menschen sexuell missbraucht. Die meisten waren geistig und körperlich behindert – und das jüngste Kind erst ein Jahr alt.

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft informiert über einen der grössten Missbrauchsfälle der Schweiz. Bild: Beat Mathys.
Die Polizei und die Staatsanwaltschaft informiert über einen der grössten Missbrauchsfälle der Schweiz. Bild: Beat Mathys.

Ein 54-jähriger Sozialtherapeut aus dem Kanton Bern hat gestanden, in den vergangenen 29 Jahren in mehreren Heimen in der Schweiz und Deutschland 114 Pflegebefohlene und Kinder sexuell missbraucht zu haben. Die meisten Opfer sind geistig und körperlich behindert.

Es handelt sich vor allem um junge Männer, aber auch um Frauen. Zu den Opfern gehören aber auch Kinder, darunter solche von Heimangestellten. Das jüngste Opfer ist ein Kind, das zur Tatzeit einjährig war, wie die regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland und die Kantonspolizei Bern mitteilten.

Der 54-Jährige bezeichnet sich selbst als pädophil. Das Verfahren gegen ihn wurde Ende März 2010 im Kanton Aargau eingeleitet. Zwei männliche Bewohner eines Behindertenheims hatten den Eltern erzählt, dass sie mit einem Betreuer sexuelle Kontakte hatten.

Nach ersten Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht. Anfang April nahm die Kantonspolizei Bern den Mann an seinem Wohnort im Berner Oberland fest. Er befindet sich seither in Haft. Gegen den Mann liegen keine Vorstrafen wegen Sexualdelikten vor.

Polizei spricht von 122 Opfern

Die Kantonspolizei Bern hat bisher 122 Opfer identifiziert, wie es an einer Medienorientierung hiess. Der Mann habe den Missbrauch von 114 Menschen gestanden. In weiteren acht Fällen sei es beim Versuch geblieben. Der grösste Teil der Fälle sei verjährt. Gemäss geltender Gesetzgebung könnten 33 Fälle strafrechtlich verfolgt werden.

Die sexuellen Übegriffe fanden gemäss den Ermittlungsergebnissen mehrheitlich in den Heimen statt, zum Beispiel während der Nachtwache und bei der Intimpflege. Der Mann betastete seine Opfer an den Geschlechtsteilen; laut den Erkenntnissen der Ermittler kam es zu Oralverkehr und analem Missbrauch.

Nicht selten wurde eines oder mehrere Opfer mehrmals am gleichen Tag misshandelt. Der Mann sei dabei gezielt vorgegangen, um die Übergriffe zu vertuschen. So habe er oftmals Ersatzwäsche bei sich gehabt.

In 18 Fällen habe der Mann den Missbrauch durch Foto- oder Videoaufnahmen festgehalten. Gemäss aktuellem Stand der Ermittlungen seien die Bilder aber nicht im Internet in Umlauf gebracht worden, hielten die Behörden fest.

Der Beschuldigte war seit 1982 in neun Heimen als Betreuer angestellt. Die Mehrheit davon befand sich im Kanton Bern. Der Mann arbeitete zunächst in der Tagesschule der Stiftung Nathalie in Gümligen. Nachdem es in Bern zu einer Kündigung kam, arbeitete der Berner Oberländer in Zofingen in der Stiftung Nische.

Zudem seien nebst dem erwähnten Heim auch zwei Institutionen in Appenzell Ausserrhoden betroffen. An all diesen Orten sei es zu Übergriffen gekommen. Betroffen sei zudem ein Heim in Deutschland.

Polizei richtet Hotline ein

Mitte Januar wurden die betroffenen Heime kontaktiert. Seit Dienstag werden die Opfer respektive ihre gesetzlichen Vertreter informiert. Die Berner Kantonspolizei hat aufgrund der grossen Opferzahl eine Hotline eingerichtet. Sie veröffentlicht Informationen auch auf ihrer Internetseite www.police.be.ch.

Die Behörden teilten auch mit, dass gegen den Beschuldigten schon 2003 einmal ermittelt worden sei. Ausgangspunkt damals sei ein Strafverfahren gegen einen anderen Betreuer gewesen. Ein 13- jähriges, geistig schwer behindertes Mädchen hatte erklärt, es hätten auch Übergriffe durch den heute Beschuldigten stattgefunden.

Fachleute hätten damals an der Authentizität dieser Aussagen gezweifelt, halten die Behörden jetzt fest. Trotz umfangreicher Ermittlungen habe der Verdacht gegen den heute Beschuldigten damals nicht erhärtet werden können.

SDA/miw

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