Rechnung an die Canepas

Brunos Idee beim himmeltraurig-grottenschlechten Zürcher Cupderby.

Fredy Wettstein@fredyinho

Ist ein Spiel langweilig, und dieses Spiel war es, himmeltraurig-grottenschlecht gar, dann hat man viel Zeit, um mit seinem Sitznachbarn zu reden. Bruno war im Letzigrund, seit langer Zeit wieder einmal live in einem Stadion, beim Cupspiel FCZ gegen GC, ein Freund hatte eingeladen, und nebenan sass ein bekannter Schauspieler, er ist seit Kinderzeiten FCZ-Fan. Er sprüht immer vor Ideen, manchmal schrägen, und so war es auch an diesem kalten Abend, der Mond schien, unten auf dem Rasen spielten sie, aber hinzusehen lohnte sich nicht. Der Schauspieler fand: «Eigentlich sollte man als Zuschauer entschädigt werden. Wie würden Clubs reagieren, wenn man ihnen nach so einem Spiel eine Rechnung stellte?» Bruno versprach, einen Vorschlag zu machen, und legt nun diese Musterrechnung im Bistro vor Luca auf den Tisch.

Geschätzte Familie Canepa
Wir sind die Familie Hugentobler aus Rüti im Zürcher Oberland, Sie, lieber Herr Canepa, kennen den Ort gut. Sie haben hier mal Ihre Fussballkarriere begonnen und bald wieder begraben. Ich habe meine Frau und meine zwei Kinder zum Cupspiel FCZ gegen GC eingeladen, seit Wochen freuten sie sich auf diesen Tag. Ich habe ihnen versprochen, sie würden einen unvergesslichen Abend erleben, ein grosses Spiel, wie damals, ich weiss, Sie erinnern sich nicht gern daran, an dieses 5:6. Gut, diesmal haben Sie gewonnen, aber Sie müssen doch zugeben: Das Spiel war miserabel. Zu Hause hängt seither der Haussegen schief, meine Frau und die Kinder sind hässig, ich hätte ihnen den Abend verdorben. Und so sehe ich mich gezwungen, Ihnen als Organisator des Spiels eine Rechnung zu stellen und Schadenersatz für diesen misslungenen Abend zu fordern. Ich liste Ihnen mal unsere Auslagen auf: Wir lösten Tickets im Familiensektor (100 Fr.), fuhren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Rüti zum Letzigrund (50.40 Fr.), und alle haben eine Bratwurst gegessen, dazu ein Bier und zwei Coci getrunken (48 Fr.), und vor dem Heimweg musste ich meinen Kindern noch Pommes frites kaufen (12  Fr.). Dann hatte ich schon vor dem Spiel Auslagen: Bei der Schulleitung haben wir zwei Joker-Tage beantragt, da ich ja nicht wollte, dass die Kinder am anderen Tag übermüdet in die Schule gehen (Porto für den Brief, zwei Telefonate 2.80 Fr), und, ja, gut, das hätte zwar nicht unbedingt sein sollen, aber ich habe meine Frau zum Dorf-Coiffeur geschickt, sie sollte doch chic aussehen für einen solchen Abend (82  Fr.). Total macht das also 295.20 Franken. Ich bin allerdings bereit, 19.20 Franken abzuziehen für den Auftritt Ihres weissen Hundes kurz vor dem Anpfiff, als er beinahe auf das Spielfeld rannte und von Ihnen ein­gefangen werden musste, das war der Höhepunkt des Abends, wunderbar. Ich nehme an, er musste nachher in Ihrem Auto in der Tiefgarage ausharren und hat sicher teures Hundefutter bekommen, er ist ja ein Feinschmecker (deshalb 19.20 Fr. Abzug). Lieber Herr Canepa, liebe Frau Canepa, überweisen Sie mir die 276 Fr. baldmöglichst auf mein CS-Konto 80-66...... Mit bestem Dank und ­freundlichen Grüssen.
Familie Hugentobler, Rüti

Luca ist begeistert, sagt dann aber zu Bruno: «Dieser Schauspieler hat pfiffige Ideen. Aber hat er auch überlegt, was das für ihn selbst bedeuten könnte? Wenn solche Forderungen nicht nur enttäuschte Fussballzuschauer stellen, sondern auch unzufriedene Besucher nach einem seiner Theaterabende?» Bruno: «Eben. Und deshalb möchte er nicht, dass ich seinen Namen nenne. Er will doch mit seinem neusten Stück bald auch in Rüti auftreten.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt