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Leichtathleten starten in die SaisonPlexiglas hier, Einzelstart dort

In Langenthal wurde die Saison in der Stadion-Leichtathletik lanciert. Laufanlässe sind hingegen derzeit nur mit speziellen Formaten möglich.

Die Athletin ist bei der Startnummernausgabe durch eine Plexiglasscheibe von den Helferinnen getrennt,
Die Athletin ist bei der Startnummernausgabe durch eine Plexiglasscheibe von den Helferinnen getrennt,
Foto: Iris Andermatt

Die Stimme von Stadionsprecher Marcel Hammel ist von weitem zu hören. Auch wer nicht gewusst hat, dass im Langenthaler Hard-Stadion ein Leichtathletik-Meeting stattfindet, wird dadurch aufmerksam gemacht. Vor Ort einen Augenschein nehmen darf man jedoch nicht. Take-off-Meeting wird der Anlass unter Ausschluss der Öffentlichkeit genannt, es handelt sich um das erste grössere Leichtathletik-Meeting auf Berner Boden nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Bekannte Namen wie die Hürdensprinterin Noemi Zbären sind am Start, aber auch zahlreiche vor allem auf regionaler und nationaler Ebene aktive Athletinnen und Athleten, die endlich in die Freiluftsaison 2020 einsteigen dürfen.

Einige Dinge sind anders als sonst bei Meetings. Absperrbänder weisen darauf hin, dass Zuschauer nicht erwünscht sind, obwohl das Stadion nicht umzäunt ist. Wer hinein darf, muss sich an einem Tisch am Eingang melden, die dort arbeitenden Personen sind durch eine Plexiglasscheibe geschützt. Genauso die Leute, die die Startnummern herausgeben. Schutzmasken sind jedoch kaum zu sehen, nur die zwei Mitarbeiter beim Essens- und Getränkestand bedecken Mund und Nase. Vieles fühlt sich jedoch so an, wie es im öffentlichen Diskurs als «neue Normalität» bezeichnet wird. Sportlerinnen und Sportler stehen in kleinen Gruppen und mit ihren Coachs beieinander und tauschen sich aus. Lediglich auf das sonst übliche Abklatschen und Umarmen verzichten sie. «Es fehlen die Freunde und Familienmitglieder, die einen anfeuern», sagt der Langenthaler Kugelstösser Jorell Jackson. Die Stimmung ist so gedämpfter als üblich.

Leichtathletik: Nur beim Essens- und Getränkestand werden Masken getragen.
Leichtathletik: Nur beim Essens- und Getränkestand werden Masken getragen.
Foto: Iris Andermatt

Vor allem jedoch ist die Freude da, endlich wieder Wettkämpfe bestreiten zu können. Die Athletinnen und Athleten konnten während einiger Wochen nicht normal trainieren, da die Stadien geschlossen waren. Noemi Zbären gelingt dennoch ein Exploit. In 13,14 Sekunden ist sie über 100 m Hürden so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr. Mit der 26-jährigen Langnauerin scheint wieder zu rechnen zu sein, nachdem sie wegen eines Kreuzbandrisses, mehreren Muskelfaserrissen und Schmerzen im Hüftbereich in ihrer Leistungsentwicklung weit zurückgeworfen worden war. «Ich habe gewusst, dass ich nicht schlecht in Form bin», kommentiert sie ihre starke Leistung. Während der Corona-Zwangspause habe sie oft am Stehvermögen gearbeitet, viele Hügelläufe absolviert. Harte Basisarbeit, die sich offenbar bereits ausbezahlt hat.

Die Szenerie in Langenthal wird generell von den Sprinterinnen und Sprintern dominiert, dazu kommen Sprung- und Wurfkonkurrenzen. Längere Läufe fehlen im Programm, aber nur des Wettkampfkalenders wegen. Am Dienstag findet in Wetzikon ein Meeting statt, dessen Schwerpunkt auf den Mittel- und Langstrecken liegt. Während der Wettkämpfe gelten die Corona-Abstandsregeln nicht; es darf im Pulk gelaufen werden.

Noemi Zbären präsentierte sich beim Saisonstart bereits in ausgezeichneter Form.
Noemi Zbären präsentierte sich beim Saisonstart bereits in ausgezeichneter Form.
Foto: Iris Andermatt

Den Wettkampf vermisst

Alles andere als Normalität herrscht hingegen im Bereich der Volksläufe. Weil derzeit höchstens 300 Personen an einer Veranstaltung teilnehmen dürfen, sind bis in den Spätsommer hinein die meisten Anlässe abgesagt worden. Innovative Ansätze sind gefragt. 60 Personen nehmen am Sonntag in Hasle am ersten der drei Hügelläufe teil, die die Ultratriathletin Eva Hürlimann im Emmental organisiert. Gestartet wird einzeln im Minutenabstand, sodass sich kein grösserer Pulk bilden kann. Breitensportlerinnen und -sportler, aber auch bekannte Namen aus der Triathlon- und der Läuferszene legen die 9,5 km zurück. Der Wiedlisbacher Emil Berger (53) etwa organisiert im Oberaargau selbst Läufe. Als 15-Jähriger startete er am ersten Grand Prix von Bern und liess seither den Anlass in der Bundesstadt nie aus. Auch in diesem Jahr wäre der GP einer der Saisonhöhepunkte gewesen. «Ich habe die Wettkämpfe vermisst», sagt Berger. «Für mich war klar, dass ich den ersten Lauf, der wieder angeboten wird, bestreite. Ich wäre dafür auch in die Ostschweiz gefahren. Umso besser aber, dass er nicht weit weg von mir daheim stattfand.» Während des Lockdown setzte Berger für drei Wochen mit dem Training aus, normalerweise läuft er pro Woche 40 bis 60 Kilometer. Ohne Corona hätte er in diesem Jahr bereits 30 bis 35 Wettkämpfe bestritten.

«Ich musste mich erst wieder daran gewöhnen, einen Wettkampf zu bestreiten», sagt wiederum die Triathletin Tabea Ruegge. Die 36-Jährige aus Urtenen-Schönbühl hat ihre Jahresplanung bereits seit längerem umgestellt. Triathlon-Anlässe finden in nächster Zeit keine statt. Es ist möglich, dass im September in Murten einer durchgeführt wird. Ruegge fokussiert sich in diesem Jahr auf lange Radrennen, geplant ist etwa ein Start am Race Around Austria. «Trainieren macht mir sehr viel Freude, ich habe daher den Umfang nie reduziert», sagt sie. Aber auch sie stand gern wieder an einer Startlinie; in Hasle kehrte auch für sie ein Stück Normalität in ihr Sportlerleben zurück.

Emil Berger genoss es, wieder einmal einen Wettkampf zu bestreiten.
Emil Berger genoss es, wieder einmal einen Wettkampf zu bestreiten.
Foto: Iris Andermatt
Auch Tabea Ruegge nahm den Lauf mit einem Lächeln in Angriff.
Auch Tabea Ruegge nahm den Lauf mit einem Lächeln in Angriff.
Foto: Iris Andermatt