Plötzlich waren die Daten weg

Vom Server einer Oberaargauer Firma verschwanden die Kundendaten. Der Chef beschuldigt eine Angestellte. Diese wittert ein Komplott.

Eine Angestellte wird von ihrem Chef beschuldigt Kundendaten abgezogen zu haben.

Eine Angestellte wird von ihrem Chef beschuldigt Kundendaten abgezogen zu haben.

(Bild: iStock)

Jahrelang belieferte das Kleinunternehmen aus dem Oberaargau Kunden in der ganzen Schweiz. Doch auf einmal klafften in den Auftragsbüchern immer grössere Lücken. Auf der Suche nach der Ursache durchforsteten die Chefs den Computer einer Mitarbeiterin, die eigentlich als Telefonistin und Empfangsdame angestellt war, sich daneben aber auch um die Akquise neuer Klienten kümmerte.

Bei ihrer Recherche stellten die Verantwortlichen fest, dass fast alle Ordner aus dem System verschwunden waren. Insgesamt fehlten auf dem Firmenserver ­gemäss ihren Angaben über 500 Dateien im Umfang von rund 90 Megabyte. Daraufhin erstat­teten sie Strafanzeige wegen Datenbeschädigung. Und ent­liessen die Frau. Schon Wochen zuvor hatten sie ihr mit der Kündigung gedroht für den Fall, dass sich ihre Leistungen nicht bessern würden.

Einspruch gegen Strafbefehl

Für das Beschädigen elektronischer Daten sieht das Gesetz Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vor. Die Staatsanwaltschaft beliess es jedoch bei einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 180 Franken Franken und einer Busse von 900 Franken. Gegen den Strafbefehl erhob die 54-Jährige Einspruch. Deshalb muss sich nun Einzelrichter Manuel Blaser vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau mit dem Fall befassen.

Der Firmeninhaber, der als Privatkläger auftrat, vermutet, die Frau habe mit ihrer Aktion entweder aus ihm unerfindlichen Gründen der Firma schaden oder aber verhindern wollen, dass er und sein Partner Belege für ihre dahin nur vermutete ungenügende Leistung fänden.

Jederzeit «voll motiviert»

Die Beschuldigte gab zu Protokoll, sie habe «nie irgendwelche Daten gelöscht», sondern jederzeit «voll motiviert» nach Neukunden gesucht. Die entsprechenden Dokumente habe sie vorschriftsgemäss im System deponiert. Möglicherweise hätten ihre Chefs nach einem Vorwand gesucht, unter dem sie sie schnell und günstig loswerden könnten. Finanziell sei es der Firma schlecht gegangen. Einer ihrer Arbeitgeber habe ihr gesagt, sie sei «zu teuer». Lohnzahlungen seien unregelmässig erfolgt und Offerten kaum mehr erstellt worden. Wann genau die Daten abhanden kamen, liess sich nicht eruieren. Unklar blieb auch, was die Frau von einer Sabotage der Firma gehabt haben könnte; hätten ihre Eingriffe tatsächlich zum Niedergang des Betriebs geführt, wäre sie ohnehin auf der Strasse gestanden.

Gegen Abend beschloss Richter Blaser, den Prozess abzubrechen und auf ein noch zu bestimmendes Datum zu vertagen. Für die Fortsetzung des Verfahrens biete er auch einen Vertreter der Firma auf, welche für die Computer des Oberaargauer Unternehmens zuständig ist. Oder vielmehr, bald verantwortlich war: Mit seinem Geschäft steht der ­Inhaber, wie er erklärte, nur noch wenige Schritte von den Türen des Konkursamtes entfernt.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...