Tornado verwüstet Süden von Luxemburg

Bis zu 100 Häuser sind nicht mehr bewohnbar. Auch in Amsteram gab es Windhosen, in Deutschland verletzte ein Blitz mehrere Fussballer.

Ein Tornado wütete am Freitagabend im Süden von Luxemburg. Video: L’Essentiel, Yves Reiff via Youtube

Nach einem Tornado im Südwesten Luxemburgs sind bis zu 100 Häuser nicht mehr bewohnbar. Das Unwetter beschädigte insgesamt rund 314 Gebäude in den Ortschaften Petingen und Kaerjeng.

Luxemburgs Arbeitsminister Dan Kersch sprach am Samstag von einem «Katastrophenszenario». Der Schaden sei enorm, könne aber noch nicht beziffert werden. Der Tornado war am Freitagabend über den südlichen Teil des Grossherzogtums gefegt und hatte eine Schneise der Verwüstung geschlagen.

Foto: Reuters/Pierrick Bourgeois

Von 19 Verletzten waren am Samstagabend noch zwei im Spital, sagte Innenministerin Taina Bofferding zudem. Eine Person davon wurde mit Knochenbrüchen schwer verletzt. Eine andere befinde sich in einem kritischen Zustand, weil sie einen Schock und einen Herzinfarkt erlitten habe, sagte ein Sprecher der Einsatz- und Rettungszentrale in Luxemburg.

Die Aufräumarbeiten würden tagelang dauern: Zur Unterstützung seien rund 200 Feuerwehrleute, 40 Polizisten und 50 Soldaten im Einsatz. Unter anderem hätten sich zahlreiche Dachdeckerbetriebe bereiterklärt, Betriebsferien zu unterbrechen und sofort an die Arbeit zu gehen. Mit Drohnen wollte man sich auch aus der Luft ein Bild über die entstandenen Schäden machen.

Neben den abgedeckten Häusern säumten zerstörte Autos und herumgewirbelte Trümmerteile die Strassen. Zudem wurden vier Strommasten von dem Tornado umgeknickt.

Foto: Reuters/Pierrick Bourgeois

Am Samstagnachmittag wollte sich Luxemburgs Grossherzog Henri vor Ort ein Bild machen. Regierungschef Xavier Bettel unterbrach seinen Urlaub, um über weitere Hilfsmassnahmen zu beraten. «Wir lassen keinen im Regen stehen», sagte Bettel am nach einer Sondersitzung des Kabinetts.

«Die Bürger haben in 15 Minuten ganz viel verloren», führte Bettel weiter aus. Der Premierminister nannte keinen Zahlen zu möglichen Finanzhilfen des Staates. Er lobte allerdings die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Luxemburger Bürger. «Ich bin wirklich sehr stolz. Premierminister eines Landes zu sein, in dem man sich hilft», hatte er am Samstagnachmittag bei einem Besuch der betroffenen Ortschaften gesagt. «Es sind Situationen wie diese, in denen man die Solidarität in unserem Land spürt.»

Stürme auch in Frankreich und Holland

Auch im Osten Frankreichs deckten heftige Stürme Hausdächer ab, knickten Bäume um und rissen Stromleitungen ab. Verletzt wurde niemand, wie das Radionetzwerk France Bleu am Samstag berichtete.

In Holland kam es ebenfalls zu heftigen Unwettern. In Amsterdam wurden mehrere Windhosen gefilmt:

Windhosen in Amsterdam. Video: AP, Storyful

Auch in Süddeutschland richteten Unwetter Schäden an. Bei einem Blitzeinschlag in Baden-Württemberg sind 15 Fussballer während des Trainings leicht verletzt worden. Der Blitz sei am Freitagabend in unmittelbarer Nähe des Sportgeländes in der Gemeinde Rosenfeld-Heiligenzimmern eingeschlagen, teilte die Polizei mit. Die Fussballer im Alter zwischen 19 und 48 Jahren seien dabei leicht verletzt worden. Ein Fussballer habe kurz das Bewusstsein verloren.

Rettungsdienste eilten mit einem Grossaufgebot zum Unglücksort. Die Verletzten wurden vorsorglich in umliegende Spitäler gebracht. «Nach derzeitigem Stand dürfte es glücklicherweise zu keinen ernsthafteren Verletzungen gekommen sein», erklärte das Polizeipräsidium Tuttlingen. Der Deutsche Wetterdienst hatte am Freitag vor schweren Gewittern in Teilen Süddeutschlands gewarnt.

Konzertgelände geräumt

In Neckarsulm liess eine Sturmböe ein Zirkuszelt zusammenstürzen. Dabei wurde ein Pferd so schwer verletzt, dass es eingeschläfert wurde. Etwa 15 Kamele und Pferde rissen aus, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Die Tiere seien schnell wieder einfangen worden. Menschen wurden nicht verletzt.

In Bayern wurde das Konzertgelände des Taubertal-Festivals geräumt. Die Musikfans wurden aufgefordert, in ihren Fahrzeugen oder im Stadtgebiet von Rotenburg Schutz zu suchen, wie die Polizei mitteilte. Rund 400 der 15'000 Tagesbesucher fanden zeitweise Schutz in einer Mehrzweckhalle. Mehrere Menschen wurden durch umherfliegende Gegenstände leicht verletzt.

Im Kreis Heilbronn wurden Strassen überflutet, Bäume stürzten um und beschädigten Autos. In Obereisesheim drohte eine Sporthalle einzustürzen. Das Technische Hilfswerk sicherte das Gebäude. Im Saarland wurde eine Autofahrerin bei Beckingen leicht verletzt, als ein Ast auf ihren Wagen fiel.

scl

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