Täter von Köln soll sich zum IS bekannt haben

Die Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof läuft letztlich glimpflich ab. Die Polizei schliesst einen terroristischen Anschlag nicht aus.

Erfolgreicher Einsatz: Sonderkommandos haben den Angreifer festnehmen können. (Video: Reuters/Tamedia)

Eine Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof hielt die Polizei am Montag stundenlang in Atem. Vier Menschen wurden verletzt, darunter der Geiselnehmer. Dieser sei mit Gaskartuschen und Brandbeschleuniger bewaffnet gewesen, sagten die Ermittler. Es seien zudem mehrere blaue Campinggaskartuschen entdeckt worden, von denen einige mit Klebeband verbunden gewesen seien. Ermittelt werde in alle Richtungen, sagte die stellvertretende Kölner Polizeipräsidentin Miriam Brauns. «Auch einen Terroranschlag schliessen wir dabei nicht aus.»

Der bewaffnete Täter zündete nach Polizeiangaben am Mittag in einem Schnellrestaurant im Bahnhof zunächst einen Molotowcocktail, durch den eine 14-jährige Jugendliche am Fuss verletzt wurde. Eine weitere Person im Schnellrestaurant erlitt einen Schock. Als durch den Brandsatz die Sprinkleranlage im Restaurant ausgelöst wurde, ergriff der Mann die Flucht und verschanzte sich in einer gegenüberliegenden Apotheke im gleichen Gebäude mit einer Frau als Geisel.

Bilder: Der Vorfall im Kölner Hauptbahnhof

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Nach zwei Stunden stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) die Apotheke, verletzte den Geiselnehmer durch Schüsse schwer und befreite die Geisel, die leichte Verletzungen erlitt. Beim Zugriff des SEK am Nachmittag um 14.54 Uhr feuerten Beamten zwei Blendgranaten ab. Die Explosionen waren deutlich zu hören, wie ein AFP-Reporter vor Ort berichtete.

Pass eines Syrers gefunden

«Im Zusammenhang mit dem Betreten der Apotheke soll er Passanten zufolge auch gerufen haben, dass er zur Terrorgruppe Daesh gehört», sagte Einsatzleiter Klaus Rüschenschmidt am Montagabend. Weitere Hinweise dazu gebe es aber nicht. «Daesh» ist der arabische Name für die Terrormiliz Islamischer Staat. Der Täter habe «wohl noch versucht, die Geisel anzuzünden», sagte Rüschenschmidt. Beim Zugriff der Polizei habe er eine Schusswaffe in der Hand gehalten. Unklar war aber zunächst, ob es sich um eine scharfe Waffe oder eine Gaspistole handelte.

Am Tatort wurden laut Kriminalpolizei Papiere eines 55 Jahre alten Syrers gefunden. Der Besitzer dieser Papiere habe eine Duldung bis Mitte 2021 erhalten. Der Geiselnehmer sei mit «hoher Wahrscheinlichkeit» der Passinhaber. Die Ermittler betonten aber auch, dass die Identität des Täters noch nicht eindeutig geklärt sei. Der Inhaber des gefundenen Dokumentes sei seit 2016 umfangreich wegen verschiedener Delikte wie Diebstahl und Bedrohungen bekannt.

Bahnhof acht Stunden gesperrt

Der Polizeieinsatz rund um die Geiselnahme hatte für ein Chaos auf den Bahnstrecken rund um die Millionenmetropole gesorgt. Der Bahnhof wurde evakuiert und war auch Stunden nach der Geiselnahme gesperrt. Züge wurden weiträumig umgeleitet, einige endeten vorzeitig. Der Bahnverkehr rund um den zentralen Knotenpunkt Köln kam nahezu zum Erliegen.

Video: Ein Mann nimmt Geiseln am Kölner Hauptbahnhof

Einsatz der Polizei: Ein Beamter erklärt. (Video: SDA/Tamedia)

Regierungssprecher Steffen Seibert bedankte sich am Montagabend via Twitter bei den Einsatzkräften in Köln. «Die Gedanken sind jetzt bei den beiden verletzten Frauen, die hoffentlich bald wieder gesund werden», schrieb er.

Der Bahnhof Köln gehört zu den meistfrequentierten in Deutschland. Der Schienenknotenpunkt liegt im Stadtzentrum direkt neben dem Kölner Dom. Täglich durchströmen ihn rund 1300 Züge, bis zu 280'000 Reisende kommen hier auf elf Gleisen an oder fahren ab.

Aufregung um vermeintliche Schüsse

Wenige Stunden nach der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof sind bei der Polizei mehrere Notrufe wegen vermeintlicher Schüsse am nahegelegenen Ebertplatz eingegangen. Laut Zeugenaussagen seien bei einer Auseinandersetzung zwischen rund 15 Menschen mehrere Schüsse abgegeben worden, sagte ein Polizeisprecher am Montagabend. Der Platz sei abgeriegelt worden, es seien aber keine Patronenhülsen oder sonstige Hinweise auf den Einsatz einer scharfen Waffe gefunden worden. Es sei auch niemand verletzt worden.

In der Nähe des Platzes sei ein Obdachloser festgenommen worden, der eine Schreckschusswaffe bei sich trug, sagte der Polizeisprecher. Ob der Mann damit geschossen habe, sei noch unklar.

sep/fal/chk/afp/sda

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