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Taximörder erscheint als «Phantom» vor Gericht

Mit seinen brutalen Attacken gegen zwei Taxifahrerinnen versetzte er im vergangenen Sommer die Bodensee-Region in Angst und Schrecken: Zum Prozessauftakt erschien Andrej W. mit einer schwarzen Maske.

Versteckt hinter einer Maske und wortkarg: Andrej W. zum Prozessauftakt.
Versteckt hinter einer Maske und wortkarg: Andrej W. zum Prozessauftakt.
Keystone

Als Andrej W. den Schwurgerichtssaal des Konstanzer Landgerichts am Dienstagmorgen in Fussfesseln betritt, prasselt das Blitzlicht von drei Dutzend Kameras auf ihn ein. Der Angeklagte hat seinen Kopf mit einer Motorradmaske verhüllt, sodass nur die Augen zu erkennen sind, die auf den Boden starren. Doch auch als die Fotografen weg sind und der Angeklagte die Maske abnimmt und ein harmloses Gesicht preisgibt, bleibt der Eindruck eines Phantoms. Denn Andrej W. schweigt: zu den Vorwürfen und zu allem, was seine Person und sein Leben betrifft. Umso schwerer die Aufgabe des Gerichts, in sieben Verhandlungstagen herauszufinden, was in dem mutmasslichen Täter vorgeht und warum eine Taxifahrerin sterben musste.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten neben Mord auch versuchten Mord, Vergewaltigung und Raub vor. Er habe seine Opfer töten wollen, um danach seinen Geschlechtstrieb an ihnen befriedigen zu können. Der Angeklagte soll im Juni zunächst eine Taxifahrerin in Singen mit Messerstichen in den Hals attackiert, sie danach vergewaltigt und Geld aus ihrer Kasse gestohlen haben. In der Annahme, die Frau sei tot, sei der Angeklagte geflohen. Die Frau überlebte den Überfall mit schweren Verletzungen nur knapp. Einen Tag später soll Andrej W. in Hagnau in unmittelbarer Nähe zu Freibad und Campingplatz wieder eine Taxifahrerin in ihrem Wagen mit einem Messer angegriffen haben. Die 32-Jährige starb nach mehrfachen Stichen in den Hals.

Als die ersten Zeugen aus dem Kreise der Ermittler ihre traumatischen Erlebnisse am Tatort in Singen schildern, zeigt Andrej Ws. Gesicht keinerlei Regung. Er sitzt zwischen einem Vollzugspfleger und einer Dolmetscherin, sorgfältig darum bemüht, niemandem in die Augen zu sehen. Auch nicht, als die Zeugen das Martyrium eines seiner Opfer beschreiben.

Angeklagter soll Opfer in Singen brutal misshandelt haben

Polizeibeamte schildern, dass sie die schwer verletzte und vergewaltige Taxifahrerin in einem Gebüsch am Waldrand gefunden hätten. Das Opfer habe geschildert, wie Andrej W. ganz bewusst versucht habe, sie zu töten - und zwar vor der Vergewaltigung. Auch der behandelnde Arzt stützt diese Annahme in seiner Zeugenaussage. «Dann hat der Täter meiner Ansicht nach den Kopf des Opfers um 70 Grad gedreht, um sicher zu sein, dass es tot ist», schlussfolgert der Arzt. Es müsse eine unglaubliche Gewalt im Spiel gewesen sein, denn eine derartige Verletzung kenne er sonst nur von schweren und tödlichen Motorradunfällen.

Aus medizinischer Sicht habe der Messerstich Bänder am Hals teilweise komplett durchtrennt und darüber hinaus das Rückenmark verletzt. «Die Frau wird nie wieder laufen können», sagt der Mediziner. Die Taxifahrerin sei rechtsseitig komplett gelähmt und habe links Ausfallerscheinungen. «Die Prognose ist leider sehr schlecht. Ich bewundere den unglaublichen Überlebenswillen der tapferen Frau.» Das Gericht wollte das Opfer am Donnerstag in Tübingen in der Klinik vernehmen. Das Protokoll soll in der kommenden Woche im Prozess verlesen werden.

Eindeutig als Täter identifiziert

Das DNA-Material hat nach Aussage der Zeugen Andrej W. als Täter eindeutig identifiziert. Inwieweit er überhaupt schuldfähig ist und welches Motiv hinter den grausamen Verbrechen steckt, sollen die kommenden Verhandlungstage beleuchten - vor allem die Aussage des psychiatrischen Gutachters. Denn nichts deutet darauf hin, dass Andrej W. sein Schweigen doch noch bricht. Sein Pflichtverteidiger Klaus Frank sagt: «Ich habe ihm geraten, gar nichts zu sagen. Denn aufgrund der Beweislage bringt ihm ein Geständnis überhaupt keine Vorteile.»

Der Vorsitzende Richter Jürgen Bischoff weist darauf hin, dass bei einer Verurteilung auch die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt nebst Sicherungsverwahrung in Betracht komme.

dapd/mrs

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