Vaia fegt das Dach vom Albula-Hospiz weg

Das Sturmtief hat der Schweiz eine unruhige Nacht beschert. Das Gasthaus auf dem Albula-Pass bekommt die Zerstörungskraft des Orkans zu spüren.

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Vaia brachte der Schweiz örtlich viel Niederschlag. Schäden gab es vor allem im Tessin, aber auch auf dem Albula-Pass in Graubünden. Im Tessin herrscht nun Hochwassergefahr. Und in den Bergen wurden am Montagabend und in der Nacht auf Dienstag verbreitet Orkanböen registriert, wie der Wetterdienst Meteonews am Vormittag mitteilte. Auf dem Gütsch im Gotthardgebiet blies die stärkste Böe mit 213 Stundenkilometern.

Auf dem für den Verkehr geschlossenen Albulapass stürmte es vergangene Nacht so sehr, dass vier Strommasten umgeknickt sind. Auch das Gasthaus Albula wurde in Mitleidenschaft gezogen, wie 20min.ch schreibt. Die Pächterin, Gabriela Spinnler, erklärt: «Das ganze Dach ist weg. Wir wissen momentan noch nicht, wie es weitergehen soll. So etwas ist noch nie passiert. Ob wir im nächsten Jahr schon wieder öffnen können, ist momentan unklar.» Immerhin sei niemand verletzt worden, fügte die Pächterin an.

Mit 181 km/h auf dem Piz Martegnas oberhalb von Savognin GR und 166 km/h auf dem Ostschweizer Säntis wurden ebenfalls schwere Orkanböen registriert. In Elm GL wurden wegen Föhns Winde von 130 km/h registriert. Böen von bis zu 128 km/h wurden in Lugano gemessen, wie Meteonews mitteilte.

Gewaltige Regenmengen

Seit Freitag und bis Dienstagmorgen fielen teils grosse Regenmengen. Die Naturgefahrenfachstellen des Bundes sprachen von über 400 Millimetern Niederschlag im Centovalli und im Onsernonetal und lokal sogar von über 500 Millimetern. Im Oberengadin, im Goms und im Simplongebiet waren es meist über 200 Millimeter.

Sils-Maria im Oberengadin erlebte einen Rekord: 225 Millimeter Regen fielen über dem Ort, so viel wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 150 Jahren. Im November 2002 erhielt Sils-Maria mit 223 Millimetern indes fast ebenso viel Regen. Im Tessin schwollen wegen des starken Regens Bäche und Flüsse stark an. Gleiches war am Langensee zu beobachten. Dort, am Luganersee und im ganzen Tessin herrscht derzeit Hochwassergefahr der Stufe 2, wie die Naturgefahrenfachstellen meldeten. Das entspricht der zweittiefsten von fünf Gefahren-Warnstufen.

Auch Sturmwinde hinterliessen im Tessin Spuren. In Giubiasco bei Bellinzona wurde ein Teil des Daches eines Firmengebäudes weggerissen, wie die Polizei mitteilte. Teile trafen ein Nachbargebäude und einen fahrenden Zug.

Störungen im Bahnverkehr

Im Kanton St. Gallen mussten die Feuerwehren wegen des Sturms in der Nacht 16-mal ausrücken. Im Toggenburg, im Rheintal, aber auch in der Region See und Gaster stürzten Bäume um. Bis am Dienstagmorgen seien der St. Galler Polizei wegen des Sturms keine grösseren Schäden gemeldet worden, sagte ein Polizeisprecher gegenüber Keystone-SDA.

Auch der öffentliche Verkehr litt unter dem Sturm. Die Züge der Centovalli-Bahn zwischen Domodossola (I) und Locarno verkehrten nur auf der Schweizer Strecke von Locarno nach Camedo. Ein umgestürzter Baum hatte am Montagabend auf dem italienischen Streckenabschnitt die Stromzufuhr unterbrochen.

Verkehrsbehinderungen gab es auch in Graubünden und im Wallis. Die Berninalinie der Rhätischen Bahn (RhB) war ab Dienstagmorgen bis Mitte Nachmittag sowie ab dem frühen Abend bis Betriebsschluss wegen des Unwetters unterbrochen. Es wurden Ersatzbusse eingesetzt. Im Oberwallis verkehrten zwischen Visp und Zermatt nach einem Steinschlag am Nachmittag Busse statt Züge.

Wallis hebt Warnung auf

Im Kanton Wallis, wo die Behörden eine Unwetterwarnung ausgegeben hatten, gab es keine grösseren Schäden, wie die Kantonspolizei am Dienstag mitteilte. Die Regenmengen seien kleiner gewesen als prognostiziert. Am Simplon und im Binntal wurden statt der erwarteten 250 Liter pro Quadratmeter nur 150 Liter registriert.

Windböen von bis zu 150 km/h richteten in Wäldern der Regionen Mund und Bettmeralp Schäden an. Im Gebiet von Mund riss der Wind zwei Hausdächer weg. Die aus Sicherheitsgründen gesperrte Simplonstrasse wurde am Vormittag wieder geöffnet; die Zufahrt ins Saastal sollte nach Reinigungsarbeiten am Nachmittag wieder freigegeben werden.

Gefahr nicht vorbei

Vorbei ist die Gefahr nach dem Orkan Vaia nicht. Für Mittwoch erwarteten die Naturgefahrenfachstellen des Bundes starke Südwinde in den Bergen und starken bis stürmischen Föhn in den nördlichen Alpentälern. Sie gaben eine Warnung der Gefahrenstufe 3 – die mittlere der fünf Warnstufen – aus.

Die gute Seite der starken Regenfälle ist, dass in etlichen Gebieten die seit Monaten bestehenden Warnungen vor Waldbrandgefahr aufgehoben werden konnten. Die Behörden in Graubünden zum Beispiel meldeten, dass das seit dem 11. Juli geltende Feuerverbot im Wald und in der Nähe von Wäldern aufgehoben werde.

Auch wenn der viele Regen und Schnee die Trockenheit milderten, liegen die Pegel von Schweizer Seen und Flüssen mehrheitlich noch immer unter dem für den Herbst üblichen Niveau. Niedrigwasser herrscht weiterhin im Jura und im westlichen Mittelland.

nag/fal/ij/sda

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