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«Vielleicht hatte Klatten noch nie so guten Sex»

Auf einen charmanten Scharlatan reinzufallen, kann auch einer BMW-Erbin passieren, findet Psychologin Julia Onken.

In so kurzer Zeit jemanden so manipulieren zu können – wie ist das überhaupt möglich? Die meisten Menschen wollen geliebt werden, wollen Wertschätzung, Interesse, Würdigung. Und wenn man das Gefühl hat, man bekommt das von jemandem – und ist vielleicht etwas unterversorgt - dann geht das ruck-zuck.

Passiert das nicht vor allem verzweifelten und einsamen Frauen? Überhaupt nicht. Das ist eine völlig normale Frau, ohne neurotische Störungen. Ist sie denn verheiratet?

Ja. Gut, dann hat es der Mann einfach nicht gebracht. Vor allem langjährig Verheiratete, laufen Gefahr, im emotionalen Bereich unterversorgt zu sein. Unter Umständen fühlt man sich einsamer, als wenn man alleine in einer Berghütte wohnen würde. Das sind typische Abnutzungserscheinungen. Und dann kommt so einer, der ihnen das Gefühl gibt, dass er sie versteht. Da fühlt man sich gleich im siebten Himmel und denkt nicht lange darüber nach. Das ist ein völlig normaler Vorgang.

Einer glücklichen oder zufriedenen Frau kann so etwas doch nicht passieren? Und ob. Es gibt auch langweilig glückliche Frauen. Und dann kommt irgendein Skilehrer. Und – zack! – ist es passiert.

Müsste eine so reiche Frau nicht skeptisch werden? Frau Klatten ist natürlich ein armes Schwein – auf deutsch gesagt. Ein Mann mit viel Geld hat es viel einfacher: Er geht in ein Edel-Bordell oder hält sich eine Geliebte. Mätressen sind ohnehin verschwiegen, die plaudern selten etwas aus. Wie soll aber eine bekannte Frau mit viel Geld ihr Bedürfnis nach Kontakt, Zärtlichkeit und Sex – und zwar in dieser Reihenfolge – befriedigen?

Mit einem Callboy? Entschuldigung, das ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Allein einen Callboy mit einer anständigen Qualität zu finden, dürfte schwierig sein. Da sind Männer besser dran. Es scheint auch so, dass es der Betrüger sehr überzeugend gemacht hat.

Kann das einem Mann genauso leicht passieren? Klar. Männer reagieren aber eher auf optische, erotische, stimulierende Reize. Setzt man hier die richtigen Zeichen, prügelt es auch jedem Mann das Hirn. Er wittert dann die Gefahr auch nicht mehr. Beide Geschlechter sind gleich verführbar. Vielleicht ist aber nicht jede Frau so geschickt und perfid und holt da noch Millionen raus.

Sie betreuten auch Frauen, die übers Ohr gehauen wurden. Ja. Die Scham dieser Frauen ist grenzenlos. Sie gaben sich einem Menschen hin und dann stellt sich alles als Aprilscherz heraus. Viele machen sich im Nachhinein grosse Vorwürfe und denken «ich dumme Kuh.» Das Wichtigste ist dann, möglichst viel Verständnis für sich selbst zu entwickeln und sich nicht zu entwerten.

Kann man einem solchen Missbrauch auch vorbeugen? Klar kann man sagen: «In Zukunft bin ich vorsichtiger.» Doch wenn man stets vorsichtig ist, dann schöpft man auch nicht aus dem Vollen. Jeder muss sich entscheiden: Will ich mich aufs Leben einlassen, auf die Gefahr hin, dass ich hinfalle oder fahre ich mit angezogener Handbremse durch die Gegend? Vielleicht hat sich das Ganze ja irgendwie gelohnt: Womöglich war Sgarbi ein fantastischer Liebhaber. Und Klatten denkt: «Es hat mich Millionen gekostet und ich stehe blöd da. Aber so guten Sex hatte ich noch nie.»

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